Ärzte beantworten am Lesertelefon Fragen rund um Darmbeschwerden

Fragen stellen und Ängste überwinden

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Korbach - Schamgefühl, Angst und Unsicherheit: Wenn es um Darmkrankheiten geht, dann schweigen viele lieber. Am WLZ-Lesertelefon wagten die Anrufer gestern Nachmittag, ihre Fragen rund um den Darm zu stellen. Kai Tammoscheit und Dr. Arved-Winfried Schneider standen Rede und Antwort.

Keine Minute standen die Telefone still. Kaum hatten die Ärzte aufgelegt, rief der nächste WLZ-Leser an - mit einer Frage rund um Darmkrankheiten. Kai Tammoscheit, Oberarzt der Medizinischen Klinik im Korbacher Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, und Dr. Arved-Winfried Schneider, Chefarzt der Medizinischen Klinik, stellten sich eine Stunde lang den Fragen der Leser. Damit beteiligten sich Heimatzeitung und Krankenhaus an Aktionen zum „Darmkrebsmonat März“.

Die Fragen der Leser reichten von der Darmspiegelung bis zur Nachsorge: „Gibt es ein Mittel zur Reinigung des Darms, das mir weniger zu schaffen macht?“, fragte ein Leser. Während der Vorbereitung zur letzten Vorsorgeuntersuchung habe er das Abführmittel schlecht vertragen. Nun habe er mehr Angst davor als vor der Untersuchung selbst. „Es gibt Ausweichmöglichkeiten“, versicherte Dr. Schneider. Auch Menschen mit einem schwachen Kreislauf oder Marcumar-Patienten könnten die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen, ergänzte der Arzt. „Das sind Dinge, die wir im Vorfeld absprechen müssen“, erklärte er. Im Zweifelsfall würde die Untersuchung dann nicht ambulant, sondern stationär gemacht.

Auch vor den Folgen der Untersuchung müsse kein Patient mehr Angst haben: Früher habe es die Darmspiegelung mit sich gebracht, dass die Patienten anschließend mit viel Luft im Körper zu kämpfen hatten. „Inzwischen haben wir die Raumluft durch CO2 ersetzt“, erklärte Schneider am Telefon, „das wird 125-mal so schnell abgebaut“.

Weniger die Angst vor der Untersuchung als die Sorge um bereits auftretende Beschwerden motivierte andere Leser, das Servicetelefon zu nutzen. „Ob ständige Blähungen ein Hinweis auf Darmkrebs seien?“, fragten viele Anrufer. „In den meisten Fällen spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle“, beruhigte Kai Tammoscheit und empfahl den Anrufern eine Positivliste: Mit verträglichen Lebensmitteln wie Kartoffelpüree sollten die Leser anfangen - probieren und die Folgen abwarten. Lebensmittel, die Beschwerden auslösten, sollten dann auf einer roten Liste landen. Vollkornlebensmittel etwa würden Blähungen oft begünstigen. „So können sich Patienten einfach einen Ernährungsplan erstellen“, erklärte er.

Leben nach dem Krebs

Allerdings könnten für Blähungen auch funktionelle Störungen an Bauchspeicheldrüse oder Leber verantwortlich sein. Sollte die Positivliste erfolglos bleiben, empfehle er einen Termin beim Arzt. Der sei auch geraten, wenn der Schließmuskel nicht mehr funktioniere. Durch Enddarmspiegelungen könnten dafür die Ursachen gefunden werden. „Wer früh reagiert, kann etwa durch Beckenbodengymnastik das Problem lösen“, erklärte Chefarzt Dr. Schneider.

Auch Patienten, die den Darmkrebs bereits besiegt haben, wandten sich an das Lesertelefon: „Wann ist die nächste Darmspiegelung sinnvoll?“ Kai Tammoscheit erklärte: „Wenn vor der Krebsoperation keine komplette Spiegelung möglich war, sollte drei bis sechs Monate nach der Operation eine vollständige Spie-gelung vorgenommen werden, in allen anderen Fällen ein Jahr nach dem Eingriff“. Auch innere Vernarbungen nach Operationen, die zur Verengung und damit zu Problemen beim Stuhlgang führen könnten, seien durch Spiegelungen erkennbar und mit einem Ballonkatheter zu beheben.

Die Ärzte nutzten die Gelegenheit, um auf die große Chance der Vorsorgeuntersuchung hinzuweisen: „Wir würden uns für jeden Krebs wünschen, dass wir ihn durch Vorsorge verhindern können“, erklärte Dr. Schneider, „das ist beim Darmkrebs durch die frühzeitige Polypenentfernung bei Darmspiegelungen möglich.“

Hintergrund

Das Korbacher Krankenhaus lädt am kommenden Dienstag, 19. März, zu einem Vortrag zum Thema „Darmkrebs – Prävention, Diagnostik und moderne Therapieformen“ ein. Dr. Arved-Winfried Schneider, Chefarzt Medizinische Klinik, und Dr. Bernhard Brosig, Kai Tammoscheit, Oberärzte Medizinische Klinik, sprechen ab 19 Uhr im Vortragsraum im dritten Stock.

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland: Jedes Jahr trifft die Diagnose mehr als 65 000 Frauen und Männer, über 26?000 Personen sterben jährlich daran. Diese Zahlen sind umso tragischer, da bei keiner anderen Krebserkrankung Vorstufen so einfach erkannt und beseitigt werden können.

Darüber hinaus ist auch der bereits eingetretene Krebs heilbar, wenn er in einem frühen Stadium diagnostiziert wird. Zu spät behandelt, hat der Betroffene jedoch häufig eine schlechte Prognose. Doch immer noch zu wenige Menschen nutzen die Vorsorge. Ziel der bundesweiten Kampagne „Darmkrebs-monat März“ ist es, die Bevölkerung über die Präventions-Möglichkeiten der Erkrankung zu informieren. Im Anschluss an den Vortrag wird eine Führung durch die Endoskopie mit Erläuterungen über die Darmspiegelung angeboten. Die Referenten stehen für eine individuelle Beratung zur Verfügung. Eintritt frei.(r)

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