Korbach

Ein ganz enges Metall-Rennen beim Band-Contest

- Korbach. Am Ende gab der Erfahrungsvorsprung den Ausschlag: Die Kasseler Classic-Rocker von „Spit“, die gerade ihr zweites Album eingespielt haben, zogen im Jugendhaus bei ihrer Show auf der Bühne und bei der Interaktion mit dem Publikum alle Register und hatten daher bei der Jury in der ersten Runde des Band-Contests die Nase vorn.

Der Publikumsjoker fiel auf die Medebacher Endzeitmetaller von „Everything ends someday“, die bei den Zuhörern als Nummer eins ins Ziel kamen und sich deshalb noch Hoffnung auf die Teilnahme an der Endrunde machen können. Die Korbacher Lokalmatadoren Sarah/Nils/Jan landeten – trotz deutlicher Steigerung gegenüber dem Vorjahr – auf dem undankbaren dritten Platz.

Allerdings ist Startplatz eins recht selten ein gutes Omen: Mit entsprechend mehr Biss als im Vorjahr begann das Trio seinen Auftritt. Schon beim schweißtreibenden Opener „Ignorance“ legte Jan Kirchner mehr Wucht in seine Schläge. Auch Leadsängerin Sarah Schultze ging von Anfang an selbstbewusster und aggressiver zu Werke als 2010, und gerade ihre Interpretation von Katie Meluas „Crawling up a hill“ konnte durchaus als Hinweis auf das Ausgangshandicap verstanden werden. Mit aggressiven Akkorden eröffnete Nils Lienhop Adeles „Running in the deep“ und tauschte für das abschließende Katie-Perry-Medley seine Gitarre gegen einen Drumkit für noch mehr Drive.

Die Wildunger „Beat Alls“ ließen es dagegen gelassen angehen: „Wir haben uns vor drei Wochen vorgenommen, ein paar Beatles-Songs aufzumischen, und uns dafür erst einmal Anzüge gekauft“, erklärte Bassist Todor Akimoff, der bei „I saw her standing here“ auch stimmlich den Paul-Part übernahm, während Gitarrist Christian Bruhlan mit seinem fetzigen Spiel das Vorhaben in die Tat umsetzte und John Lennon dabei ein wenig alt aussehen ließ. Beim groovigen „Come together“ brachte Todor Akimoffs Wubberbass die Fans erstmals in Bewegung.

Als nächste Band setzte „Spit“ Glanzlichter in Sachen spektakuläres Zusammenspiel: Frontmann Patrick bei der Interaktion mit den beiden Gitarristen zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Auch musikalisch wurde schon beim Opener „Purple­road“ mit der finalen Steigerung samt Gitarrensolo klar, dass die Kasseler Band voll auf Sieg gepolt war. Und als der Sänger beim abschließenden „This is home“ sein Publikum erst hinsetzen und dann den gesamten Saal aufspringen ließ, schien der Claim abgesteckt.

„Everything ends someday“ konterte mit dem innovativeren Sound und melodischeren Beiträgen als im Vorjahr. Dabei blieb der virtuose Wechsel zwischen Sänger Marcel Schmidt und Shouter Chris Mögelin bei „Glimmer of light“ einmal mehr das unverkennbare Markenzeichen und weckte den Wunsch nach einer Zugabe, den die Medebacher als einzige Band erfüllen konnten. „Wir haben heute alle etwas schneller gespielt“, schmunzelte Drummer Markus Falkenstein nach einer Show, während der das Publikum permanent am Tanzen war.

Nach den beiden Metall-Schwergewichten, deren Anhang sich danach auch schnell zurückzog, blieb „SMD“ nur der harte Kern ihrer Fans. Mit einem Anflug von Galgenhumor animierte die angefressene Frontfrau Ann-Kathrin ihren Schlagzeuger Jan zum Strip für mehr Stimmen. Mit befreitem Oberkörper brachte der Drummer mehr Wucht hinter seine Schläge und auch die Riffs kamen auf einmal knackiger über die Rampe und so gerieten „Utopie“, „Piraten“ und „Flucht“ zu echten Krachern, die ein größeres Publikum verdient gehabt hätten. – Aber an diesem Abend spielten die beiden Sieger klar in einer anderen Liga. (ahi)

Eine Bildergalerie vom Band-Contest finden Sie hier.

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