Vöhl will Angebot in Kindergärter erweitern · Gebühren werden erhöht

Ganztagsangebot für alle Kindergärten

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Vöhl - Die Gemeinde will Vöhler Eltern helfen, Familie und Beruf noch besser unter einen Hut zu bekommen: Ab September soll in allen vier Kindergärten der Gemeinde ein Ganztagsangebot eingerichtet werden, in Marienhagen eine Krippengruppe. Gleichzeitig werden die Gebühren angepasst.

Für viele Eltern dürfte die Entscheidung aus dem Rathaus überraschend kommen: Noch in diesem Jahr sollen alle vier Kindergärten in Vöhl zu Ganztags-einrichtungen ausgebaut werden. „Den Vorschlag wird der Gemeindevorstand im Juli den Gemeindevertretern vorlegen“, erklärte Bürgermeister Harald Plünnecke gestern Morgen. Weil entsprechende Anträge bis zum 14. Juni im Kreishaus vorliegen müssen, war Eile geboten.

Neue Krippengruppe

Einig waren sich die Mitglieder des Gemeindevorstandes: Nach Marienhagen, wo es seit vergangenem September einen Ganztagskindergarten gibt, sollen nun auch Schmittlotheim, Vöhl und Dorfitter nachziehen. „Wir haben eine Umfrage unter den Eltern gemacht, deren Kinder in diesem Jahr in den Kindergarten kommen“, erzählt der Bürgermeister. Und daraus ergaben sich zwei Wünsche deutlich: Viele Eltern in Vöhl möchten ihre Kinder schon mit zwölf Monaten in den Kindergarten geben und sie wünschen sich längeren Öffnungszeiten. „Darauf reagieren wir jetzt“, sagt Hauptamtsleiter Dirk Beckmann.

Bestätigt sieht sich die Gemeinde auch durch den unerwarteten Riesen-Erfolg des Probejahres in Marienhagen. Zehn bis zwölf Kinder nehmen das Ganztagsangebot hier regelmäßig an - während einige Eltern ihre Kinder fest anmelden, nutzen andere Eltern die Möglichkeit, bis morgens um 8.30 Uhr eine Ganztags-Marke zu kaufen.

Und eben diese Flexibilität wünschen sich Bürgermeister und Hauptamtsleiter auch für die Eltern der anderen Orte. Von 7.30 bis 16.30 Uhr sollen die vier Einrichtungen künftig geöffnet werden, Eltern können flexibel entscheiden, wie oft oder ob sie das Angebot in Anspruch nehmen. Mittagessen soll es in allen Einrichtungen aus dem Nationalparkzentrum geben.

„In Marienhagen wollen wir darüber hinaus im September die erste Krippengruppe der Gemeinde einrichten“, sagt Plünnecke. Schließlich bestehe hier dringender Handlungsbedarf. Durch den neuen Rechtsanspruch der Eltern auf Betreuung von Kinder unter drei Jahren ist die Gemeinde aufgefordert, für 35 Prozent der Kleinsten einen Kindergartenplatz bereit zu stellen. Nur 29 Prozent waren bisher gesichert, durch die Krippengruppe erreicht die Gemeinde eine Quote von 40 Prozent - und entspricht damit der Anforderung.

Die Ganztagsangebote und die Krippengruppe lässt sich die Gemeinde was kosten: Die Personalkosten würden um rund 70000 Euro im Jahr steigen - in Marienhagen würden zwei neue Stellen und in Schmittlotheim eine neue Stelle nötig. Dazu kommen steigende Bewirtschaftungskosten. „Aber das sind uns die Bedürfnisse der Familien wert“, sagt Plünnecke.

Bauliche Veränderungen, die durch Ganztagsangebote nötig würden, seien hingegen für die Gemeinde fast kostenneutral. In Schmittlotheim und Dorfitter könnte ein temporäre Schlafraum im Bewegungsraum eingerichtet werden, in Marienhagen würde der Bewegungsraum in den benachbarten „Treffpunkt“ umziehen. Weil die Kinderzahlen im Vöhler Kindergarten stetig sinken - 14 Kinder verlassen die Einrichtung, während bisher nur sieben neue Kinder angemeldet sind - könnte hier einer der drei Gruppenräume als Schlafraum genutzt werden. Der Kindergarten würde dann nur noch zwei Gruppen haben. Insgesamt gehen in Vöhl zur Zeit 176 Kinder in den Kindergarten

„Nötige Umbauten würden durch ein Förderprogramm des Bundes finanziert“, sagt der Bürgermeister, „auch der Kreis sagt für die Einrichtung von U3-Plätzen Unterstützung zu“.

Gebühren werden erhöht

Gleichzeitig kündigt der Bürgermeister aber auch eine Gebührenerhöhung an - sollte die Gemeindevertretung zustimmen: Das Halbtagsangebot soll statt 80 dann 100 Euro kosten, das Ganztagsangebot statt 160 dann 200 Euro. „Damit liegen wir im Vergleich immer noch am unteren Ende der Skala“, sagt der Bürgermeister. Das Angebot sei in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden, statt 50 Urlaubstagen seien es heute nur noch Hand voll, erklärt er. Selbst in den Sommerferien hätten immer mindestens zwei Kindergärten der Gemeinde geöffnet.

Nun bleibt abzuwarten, ob der Fachdienst beim Kreis den Plänen der Gemeinde zustimmt, sich mit den räumlichen Gegebenheiten zufrieden gibt und die Anträge bewilligt. Dann könnten Vöhler Familien ab dem 1. September das Angebot nutzen. (resa)

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