Letzter Herbstmarkt: Enttäuschung bei Händlern

Gardinen-Predigt

Korbach - Karussells, Essen, Trinken, Schnäppchen jagen: Bis Sonntag noch läuft Korbachs letzter Herbstmarkt. Die Enttäuschung bei vielen Händlern über das „Aus“ im Herbst sitzt tief.

„Das ist mein bester Markt in Deutschland. In Arolsen zahle ich dreimal so hohe Standgebühren“, sagt Willi Bender. „Gardinen-Willi“ ist bei den heimischen Jahrmärkten bekannt wie ein bunter Hund, freut sich stets auf den Rummel in Korbach. Aber am Freitag zum Auftakt des letzten Herbstmarkts in der Hansestadt stand Gardinen-Willi der Ärger ins Gesicht: „Ich komme seit über 50 Jahren hierher. Das sollten sich die politischen Parteien mal überlegen: Wir sind ein Kulturgut“, betont Bender. Und eine Kollegin vom Nachbarstand pflichtet nickend bei. „Ja, natürlich sind wir traurig“, erklärt Walter Hoppe aus Hamm, Chef am Stand mit Popcorn und Mandeln. Sein Familienbetrieb macht schon seit 65 Jahren regelmäßig Station auf der Hauer in Korbach. „Wir leben davon“, unterstreichen Mandolina und Kai-Uwe Thies, die vor zwei Jahren Schneiders Zuckerbude (Freienhagen) übernommen haben. „Immer mehr Viehmärkte sterben aus“, blickt Thies in die Zukunft. So ist sich Thies mit Gardinen-Willi völlig einig: Der Herbstmarkt an diesem Wochenende ist klein in Korbach, „aber besser als gar kein Markt“. Das Stimmungsbarometer vom Freitagabend unter den Händlern macht ein Dilemma deutlich: Während mancher Karussellbetreiber aus Korbach längst Abschied genommen hat, weil die Resonanz der Besucher zu wünschen übrig ließ, ist der Herbstmarkt für etliche Händler noch immer durchaus lohnenswert.So wird auch mancher Korbacher ab diesem Wochenende wohl von Wehmut gepackt, wenn es zum Spaziergang über den letzten Herbstmarkt auf der Hauer geht. Von Jörg Kleine

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