Korbach

„Gänsehaut bis zu den Ohrläppchen“

- Korbach (tk). 200 Kilometer in vier Tagen: Für Autofahrer nicht der Rede wert, für Radler eine gemächliche Kurzstreckentour, für die Korbacher Marathonwanderer Anna Nebel, Ingo und Sabine Stell das „Höchste der Gefühle“.

„De Vierdaagse“ rund um die niederländische Hansestadt Nimwegen gilt als traditionsreichste Veranstaltung ihrer Art. „Walk of the World“, der englische Titel der diesjährigen 95. Auflage, dürfte Anfänger jedoch ein wenig in die Irre geführt haben. Teilnehmer aus aller Herren Länder waren in der vorletzten Juliwoche zwar schon dabei. Aber von einem Spaziergang kann nun wirklich keine Rede sein.

Ingo und Sabine Stell sind keine Anfänger. Der Korbacher infizierte sich während seiner Dienstzeit als Bundeswehrsoldat mit dem „Virus Weitwandern“. 1997 nahm er das erste Mal an „De Vierdaagse“ teil. Danach absolvierte er den Viertagesmarsch fünfmal. 2009 schnürte auch seine Frau Sabine erstmals Turnschuhe und Rucksack, um im Frauen-Wettbewerb über viermal 40 Kilometer zu starten. Damals nach dem Zieleinlauf konnte sie sich nicht vorstellen, die Strapazen noch einmal freiwillig zu wiederholen. „Frag mich nie wieder, ob ich das noch mal machen würde“, hatte sie ihrem Mann damals empfohlen.

Ingo Stell hielt sich nicht daran. „Einmal und nie wieder oder einmal und immer wieder“: Für „Infizierte“ laufe es meist nur auf diese beiden Varianten hinaus, sagt er. Vier Tage lang um fünf Uhr morgens zu starten (eine Stunde nach den Männern), dann mit rund 40 000 „Leidensgenossen“ die niederländische Region Gelderland zu durchmessen und sich auf das Heineken-Bier am Nachmittag zu freuen: Diese Tort(o)ur wollte Anna Nebel, Sabine Stells Freundin, unbedingt miterleben.

Motiviert und mitgetragen habe sie vor allem das enorme Zuschauerinteresse. Zu Tausenden standen die niederländischen Gastgeber entlang der Strecke, die, vor allem wenn es über scheinbar endlos lange Deichkronen ging, die Läufer anfeuerten. Für Anna Nebel bleibt der Zieleinlauf am letzten Tag unvergessen: „Ein Gänsehaut-Gefühl bis zu den Ohrläppchen“.

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