Tanzprojekt in Zusammenarbeit mit dem ambulanten Hospiz

„Feuer, Erde, Wasser, Gruft“

Korbach - „Modenschau im Leichenhemd“, „Trauer im Dauerlauf“ oder „Fluch des Erinnerns“: Drei von insgesamt 14 Szenen aus einem Tanzprojekt, das sich mit „Tod und Sterben“ beschäftigt.

„Feuer. Erde. Wasser. Gruft. – Tage der Entscheidung“ lautet der an die vier Elemente angelehnte Titel der jüngsten Inszenierung aus der Korbacher Tanzetage. Nach dem Demenz-Projekt (2013) und der viel beachteten Aufführung „Edersee 100“ im Jubiläumsjahr 2014 hat sich Tanzpädagogin Ursula Christiane Nobiling diesmal eines Themas angenommen, das zunächst nur sehr sperrig mit der so dynamischen wie lebendigen Ausdrucksform des Tanzens in Verbindung zu bringen ist. Doch gerade dieser Gegensatz reize zum Experimentieren, zur ungewöhnlichen Darstellung, zur kreativen Konfrontation mit den oftmals totgeschwiegenen Begleiterscheinungen des Lebensendes. Ein Erfahrungsaustausch der 17 interessierten Teilnehmer verursachte beim ersten Treffen im Oktober vergangenen Jahres die Initialzündung. Jeder habe seine persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen schildern können, berichtet Ursula Nobiling: „Alle haben erzählt, es gab keinerlei Hemmschwellen.“ Aus diesem Fundus an Ideen und Anknüpfungspunkten entstand schnell ein Programm. Der „Abschied am offenen Grab“, der „behördliche Umgang mit dem Tod“ oder auch eine „Liebesszene auf dem Friedhof“ sind so entstanden. Die musikalische Bandbreite der ausgesuchten Stücke reicht von C.M. Bellmans „So trollen wir uns ganz fromm und sacht“ über Tarantellas, die von Marco Beasley interpretiert werden, bis zu Tanz- und Bewegungsmusik vom Ensemble Rossi. Es ist eine Inszenierung, die von „ganz viel Respekt vor unser aller Endlichkeit“ geprägt sei, aber auch mit Augenzwinkern, Schmunzeln und dem Humor aufwartet, „den das Leben schreibt“, wie die Tanzpädagogin und Pfarrerin erklärt. Allerdings tauchten bei der mehrmonatigen Probenarbeit auch Grenzen auf. Mit einem Sarg auf der Bühne zu hantieren, ging den Mitwirkenden dann doch zu weit. Verwendet werden hingegen Requisiten wie Urnen oder Totenhemden, die aus den Restbeständen einer Bestattungsfirma stammen. Die Mitwirkenden im Alter zwischen 30 und 65 Jahren sind zumeist reine Freizeit-Ausdruckstänzer. Einige sind als Trainerinnen in der vor fünf Jahren gegründeten Tanzetage tätig. Das Projekt verwirklichen sie auf eigene Kosten. Was an Eintrittsgeldern (sechs Euro pro Person) eingenommen werde, dient laut Ursula Nobiling dazu, die Bühnentechnik zu bezahlen.Die Aufführungstermine: Freitag, 20. März, Kolpinghaus Medebach; Samstag, 21. März, Theater am Bunker Bad Wildungen; Samstag, 28. März, Stadthalle Korbach; Samstag, 18. April, Bürgerhaus Bad Arolsen. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Außerdem ist „Feuer. Erde. Wasser. Gruft.“ am 11. Mai zum Auftakt der Korbacher Theaterwoche in der Stadthalle zu sehen. Von Thomas Kobbe

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