Tag der offenen Moschee in Korbach

Faszinierende Begegnung mit dem Islam

Korbach - Auf Socken eine fremde Kultur entdecken: Die Korbacher Bayazit-Moschee hat am Freitag ihre Türen für Besucher geöffnet und Einblicke ins Gemeindeleben sowie persönlichen Kontakt mit Muslimen geboten.

Es klingt fremd, aber auch faszinierend. Imam Kadir Kiniks Stimme ist klar, seine Worte werden von einem melodisch fortlaufenden Fluss getragen. Koranrezitation ist eine Kunst, zwischen Sprechen und Gesang. Kinik trägt in arabischer Sprache die 55. Sure vor: ar-Rahmān, der Allerbarmer. In ihr wird das Lob des gütigen Schöpfergottes besungen. Sie gilt vielen als poetischster Text des Korans. Yücel Kocak übersetzt die Sure anschließend auf Deutsch – was weitaus nüchterner klingt. Für viele Besucher des „Tags der offenen Moschee“ ist es die erste so nahe Begegnung mit dem Islam. Im Rahmen der interkulturellen Woche hat die türkisch-islamische Gemeinde in ihr Gotteshaus eingeladen. Die Korbacher Organisation gehört dem Dachverband Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) an, eine der größten islamischen Vereinigungen in Deutschland. „Vertrauensvolles Zusammenleben setzt gegenseitiges Kennenlernen voraus“, sagt Vorsitzender Yasin Sümer. Es gibt deshalb Führungen, Vorträge, türkische Spezialitäten und Tee und erstmals können die Gäste dem wichtigsten Wochengebet der Muslime – dem Freitagsgebet – beiwohnen. Merve Gökhan gibt eine kleine Einführung in die Geschichte des Korans von der Offenbarung bis zur Verschriftlichung und Kabilay Öztop fasst den Inhalt zusammen: „Der Koran handelt vom Glauben an den einen Gott. Es ist kein Buch voller Normen, sondern wendet sich mit Parabeln und Gleichnissen an die Menschen.“ Vor allen Dingen können Fragen gestellt werden. Rund 20 Besucher sitzen in Socken auf dem dicken, weichen Teppich des Gebetsraums. Beim Freitagsgebet und an islamischen Feiertagen beten sonst hier mindestens 150 Moslems oder hören der Predigt von Imam Kadir Kinik zu. „Auf jede Frage gibt es eine Antwort“, verspricht Muhammet Balkan vom Vorstand der Gemeinde – und bald entspannt sich eine rege Diskussion.Die interkulturelle Woche in Korbach steht 2014 unter dem Titel „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede leben“. Die im vorigen Jahr zum ersten Mal organisierte Veranstaltungsreihe trägt offenbar Früchte: „Die Vertrautheit wächst“, stellt Eva Brinke-Kriebel, Dekanin des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, fest. „Die interkulturelle Woche betont die Botschaft von Frieden, Nächstenliebe und Toleranz als Kern aller Glaubensrichtungen“, sagt Kreisbeigeordneter Hermann Hirth. Den Abschluss in diesem Jahr bildet der Vortrag „Die Spätaussiedler: Wer und wie sie sind...“ am Donnerstag, 9. Oktober, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Johanneskirche. Von Lutz Benseler

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