Frau und Kinder in Kosovo abgeschoben ·Ehemann liegt schwer verletzt in Klinik

Freunde und Schule wussten von nichts

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- Korbach (jk/md). Asylantrag abgelehnt – ausreisen, abschieben. Die vier Worte sind leicht gesprochen. Doch sie sind schwer gelebt, wie das Schicksal der Familie C. aus Korbach zeigt. Frau und Kinder wurden abgeschoben, der Mann verletzte sich schwer, als er vom Balkon sprang. Zwischen Staatsräson und der Hoffnung von Menschen liegen manchmal Welten.

Was genau geschah, als Polizisten am Dienstagmorgen gegen 5.30 Uhr unangemeldet die Wohnung der Familie C. in Korbach betraten, um Amtshilfe für eine angeordnete Abschiebung zu leisten, wissen nur die Familienmitglieder und die Polizisten. Was Außenstehende zunächst verfolgen können, sind Amtswege. Die Ordnungshüter hatten die Aufgabe, die vierköpfige Familie C. in Korbach abzuholen und direkt zum Flughafen nach Düsseldorf zu bringen.

Dort stand ein Flugzeug bereit, das von Amtswegen eigens für eine „Sammelabschiebung“ gechartert wurde: Allein aus Deutschland sollten mit dieser Maschine 68 Kosovaren, die sich in Deutschland vergeblich um Asyl bemüht hatten und der Ausreiseaufforderung nicht gefolgt waren, zurück in den Kosovo gebracht werden – „16 konnte man habhaft werden“, erklärt Jörg Weigel, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, gegenüber der WLZ-FZ. Auch aus anderen europäischen Ländern wurden zahlreiche Frauen und Männer an das Flugzeug in Düsseldorf gebracht.

Das Flugzeug legte eine Zwischenlandung in Wien ein, nahm weitere abzuschiebende Kosovaren auf, und landete schließlich in Pristina. In Abschiebehaft Mit in dem Flugzeug saßen auch Frau C., ihr Sohn Neda (8) und ihre Tochter Nerdivana (6) aus Korbach, nicht aber der 30-jährige Familienvater. Als ihn die Polizei abholen wollte, war er aus dem 2. Stock seiner Wohnung im Korbacher Westend vom Balkon gesprungen (wir berichteten). Vielleicht hat er das aus Verzweiflung getan. Möglich ist auch, dass er sich „durch Flucht der Abschiebung zu entziehen“ versuchte, wie es der Sprecher der Polizeistation Waldeck-Frankenberg, Volker König, formuliert. Fest steht: Er brach sich beide Handgelenke, erlitt Frakturen am Unterarm, trug Wunden im Gesicht davon und wird nach Angaben seines Anwaltes derzeit im Korbacher Krankenhaus auf der Intensivstation behandelt.

Vor der Tür der Station sind Polizeibeamte postiert. Sobald er transportfähig ist, kommt er nach Angaben von Jörg Wiegel wahrscheinlich in Abschiebehaft und wird im Gefängniskrankenhaus der JVA Kassel weiterbehandelt, bis er reisefähig ist und in den Kosovo abgeschoben werden kann. Freunde der Familie, Lehrer und Mitschüler der Kinder erfuhren erst durch den WLZ-Artikel am Mittwochmorgen von dem Drama um die Abschiebung der Familie. „Wir wussten von nichts, wir wussten auch nicht, wie bedroht die Familie war“, sagte Irmgard Geck, Leiterin der Berliner Schule, in die beide Kinder bis Montag noch gingen. Auch die Ausländerbehörde des Landkreises war zuvor nicht über die Aktion informiert, wie Landrat Dr. Reinhard Kubat gestern auf Nachfrage erklärte.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Donnerstag, 9.Februar

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