Helmscheider feiern 1175-jähriges Bestehen ihres Ortes

Ein Fest mit Überraschungen

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Helmscheid - Es war ein Wochenende mit Überraschungseffekt. Die Helmscheider beschenkten sich selbst mit einer gelungenen 1175-Jahr-Feier. Aber auch das Schicksal leistete 
seinen Beitrag.

Im Kuhstall-Café herrschte am Sonntagmittag helle Aufregung. Das lag einerseits an den zahlreichen Gästen, die sich dort Waffeln und Kuchen schmecken ließen. Vielmehr war es aber Kuh Anita, die sich pünktlich zu den Festlichkeiten entschied, Nachwuchs auf die Welt zu bringen. Die Geburt des Jubiläums-Kälbchens konnten so zahlreiche Gäste mitverfolgen.

Es war eine von vielen Überraschungen, die das Fest in Korbachs nördlichstem Ortsteil prägen sollten. Die einzig negative Überraschung kam vom Himmel. Beim stehenden Festzug am Sonntag kam der ein oder andere Regenschauer hinunter. Das hielt aber Hunderte Gäste nicht davon ab, durch die Straßen und Gassen des Ortes zu schlendern.

Und das lohnte sich. An 67 Ständen gab es allerhand zu entdecken. Es war eine Reise durch die Geschichte Helmscheids – für Augen, Ohren und den Bauch. In der alten Dorfschmiede wurden bis 1988 Pferde beschlagen, Heinz Jäger aus Alleringhausen erinnerte mit Hammer und Zange an die traditionsreiche Handwerkskunst.

Überhaupt das historische Handwerk: die Frauen aus Schwalefeld gewährten Einblick in ihre Spinnstube, Korb- sowie Seilmacher waren unterwegs und die Mitglieder des Heimatvereins Laisa zeigten ihre Fertigkeiten beim Weben. Viel Beachtung fanden die Männer vom landwirtschaftlichen Museum Helsen. Auf „Richts Hof“ schmissen sie die Dreschmaschine an.

Über viel Publikum freute sich die Helmscheiderin Silvia Saure. Die 25-Jährige hat im Rahmen ihres Innenarchitektur-Studiums eine Maschine entwickelt, die Stickereien von Tüchern auf Gipsschalen überträgt.Neben den vielen handwerklich gefertigten Produkten gab es natürlich auch was für den Gaumen. Fleischspezialitäten, Fisch, Ofenkuchen, Wurst und Käse, Honig sowie Liköre und Sirup: Wer die Wahl hat, hat die Qual, so das Motto bei Essen und Trinken.

Auch wenn das Wetter das Programm auf der Aktionsbühne ein wenig durcheinanderbrachte, so war doch fast immer von irgendwoher Musik zu vernehmen. Während Gruppen wie die Jagdhornbläser Bad Arolsen, die First Guards of St. Kilian oder der Musik-Express Volkmarsen die Töne selbst erzeugten, tanzten die Line-Dance-Gruppe „Smokin’ Sock’s“ oder die Jazztanzgruppe Berndorf zur Musik aus der Box – und unterhielten so das Publikum.

Stimmungsvoll und kurzweilig war auch der Auftakt zum Jubiläumsfest am Samstagabend. Dort fiel es Ortsvorsteher Harald Saure schwer, den überraschten Gesichtsausdruck abzulegen. So überreichte Stadtrat Günter Schlund ihm den Ehrenbrief des Landes Hessen. Diesen erhalte er stellvertretend für die ehrenamtlichen Leistungen der Helmscheider allgemein, vor allem aber auch wegen seines Engagements für das Dorf. Seit 1981 ist Saure im Ortsbeirat, seit 1993 fungiert er als Ortsvorsteher und seit über 25 Jahren ist er im Vorstand des Sportvereins Grün-Weiß.Seinen Einsatz wissen auch die Einwohner im Ort zu schätzen. Und so bekam er von „seinen“ Helmscheidern eine Eichenbank mit der Inschrift „Bürgermeisterbank“. Harald Saure hatte in seiner Festrede zuvor „das hervorragend funktionierende Dorf- und Vereinsleben“ erwähnt. Ein besonderes Wir-Gefühl und viel Gemeinschaftssinn attestierten den Helmscheidern auch die Gastredner Hannelore Behle, Kreisbeigeordnete, und Günter Schlund. Dass dem so ist, haben die Einwohner am Wochenende mit dem Jubiläumsfest eindrucksvoll bewiesen.

Von Tobias Treude

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