Beim Open-Air-Konzert im Stadtpark überzeugen Orchester und Solisten

Feinheiten in nie gehörtem Glanz

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Mitreißende Melodien: Das „Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach“ unter der Leitung von Rainer Horn.Fotos: Hennig

Korbach - Mit einem Fest der leichten Muse und der Lichter begeisterte das „Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach“ (SBO) mit den Solisten Vera Filipponi, Larissa Niederquell und Thomas Schwill die zahlreichen Zuhörer im Korbacher Stadtpark.

Zum Auftakt hob Rainer Horn den Taktstock für Franz von Suppés mitreißende „Leichte Kavallerie“, ehe Conferencier Thomas Korte mit flotter Moderation ins Reich der Operette einführte. Im weiteren Verlauf gab der Medienprofi, der für den musikalischen Teil immer wieder hinter dem Pult für die Posaune Platz nahm, Einblicke in die Entstehung der Werke, die Mühen der Proben oder auch die anfänglichen Vorbehalte gegenüber der Operette. Die aktive Auseinandersetzung mit der melodienseligen Muse entwertete bei den Musikern schnell sämtliche Vorurteile, und die Zuhörer im Korbacher Stadtpark ließen sich auf Anhieb von ihrer Spielfreude anstecken, zumal sich die Vokalisten auch nicht auf den Notentext beschränkten, sondern das Geschehen lebhaft auf die Bühne brachten.

Den Auftakt der szenischen Interpretation machten Thomas Schwill und Larissa Niederquell mit „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus Carl Zellers „Vogelhändler“. Auf den lebhaften Flirt zwischen dem Naturburschen Adam und der Kurfürstin folgte mit einer Trio-Version von Franz Léhars „Vilja“-Lied aus der „Lustigen Witwe“ gleich der nächste jener Ohrwürmer, die sich im Gehörgang einnisten, um Stammgast zu bleiben.

Duett aus „Csardasfürstin“

Bei seinem Spätwerk „Giuditta“ überschritt der Meister der leichten Muse die Grenze zur Oper, entsprechend hoch waren die Anforderungen, die Vera Filipponi bei „Meine Lippen, die küssen so heiß“ mit glockenklarem Ton bewältigte.

Sinfonische Blasmusik auf allerhöchstem Niveau bot der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß (Sohn), der zum orchestralen Höhepunkt der ersten Hälfte geriet: gut zehn Minuten musikalische Glückseligkeit mit immer neuen Genussmomenten, zumal das Arrangement zahlreiche Feinheiten in nie gehörtem Glanz zur Geltung brachte. Thomas Korte wies denn auch noch einmal auf die zahlreichen Hürden bei der Transformation des für Streicherklänge komponierten Originals in die Tonwelt der Blasinstrumente hin.

Unbeschwert im Walzertakt ging es mit Emmerich Kálmans Duett „Tanzen möcht ich“ aus der „Csardasfürstin“ weiter, einem weiteren Show-Highlight für Vera Filipponi und Thomas Schwill, der beim Dialog zu „Komm mit nach Varasdin“ aus „Gräfin Mariza“ als Koloman sein komödiantisches Talent aufblitzen ließ und das weite Rund mit dem Vorschlag, mit 48000 Ferkeln die größte Schweinerei aufzuziehen, zum Lachen brachte. Das feurige Duett mit Larissa Niederquell geriet zum schwungvollen Schlusspunkt unter die erste Hälfte.

Die ungarischen Tänze Nummer fünf und sechs von Johannes Brahms bildeten die wohlklingende Ouvertüre zum stimmungsvoll ausgeleuchteten zweiten Teil, der den Stadtpark in eine magische Sinfonie aus Licht verwandelte. Thomas Schwill eröffnete das erste Arienkapitel mit einer eher nachdenklichen Interpretation von Franz Lehars „Dein ist mein ganzes Herz“. Fred Raymonds „Die Julischka aus Budapest“ erwies sich dagegen als unausgesprochene Aufforderung zum Mitklatschen, die von Larissa Niederquell und dem SBO so charmant vorgetragen wurde, dass sich prompt auch viele Hände im weiten Rund regten. Zu „Ich lade mir gern Gäste ein“ schnappte sich die Mezzosopranistin ein Glas und ging durch die Reihen, während sie die Arie des Unikums Fürst Orlowsky aus der Fledermaus in Szene setzte.

Reigen voller Zugaben

Der Operette schlechthin war der letzte Block des Abends gewidmet. Vor den Arien und Ensembles spielte das SBO eine Suite mit den populären Weisen zum Einhören für Novizen und zum Schwelgen für Kenner. Beim scheinheiligen Abschiedstrio „So muss allein ich bleiben“ erwiesen sich die drei Solisten als Ironiker hohen Grades. Als Adele goss Vera Filipponi dann den vollen Spott über ihren Dienstherrn Eisenstein aus und Thomas Schwill lachte tapfer mit. „Im Feuerstrom der Reben“ gab Larissa Niederquell den ersten Einsatz bei der leidenschaftlich vorgetragenen Aufforderung, nun endlich die Korken knallen zu lassen und die Hände eifrig zu regen. Der Radetzkymarsch von Johann Strauß sr. eröffnete den Zugabenreigen und zündete zugleich die nächste Stufe in Sachen lebhafte Teilnahme des Publikums.

Von Armin Hennig

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