Heringhäuser investieren über 3000 Stunden in neues Gerätehaus

Feuerwehr baut Eigenheim

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„Vorzügliche Arbeit“: Bürgermeister Volker Becker (r.) stattet den fleißigen Helfern im August 2011 einen Besuch ab.

Diemelsee - Heringhausen - „Das Gerätehaus ist genau so geworden, wie wir es uns gewünscht haben“, berichtet Heringhausens Wehrführer Ingo Bangert bei der Vorstellung des modernen Feuerwehrquartiers. Die Diemelseer eröffnen den Neubau am Samstag feierlich.

Dass alle Feuerwehrkameraden mit dem Ergebnis zufrieden sind, verwundert wenig, wenn Bangert die lange Liste an Eigenleistungen präsentiert, die das funktionale Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Eigenheim machen. Mehr als 3000 Stunden hat der Wehrführer dort inzwischen vermerkt.

„Das entspricht schätzungsweise einem Gegenwert von 50?000 bis 60?000 Euro“, erläutert Rainer Fischer, Feuerwehr-Vorsitzender und Bauamtsleiter der Gemeinde Diemelsee. Um die versprochene Eigenleistung für das rund 250?000 Euro teure Projekt zu erbringen, waren die Diemelseer vom Baubeginn im April 2010 an fleißig.

„Uns haben aber nicht nur aktive und passive Feuerwehrkameraden, sondern auch andere hilfsbereite Heringhäuser unterstützt“, hebt Bangert hervor.

Als Dankeschön sind alle Helfer sowohl zur Eröffnung am Samstag als auch zum Helferfest zwei Wochen später willkommen. „Dann wollen wir auch endgültig umziehen“, berichtet der Wehrführer mit Blick auf die noch leeren Kleiderhaken und Spinde in den Umkleiden. Die alte Feuerwehrgarage neben dem Kindergarten, in der es nicht einmal eine Garderobe gibt, nutzt künftig die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Ehre dem „Stundenkönig“ Bevor das TSF-W und die restliche Ausrüstung den Standort wechseln, ehren die Heringhäuser am Samstag jedoch ihren „Stundenkönig“. „Wer die meiste Eigenleistung erbracht hat, wird natürlich noch nicht verraten“, erklärt Fischer. „Nur so viel: Er hat zwischen 350 und 400 Stunden erbracht und war fast bei allen Gewerken beteiligt. Wenn wir ihn nicht gehabt hätten, ständen wir heute noch nicht in den fertigen Räumen.“

Zu den Gewerken, die auf Bangerts Liste der ehrenamtlich geleisteten Arbeiten stehen, gehört zunächst das Ausschachten der Baugrube. Die ersten Steine für das Gerätehaus mit Fahrzeughalle samt Anhängerstellplatz, Unterrichtsraum inklusive Küche, Lager sowie Umkleiden und sanitären Anlagen für Damen und Herren setzen die Heringhäuser im Juni 2010. Zum Richtfest im Oktober zimmern sie den Dachstuhl zusammen. Dämmarbeiten, Einbau der Fenster, Heizungsinstallation (bis auf die Therme), Wasserverteilung, Elektroinstallation und einen Teil der Malerarbeiten an der Außenhülle übernehmen sie in den Folgemonaten ebenfalls selbst. Wieder freie Wochenenden

Darüber hinaus liegt der weitere Innenausbau in eigener Hand: Die Helfer errichten Trockenbauwände, installieren die sanitären Anlagen, verlegen Fliesen, erledigen einen Großteil der Schreinerarbeiten, gestalten die Decken und sorgen für einen freundlichen Innenanstrich. Zu guter Letzt pflastern sie den Vorplatz. „Küche, Leinwand und Beamer haben wir aus unserer Feuerwehrkasse finanziert“, ergänzt Fischer. „Jetzt müssen wir nur noch Restarbeiten erledigen und putzen.“ „Es ist toll und keine Selbstverständlichkeit, was die Helfer hier geleistet haben“, lobt Architekt Jürgen Kepplin (Korbach). Es sei Bangert und Fischer immer wieder gelungen, ihre Leute zu motivieren. „Eigenleistung, die in der Regel nur abends und an den Wochenenden möglich ist, darf nicht unterschätzt werden“, fügt Kepplin anerkennend hinzu. „Jetzt können wir uns für die Wochenenden wieder etwas anderes vornehmen“, lächelt Fischer – zumindest für die nach Eröffnung und Helferfest.

Hintergrund

Zur Eröffnung ihres neuen Gerätehauses laden die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Heringhausen am Samstag um 17.30 Uhr in die Seestraße ein. „Wir feiern zugleich das 75-jährige Bestehen der Wehr“, berichtet Vorsitzender Rainer Fischer. Das Fest hatte diese 2009 aufgrund des bevorstehenden Neubaus verschoben. Derzeit gehören dem Verein rund 80 Mitglieder, davon 23 Aktive und sieben Nachwuchskräfte, an.

Zum Auftakt der Feier am Samstag tritt der Spielmanns- und Musikzug der Feuerwehr Adorf auf. Begrüßung, ein kurzer Rückblick auf die Baugeschichte und Grußworte folgen. Die Heringhäuser ehren den „Stundenkönig“. Der Abend klingt in gemütlicher Runde aus. Das DFB-Pokalfinale wird auf Leinwand gezeigt.

Um ihr Quartier zu verschönern, setzen die Feuerwehrleute auf die Hilfe der Kinder: Im Kindergarten und an der Schwimmbadkasse erhalten sie Ausmalvorlagen, die beim Fest prämiert werden.(nv)

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