Rudolf Gombert feiert heute im Wohnpark in der Itterstraße seinen 100. Geburtstag

Fröhliches Lied auf den Lippen

Korbach - An manche Dinge erinnert er sich ganz genau: Baustellen, an denen er mit seinem Bus hielt, Menschen, denen er begegnete, und Lieder, die er sang. Heute wird Rudolf Gombert 100 Jahre alt.

Er kann strahlen. Über das ganze Gesicht. Dann sieht er viel jünger aus, als er ist. „Ja, ich habe viele schöne Erinnerungen“, sagt Rudolf Gombert. Die bringen ihn bis heute zum Lachen. Die Freude am Leben, die hat er nie verloren, und das sehen Besucher auf den ersten Blick. Empfangen werden sie in seinem Zimmer im Wohnpark in der Itterstraße nämlich mit einem Foto vom Karneval im vergangenen Jahr. Clownsnase und Luftschlangen erzählen von heiteren Stunden. „Gefeiert habe ich viel und gerne“, erzählt er schmunzelnd, „und gesungen.“ Und dann stimmt er lachend und mit klarer Stimme Lieblingslieder an. Kaum eine Zeile hat er vergessen von den Liedern, die sein Leben prägten - von „Alle Vögel sind schon da“ bis „Gold und Silber lieb ich sehr“. Er singt und strahlt und erinnert sich an eine bewegte Lebensgeschichte.

Geboren 1914 in Ostpreußen, erlebt Rudolf Gombert gleich zu Beginn seines Lebens stürmische Zeiten. Er ist noch ein Kind, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, hat er bereits seine Konditorlehre abgeschlossen und arbeitet bei seinem Onkel in der Konditorei. Doch der Krieg macht ihm einen Strich durch die Rechnung. 1939 wird er eingezogen, erst neun Jahre später kehrt er aus russischer Gefangenschaft zurück. Gezeichnet vom Krieg beginnt er von vorne. In Frankfurt findet er seine Schwester und eine neue Arbeitsstelle als Bauarbeiter. „Steine kloppen mussten wir damals“, erzählt Rudolf Gombert. Eine Führerscheinklasse nach der anderen bewältigt er, und als Rudolf Gombert schließlich den Busführerschein in der Tasche hat, beschäftigt ihn sein Arbeitgeber als Busfahrer. „Ich bin von Baustelle zu Baustelle gefahren“, erzählt er, „manchmal zwölf Stunden am Tag.“ Er erinnert sich an alles, an die Menschen, an die Orte.

Vor fast 60 Jahren lernt er bei einem Ost-Westpreußen-Treffen seine Frau kennen. „Da waren hunderte Menschen“, sagt er, „und ich traf Hildegard.“ 40 Jahre bleiben sie verheiratet, bis seine Hildegard 1995 stirbt. Leibliche Kinder hat Rudolf Gombert nicht, den Sohn seiner Frau zieht er mit auf, und vor drei Jahren adoptiert er Sebnem Seidler. Seine Tochter kümmert sich um ihn - vor zwei Jahren ziehen sie gemeinsam nach Korbach. Damals entscheidet er, mit 98 Jahren, seinen Führerschein abzugeben. „Ich bin an viele Orte gefahren“, erzählt er, „als Erstes mit dem alten Käfer.“ Gemeinsam mit seiner Frau hat er die Welt gesehen.

Heute feiert Rudolf Gombert seinen 100. Geburtstag - erst mit einem kleinen Empfang und dann mit einem Kaffeetrinken. Was das Rezept für ein so langes Leben sei? Das liege ihm wohl in den Genen, sagt er. Im vergangenen Jahr starb seine Schwester Herta, mit der er in Korbach lebte, kurz nach ihrem 104. Geburtstag. Seine anderen Schwestern sind 98 und 102 Jahre alt.

Als Rudolf Gombert zur letzten Strophe seines Lieblingsliedes kommt, wird er leiser. Das Strahlen bleibt, als er singt: „Dass die Zeit einst golden war, will ich nicht bestreiten, denk ich doch im Silberhaar gern vergangner Zeiten.“ Die Waldeckische Landeszeitung gratuliert herzlich zum 100. Geburtstag.

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