600 Jahre Padberger Fehde: Wie erlebten die Padberger die Kämpfe zwischen ihrer Stadt und Korbach?

Die Fehde „war der Anfang vom Ende“

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Überlegten gemeinsam: Der Korbacher Joachim Stade, der vor Jahren den Kontakt nach Padberg aufnahm, und Heimatforscher Becker sowie Gräfin Ulrike Droste zu Vischering.

Padberg/Korbach - Wenn im Juni der Schießhagen zum Heerlager wird, dann gedenken die Korbacher der „Padberger Fehde“. Diese ist in Padberg völlig unbekannt. Jedes Kind kennt dort aber die „Korbacher Fehde“. Ein Blick auf die zweite Seite der Medaille.

Raubritter, Viehdiebe, üble Gesellen – was haben die Korbacher nicht alles den Padbergern hinterhergerufen. Und das nur, weil der damalige Graf mit Unterstützung der schweren Reiterei ein ums andere Mal in Korbacher und Waldecker Gebiet eingefallen war.

Wer in Padberg mit offenen Augen durch die Stadt läuft, der findet auch dort Spuren der damaligen Geschichte, die 1413 ihren Höhepunkt fand. Damals hatten die Korbacher mit Schützenhilfe von außen gegen überlegene Padberger einen Sieg am Raingraben bei Gut Dingeringhausen davongetragen.

In Padberg möchte kaum ein Einwohner die Vorfahren in Schutz nehmen. „Sie sind raubend, mordend und brandschatzend durch die Lande gezogen, haben das Vieh der anderen vertrieben. Das haben sie immer so gemacht“, spricht beispielsweise eine, die es wissen muss, Klartext. Ulrike Gräfin Droste zu Vischering gehört zu dem Adelsgeschlecht, das die Padberger vor 150 Jahren beerbte. Verteidigen will sie die Geschehnisse von damals nicht. „Die Korbacher wurden gedemütigt. Dabei waren diese gar nicht im Krieg mit uns“, erzählt sie.

Aber was trieb die Padberger dazu, ihre Nachbarn zu überfallen? Eigentlich ging es der Stadt gut: Sie lag an der wichtigen örtlichen Handelsroute Korbach – Obermarsberg. Die beiden Burgen am „Alten Hagen“ und am „Neuen Hagen“ ragten weit sichtbar bis zur Diemel und Rhene in die Landschaft und kündeten von einer stolzen Stadt.

Geschäft: Raubzüge

Das ehrwürdige Kloster Flechtdorf gehörte seit 1104 ebenso zu Padberg wie zahlreiche Verwalterhöfe (Meierhöfe) und Bauernhöfe. „Ein großer Teil Waldecks gehörte zu Padberg“, erzählt die Gräfin nicht ohne Stolz. Doch es kam, wie es kommen musste: Die Padberger übernahmen sich und überspannten den Bogen. Sie beteiligten sich Ende des 14. Jahrhunderts an vielen Raubzügen in der näheren und weiteren Umgebung, weil die wirtschaftlichen Grundlagen in Padberg nicht mehr ausreichten.

Die Grafen wurden rauer, machten sich Feinde, stießen eine Drohung nach der nächsten aus. Federführend war „Friedrich vom Alten Haus Padberg“ mit seinen Söhnen in zwei Adelsgesellschaften, den berühmt-berüchtigten Falken und Benglern. Die stadtfeindliche Politik der Padberger bekamen 1413 auch die Korbacher zu spüren. Doch der „grande bellum“, der große Krieg, wie ihn die Nachbarn Korbachs nennen, ging zugunsten der heutigen Kreisstadt aus. Drei von Padbergs und 100 Kämpfer kommen in Gefangenschaft.

„Es war der Anfang vom Ende“, gesteht Gräfin Droste zu Vischering. Dass die Padberger immer noch mit allen Wassern gewaschen sind, bewiesen sie augenzwinkernd im Jahr 1952. Damals wollten die Korbacher im Rahmen des Schnadezuges einen Gedenkstein auf der Helmscheider Höhe enthüllen. „Allerdings gedachten die Korbacher dabei nur des Siegs – und nicht der gemeinsamen Geschichte mit Padberg. So weit war man damals noch nicht“, schätzt die Gräfin.

Padberger „rächen“ sich

Das ließen sich die Padberger nicht gefallen und transportierten den Steinkoloss in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurzerhand in ihre Heimat. „Am nächsten Morgen rief unser Bürgermeister in Korbach an und berichtete, dass der Stein in Padberg störe und ausgelöst werden müsse“, erinnert sich Heimatpfleger Horst Becker, der damals als kleiner Junge an der Aktion teilnahm. Die Korbacher Delegation, die anrückte, entführte kurzerhand unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Padberger Stadtoberhaupt. Doch ein „Fuder Bier“ mussten die Kreisstädter trotzdem noch springen lassen, um den Stein auszulösen.

Nachstellung am 22. Juni

„Als wir an der Helmscheider Höhe mit Bussen ankamen, hatten die Korbacher eine Kapelle organisiert und spielten uns ein Ständchen“, erinnert sich Becker und lächelt. Die Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzung sind aber spätestens seit 1952 vorbei. Seit vielen Jahren nehmen Delegationen der Padberger am Reginentag in Korbach teil, bei dem sie des Friedens zwischen den damals so verfeindeten Städten gedenken. Nur am 22. Juni 2013, dem Tag der Schlachtnachstellung im Korbacher Schießhagen, soll noch einmal so etwas wie Feindschaft aufflammen – aber nur, um sie nach der Vorstellung, die die Korbacher Gruppe St. Regina organisiert, bei einem gemeinsamen Umtrunk endgültig zu Grabe zu tragen.

Die Fehde

Die Fehde war im Mittelalter ein legales Instrument, um Streitigkeiten zwischen Freien wie Rittern oder dem Hochadel zu klären. Eine Fehde musste per Urkunde angekündigt werden – sonst konnte die Acht über den Verfasser ausgesprochen werden. Formal beseitigte Kaiser Maximilian I. mit dem ewigen Landfrieden 1495 das Fehderecht, das aber noch hundert Jahre weiter wirkte.

Raubzüge

Die Herren von Padberg beteiligten sich Ende des 14. Jahrhunderts an vielen Raubzügen. Eine Auswahl:

1381: Padberg zieht gegen Frankenberg (Eder). Graf Friedrich entgeht der Hinrichtung nur mit Mühe.

1385: Kriegszug gegen den Landgrafen von Hessen.

1388/89: Fehdezüge gegen das Domkapitel Paderborn. Der Bischof verwüstet daraufhin zweimal die Stadt.

1393/94: Truppen aus Waldeck, Köln und Paderborn äschern die Herrschaft Padberg ein.

1397/98: Frieden mit Hessen und Köln. 1400: Fehde gegen Braunschweig. 1408: Graf Heinrich von Waldeck und Landgraf von Hessen schließen einen Pakt gegen die Padberger.

1413–1416: Schlacht bei Korbach, die Korbacher äschern daraufhin Padberg ein. Padberg verliert rapide an Macht, 1416 folgt der Burgfrieden.

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