Festgottesdienst zur Einweihung der Lichterkirche

Ein Tag der Freude

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Die Rattlarer Lichterkirche, hier in Regenbogenfarben. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen-Rattlar - Ein Tag der Freude für die Rattlarer: Am Sonntag erfüllten Einheimische und Gäste das Gotteshaus wieder mit Gemeindeleben.

Die Kirchengemeinde hat den Begriff der Lichterkirche, der im Waldecker Land und in anderen Regionen traditionell mit dem im weihnachtlichen Kerzenlicht erstrahlenden Gotteshaus verbunden ist, neu interpretiert. In der „Lichterkirche am Weg“ setzt moderne LED-Technik farbig leuchtende Akzente. Die zahlreichen Besucher machten sich im Festgottesdienst am Sonntag ein Bild von der gelungenen Innensanierung des Gebäudes und der Verwirklichung des Konzepts, das mit Licht, Wort und Musik Emotionen der Besucher aufgreifen will (die WLZ berichtete bereits darüber).

Letzter Gottesdienst

Kirchenältester Hans-Jürgen Fehlinger wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass der Tag der Freude lediglich durch einen Wermutstropfen getrübt werde: Es handele sich um den unwiderruflich letzten Gottesdienst, den Ulf Weber in seiner Funktion als Gemeindepfarrer in Rattlar halte. Er könne aber gerne wiederkommen, auch wenn er hier kein Gemeindepfarrer mehr sei, und mit der Gemeinde Gottesdienst feiern.

Weber wies darauf hin, dass es für die Kirche wichtig sei, den Glauben an Gott auf zeitgemäße Weise zu vermitteln und Zeiten und Orte zu finden, wo man Emotionen zulassen und Gefühlen nachgehen könne. Die Rattlarer Kirche biete sich an als ein Ort, an dem man zur Ruhe geführt werde. „Alle Ablenkungen bleiben außen vor.“ Der Besucher werde hier mit seinen schweren und guten Gefühlen ernst genommen. Die Lichterkirche sei ein neuer Versuch, die Menschen im Alltag zu begleiten und einen zeitgemäßen Raum für den Glauben zu gestalten.

Tonja Hochmanski dankte als Sprecherin des Kirchenvorstands allen, die zum Gelingen der Sanierung und der Umgestaltung zur Lichterkirche beigetragen haben - Architekten, Handwerkern und den vielen freiwilligen Helfern. Sie nannte hier insbesondere Jörg Lamm als „technischen Leiter“, aber auch all die „Kirchenausräumer, Wandaufstemmer, Kabelverleger, Kanzelabrücker, Eisenbieger, Holzbearbeiter, Wändesaubermacher, Bänke- und Stühleabschleifer, Lampenverkleidungsbesorger, Posterstopfer und -näher, Getränkestifter und Schnittchenschmierer“ und natürlich die vielen Geldspender.

„Deutschlandweit einzigartig“

„Wirklich schön“ findet Karsten Meyer, Präses der Synode des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, das neu gestaltete Gotteshaus. Er würdigte den Mut des Kirchenvorstands. Die Lichterkirche sei in dieser Art deutschlandweit einzigartig, so Nina Wetekam vom Landeskirchenamt. In einer Gesellschaft, in der religiöse Traditionen immer mehr abbrächen, aber dennoch eine große Sehnsucht nach Glaube und Gott zu spüren sei, sei es wichtig, neue Wege zu gehen.

Pfarrerin Gisela Grundmann gratulierte als Vorsitzende des evangelischen Gesamtverbands Upland. Sie zog eine Parallele zum Rattlarer Kirchenbau vor 60 Jahren, bei dem die Gemeinde ebenfalls ganz viel Einsatz und Eigenleistung erbracht habe. Bürgermeister Thomas Trachte stellte das Gotteshaus als ein Stück örtlicher Identität heraus. Er zollte Pfarrer Weber Anerkennung dafür, dass er die Schwalefelder Pilgerkirche, den Pilgerweg und nun die Lichterkirche auf den Weg gebracht habe.

Ort des Innehaltens

Stellvertretender Ortsvorsteher Eckhard Vogel hob die interessante und attraktive Gestaltung des Gotteshauses hervor, das ein Ort der Begegnung und des Innehaltens sei. Am Gottesdienst nahm auch die frühere Architektin des Landeskirchenamts, Andrea Behrendt, teil. Die Idee zur Umgestaltung habe sie von Anfang an begeistert. Sie sei von den richtigen Menschen am richtigen Ort mit voller Kraft und Enthusiasmus umgesetzt worden. Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Männergesangverein unter Leitung von Christoph Lamm und von Werner Lamm (Orgel) ausgestaltet.

Von Ulrike Schiefner

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