Vöhl

Flechten zwischen Eder und Diemel

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- Vöhl-Herzhausen (sr). Ein Buch über Flechten im Kreisgebiet stellten der NABU und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz am Mittwoch in Herzhausen vor. Werner Eger und Gerhard Kesper haben bisher 531 Arten entdeckt.

Flechten sind vielen Menschen nahezu unbekannt, sie fallen unter der Vielzahl unserer Pflanzen kaum auf. Meist wachsen sie dicht am Boden oder an Bäumen und werden für Moose gehalten. Sie gelten als biologische Anzeiger von Luftschadstoffen und beherbergen wichtige Inhaltsstoffe für die Medizin der Zukunft. Vor rund zehn Jahren wurden Werner Eger und Gerhard Kesper im Rahmen von Pflanzenkartierungen für die Flora des Landkreises auf die vielfältigen Flechtenarten aufmerksam. Lichenologie heißt die Wissenschaft der Flechtenkundler. Als Neulinge auf dem Gebiet schlossen sie sich dem lichenologischen Arbeitskreis an der Uni Gießen an.

Eger und Kesper sammelten fortan überall im Landkreis Flechten. Dabei wurden sie von vielen NABU-Mitgliedern, den Naturschutzbehörden, dem Naturpark Kellerwald-Edersee und dem Nationalparkamt unterstützt. Die Flechtenkundler werteten auch aktuelle Gutachten aus Schutzgebieten aus und ermittelten inzwischen 531 Flechtenarten im Landkreis. Darunter sind 33 Neufunde in Hessen und 14 Wiederfunde inzwischen ausgestorbener Arten. Eine Flechtenart wurde sogar erstmals in Deutschland nachgewiesen: Neocoleroa inundata besitzt nur einen wissenschaftlichen Namen.

Die in Waldeck-Frankenberg gefundenen Flechten wurden nach Rasterfeldern kartiert. Die meisten Arten wurden im Bereich des Nationalparks bestimmt, wo Dietmar Teuber im Auftrag des Nationalparkamtes eine wissenschaftliche Untersuchung vorgenommen hat. „Der Kreis ist noch sehr flechtenreich“, ziehen Eger und Kesper Bilanz. Auffällig sei die Zunahme der Gelbflechte, die häufig an Straßen und in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten Bäume und Sträucher bedeckt. „Die Stickoxide des Autoverkehrs und die Ammoniakverbindungen aus der Gülle kommen ihr zugute“, betonten die Autoren. Strauch und Blattflechten hätten dagegen abgenommen. Viele Gesteinsflechten, die früher auf natürlichen Felsen wuchsen, haben heute Bauwerke oder sogar Geräte aus Kunststoffen eingenommen. Die nun vorliegende Veröffentlichung gibt erstmals einen Überblick der Flechtenarten im gesamten Kreisgebiet.

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