Lauf der Erde um die Sonne bestimmt Jahreszeiten – doch Wetter hält sich nicht dran

Der Frühling, der als Winter beginnt

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20. März 2013: Dicker Schnee bedeckt zum kalendarischen Frühlingsbeginn den Osterschmuck über dem Kump am Korbacher Rathaus.

Korbach - „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“, heißt es in der Volksweise. Doch von der legendären Märzensonne, die Herzen für den Frühling erwärmt, ist bislang nichts zu sehen. Der bildhafte Vergleich zum Vorjahr macht es besonders deutlich.

Nichts Außergewöhnliches, alles schon mal dagewesen, heißt es stets bei den Meteorologen. So brachte der Winter 2012/2013 zwar eine enorm lange Phase der himmlischen Tristesse, doch 1963, vor 50 Jahren, soll es schon mal ähnlich gewesen sein.

Selbst für Fans des Wintersports ist das alles nur ein schwacher Trost. Denn mit dem kalendarischen Frühlingsbeginn gestern haben auch die letzten Winterfreunde inzwischen die Nase voll von Schnee und Eis.

Als anschauliches Material rücken wir heute mal bildhaft zwei Frühlingsmotive in direkten Vergleich: Korbachs Kümpe im Osterschmuck 2012 - und im verschneiten Jahr 2013.

Als wenn der Himmel den Kalender verhöhnen wollte, schneite es zum kalendarischen Frühlingsauftakt gestern unentwegt im Waldecker Land. Dicker Schnee bedeckte den Osterschmuck auf den Kümpen in der Altstadt, während sich die Korbacher Schützenfrauen voriges Jahr noch unter blauem Himmel am Brunnen vor der Kilianskirche tummelten.

Frühling im Kalender

Vielleicht hat es meteorologisch solche Eskapaden des Wetters schon immer gegeben - aber in dieser massiven Wechselhaftigkeit? So gereichte der Frühling in den Jahren 2009, 2010, 2011 - besonders im sonst sprichwörtlich wechselhaften April - selbst ausgewachsenen Hochsommern hierzulande zur Ehre.

Apropos Frühlingsbeginn: Warum fällt dieses kalendarische Datum eigentlich mal auf den 21. März (wie 2011), oft aber auf den 20. März? Die Ursache liegt in der Himmelsmechanik. So markiert der Frühlingsbeginn im Kalender das Datum der Tag-und-Nacht-Gleiche. Zum Frühlingsbeginn auf der Nordhalbkugel sind also Tag und Nacht überall auf der Erde gleich lang - jeweils zwölf Stunden. Gleiches gilt für den Herbstanfang am 22. oder 23. September, der dann die kalte Jahreszeit einläutet.

Auf der Südhalbkugel der Erde ist es genau umgekehrt mit Frühling und Herbst. Und so durften wir uns angesichts des andauernden Schnees gestern ein wenig fühlen wie fröstelnde Pinguine im Süden, die vom frühen Wintereinbruch überrascht wurden.

Sonne zieht nach Norden

Ab dem kalendarischen Frühlingsbeginn werden die Tage auf der Nordhalbkugel länger als zwölf Stunden - bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres. Danach werden die Tage wieder kürzer - bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember.

In der Himmelsmechanik zwischen Erde und Sonne lässt sich dieser stete Wechsel zwischen Nord- und Südhalbkugel folgendermaßen erklären: Die Erde dreht sich um die eigene Achse und bestimmt dadurch Tag und Nacht. Diese Rotationsachse liegt aber schief zur Umlaufbahn um die Sonne - im Winkel von etwa 23,5 Grad.

Ab 21. März „wandert“ die Sonne also nach Norden, es wird tendenziell wärmer; ab 23. September zurück zur Südhalbkugel, es wird tendenziell kühler. So bestimmt der schiefe Stand der Erdachse zur Bahn um die Sonne auch über die vier Jahreszeiten, wie wir sie in mittleren Breiten Europas kennen. An Nord- und Südpol bedeutet dies, dass die Sonne im Sommer nicht untergeht, im Winter dagegen sich gar nicht erst blicken lässt.

Mit einer Taschenlampe und einem Globus (oder Ball) lässt sich dieses Spiel der Himmelsmechanik zu Hause gut nachstellen.

Der Tag des Frühlingsanfangs wiederum variiert zwischen dem 20. und 21. März unter anderem deshalb, weil ein Jahr astronomisch gesehen nicht genau 365 Tage hat. Deshalb wird auch alle vier Jahre ein Schaltjahr (mit 29. Februar) eingeschoben.

Nach dem Lauf der Sonne werden die Tage also bis zum 21. Juni immer länger in hiesigen Gefilden - wenn sich denn die Sonne nur mal wieder dauerhaft blicken ließe am Waldecker Himmel …

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