Timo Schnaase und sein Bruder Frank tauchen regelmäßig im Diemelsee und bestaunen die Artenvielfalt

Mit den Fischen im Wasser schweben

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Die Vorbereitungen beim Tauchen sind das A und O: Timo Schnaase und sein Bruder Frank testen Kompass und Tauchcomputer, bevor sie sich im Wasser noch einmal mit Gesten verständigen.

Diemelsee - Heringhausen - Korallenriffe, versunkene Schiffe, womöglich sogar verborgene Schätze. Das alles gibt es im Diemelsee nicht, und doch bietet er Tauchern wie Timo und Frank Schnaase besondere Augenblicke.

Ein letztes Signal, die letzte Absprache. Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis. Das Zeichen bei Tauchern dafür, dass alles in Ordnung ist. Dann verschwinden die zwei Köpfe nach und nach im Wasser.

Auf der Oberfläche sind noch Ringe von den Bewegungen der beiden zu sehen. Zwei, drei Luftblasen steigen auf, sie zerplatzen. Dann geschieht nichts mehr. Es ist nichts zu sehen und nichts zu hören. Idylle am Diemelsee.

Heimische Fauna bietet viel

Für die Brüder Timo und Frank Schnaase beginnt unter Wasser nun der spannende Teil. Sie gehen auf Entdeckungstour im Diemelsee. Regelmäßig machen die beiden ihre Tauchgänge in dem Stausee, der nach ihrer Meinung mehr zu bieten hat, als es mancher vielleicht glauben mag.

„Der See liegt direkt vor der Haustür, und wir können hier 365 Tage im Jahr kostenlos tauchen“, so die pragmatische Ansicht von Timo Schnaase. Zudem sei der Diemelsee im Sommer nicht so „überlaufen“ wie zum Beispiel der Edersee. Der 31-Jährige hat vor 15 Jahren als Schüler in der DLRG mit dem Tauchen angefangen. Heute bildet er Sport- und Einsatztaucher aus. Er hat Eistauchen getestet und während des Elbe-Hochwassers bei der Deichsicherung geholfen. Dafür musste er mit Kollegen unter Wasser eine Folie am Deich abrollen, die mit Sandsäcken beschwert wurde.

Trotz dieser Erlebnisse behalte der Diemelsee seinen ganz eigenen Reiz. „Hier ist alles zu finden, was die heimische Fauna zu bieten hat“, weiß Timo Schnaase. Ob Hecht, Zander, Barsch, Karpfen und Weißfisch oder aber die Süßwassermoostierchen. Letztere sind in Kolonien zum Beispiel an Felsen zu sehen, „und die habe ich im Eder- oder Twistesee so noch nicht gefunden“.

Unter Wasser dank Blei

Die Faszination Tauchen packte ihn durch Jaques-Yves Cousteau. Der 1997 verstorbene Franzose gilt als Pionier der Meeresforschung. Für zwei seiner Dokumentationsfilme erhielt Cousteau den Oscar.

Das oberste Gebot der Taucher lautet: Tauche niemals allein. Läuft unter Wasser mal etwas schief, sei es immer ratsam, jemanden dabei zu haben, so Timo Schnaase. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn der eigene Bruder (29) auch dem Unterwassersport verfallen ist.

Bevor der Gang in den See ansteht, bedarf es aber einiger Vorbereitungen. Denn die beiden Taucher sind bestens ausgerüstet: Kompass und Tiefenmesser für die Koordination, eine 12-Liter-Pressluftflasche, Flossen, ein Tauchcomputer - der je nach Ausstattung Tiefe, Tauchzeit und verbleibende Zeit, bis die Luft ausgeht, anzeigt - und ein Lungenautomat gehören zur Ausstattung. Hinzu kommen etwa sechs Kilogramm Blei. Ohne das Zusatzgewicht wäre ein Abtauchen gar nicht erst möglich. Der rund sieben Millimeter dünne Anzug sorgt für Auftrieb.

Schweben im Wasser

Bis sich die Brüder also umgezogen haben, vergeht einige Zeit. Dann geht es in voller Montur über die Straße. Die Taucherbucht am Diemelsee ist gar nicht so leicht zu finden. Sie liegt relativ unscheinbar, von Heringhausen kommend, rund 200 Meter vor der Sperrmauer. Über einen Trampelpfad gelangen die Brüder an das steinige Ufer. Dort testen die beiden ein letztes Mal die Funktionstüchtigkeit der zahlreichen Geräte. Sie blasen noch einmal in den Lungenautomat, der das Atmen unter Wasser ermöglicht. Kurze Zeit später tauchen sie ab. Dann folgt das, was Timo Schnaase als „ein bisschen wie schweben“ beschreibt. Ist der Stausee gut gefüllt, dann beträgt die Tauchtiefe bis zu 35 Meter. „Nahe an der Wasseroberfläche ist es wärmer, dafür ist aber die Sicht nicht so gut wie weiter unten“, erklärt der erfahrene Taucher. Der sogenannte Nass-Neoprenanzug schützt nicht so gut vor der Kälte beziehungsweise dem Kontakt mit Wasser wie Trockenanzüge. „Wenn wir hier im See mal 20 Grad haben, dann ist das schon echter Luxus.“

Eine Besonderheit ist ein Felsvorsprung, der am Ufer beginnend im Wasser mit einer relativ senkrechten Kante endet. An dieser entlangzutauchen, sei ein besonderes Gefühl. „Vor allem ist es aber die Tierwelt, die den Reiz ausmacht“, so Schnaase. Nach der Laichzeit sei dies besonders spektakulär, da dann auch größere Schwärme an Fischen zu sehen sind.

Wichtig ist ihm aber auch, dass der Naturschutz für die meisten Taucher eine übergeordnete Rolle spielt.

Trotz der regelmäßigen Tauchgänge der Schnaase-Brüder im Diemelsee kommt keine Langeweile auf, auch weil der Wechsel der Jahreszeiten immer andere Bedingungen unter Wasser bietet.

Tauchen im Roten Meer

Unabdingbar für Taucher seien eine gesunde Grundkoordination und eine gewisse Fitness. „In Stresssituationen ist man unter Wasser froh, wenn noch Reserven vorhanden sind“, erklärt Timo Schnaase. Vor allem beim Eistauchen sei die Orientierung wichtig. „Da sieht dann jede Luftblase unter der Eisdecke aus wie das Einstiegsloch.“ Um seine Lizenz als Einsatztaucher zu erhalten, muss Schnaase regelmäßige Tauchstunden nachweisen. Auch Grundlagen in Medizin und Physik gehören zur Ausbildung.

Der Diemelsee bietet ihm für das Freizeittauchen eine willkommene Abwechslung, aber mit dem „absoluten Highlight“ kann der Stausee nicht mithalten. Auf den Brother Islands im Roten Meer tauchte Timo Schnaase umgeben von Riffen, Haien und Wracks. Das Besondere: Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, sind die Anforderungen an die Qualifikation der Taucher sehr hoch und die Anzahl der Mitstreiter unter Wasser somit sehr begrenzt. „Da gibt es alles, wovon man träumt“, schwärmt Schnaase.

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