Regisseur Heck probt mit 39 Schauspielern das Stück „Nora Drachenbezwingerin“

Freiheit bei Rollenfindung lassen

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Freund oder Feind? Nora (Leoni Grebe) und der Drache (Ronja Scheurer) bestreiten auf der Bühne ein Duell auf Augenhöhe.Foto: Schmidt

Korbach - Die heiße Phase der Proben läuft bei der Korbacher Freilichtbühne. In einer Woche sind die Premieren. Die Inszenierungen bekommen noch den Feinschliff.

Manchmal ist das Regieführen einer Kindertheaterprobe wie Flöhe hüten. Jetzt ist gerade wieder so ein Moment auf der Korbacher Freilichtbühne, wo alles aus dem Ruder zu laufen droht. Regisseur Thorsten Heck probt mit 39 Schauspielern das Stück „Nora Drachenbezwingerin“, und fast alle sind auf der Bühne.

Eigentlich sollten sich alle auf eine Szene konzentrieren. Meist ist das auch so, aber jetzt spielen sich plötzlich unkonzentrierte Szenen an mehreren Schauplätzen ab, da fallen Kinder mal kurz aus ihrer Rolle und reden, obwohl sie nicht dran sind, die die reden sol-len, wissen nicht mehr, dass sie dran sind, und die, die still sein sollten, sind es nicht. Im Zuschauerraum schreit lauthals ein Baby, und die Erwachsenen reden zu laut. Das sind keine Momente für Regisseure mit schwachen Nerven. Heck zählt nicht dazu, er versucht, dem Durcheinander auch nicht als Schreihals Herr zu werden, sondern der Pädagoge wählt den Balu-Vorschlag aus dem „Dschungelbuch“: „Versuch‘s mal mit Gemütlichkeit.“

Gelassen, aber mit klaren und deutlichen Anweisungen bringt er das Theaterschiff schnell wieder auf Kurs. Situationen, die im Chaos zu enden drohen, hält Heck bei der Arbeit mit Kindern für normal, zumal bei diesem Stück auch schon Dreijährige eine Rolle spielen. Heck versucht, die Konzentration bei den Proben auch dadurch hoch zu halten, dass er den Kindern bei der Rollenfindung große Freiheit lässt. „Wenn jemand bessere Worte oder Charakterzüge für seine Figur findet als die, die im Buch stehen, dann kann er sie natürlich über-nehmen“, sagt der Regisseur.

Anfangs hat er zentrale Figuren des Stücks von fast allen Akteuren spielen lassen. Diese Auftritte wurden in Abständen kurz „eingefroren“, und dann hat Heck in die Runde gefragt: „Beschreibt mal, was ihr da seht, passt diese Rolle auch zu dir, würdest du sie auch so spielen oder anders. Was denkt er sich wohl dabei, wenn er sie so spielt? Mit Hilfe seiner Antworten soll der Schauspieler zu einem Punkt geführt werden, dass er auch emotional tiefer in seine Rolle schlüpfen kann. „Das gelingt zwar nicht bei jedem, aber jeder macht durch diese Übungen Fortschritte“, betont der Regisseur.

Doppelbesetzungen

Auf das Ensemble kommt erstmals eine Saison zu, in der Schauspieler fehlen werden. „Es ist nicht mehr so wie früher, wenn ich bei der Freilichtbühne mitspiele, dann mache ich nur das. Wenn wir den Theaternachwuchs behalten wollen, müssen wir künftig auch andere Wegen gehen, denn das Freizeitangebot ist größer geworden und die Belastungen durch die Schule auch.“ Heck sieht dafür eine Lösung: Doppelbesetzungen oder Springer für Nebenrollen. „Wir haben erstmals eine Rolle doppelt besetzt und einige Ersatzschauspieler“, erzählt er. Er hält die Doppelbesetzung auch aus einem anderen Grund für zukunftsträchtig: „Es war toll zu sehen, wie beide sich gegenseitig etwas voneinander abgeguckt haben, das kommt der Rolle zugute.“ Bis zur Premiere am 16. Juni hat Heck mit seinem wuseligen Ensemble noch einiges an Arbeit vor sich, denn neben dem schauspielerischen Feinschliff „basteln wir vor allem noch am Gesang“.

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