28. Mittelalterlicher Markt in Korbach zieht viele Besucher in die Fußgängerzone

Gaukler, Ritter und Spielleute - Video

Korbach - Das Feuer knistert, die Brote im Ofen schicken ihren Duft über den Markt und schöne Melodien liegen in der Luft: Zum 28. Mittelalterlichen Markt kamen am Wochenende viele Schausteller und Besucher nach Korbach.

Ein lauter Schrei des Hauptmanns und schon machen sich drei schaurige Gestalten mit dunklem Blick entschlossen auf die Suche nach einem Fahnenflüchtigen. Wer sich nämlich unerlaubt von der 
mittelalterlichen Truppe entfernt, dem droht laut Statuten der Tod. Kaum gefunden, wird der Flüchtige vor Gericht gestellt und ihm wird ein schneller Prozess gemacht: Tod 
durch Erschießen. Und während die Trommel vorneweg zieht und der Verurteilte in Halseisen zur Hinrichtung 
geschleppt wird, staunen die Besucher des Mittelalterlichen Marktes nicht schlecht. Was 
sie erst für einen kleinen Aufruhr in der Fußgängerzone gehalten hatten, entpuppt sich als Schauspiel der Landauer. Deren Musketiere legen die Gewehre an, es knallt und dampft und schon geht der Verurteilte zu Boden. „Ist der jetzt wirklich tot“, fragt ein kleiner Marktbesucher mit besorgtem Blick und lässt den Mann am Boden nicht aus den Augen. Erst als der sich lachend schüttelt und langsam aufsteht, weicht der Sorge die Begeisterung und die Landauer freuen sich über den Applaus der Besucher. Denen werden beim Mittelalterlichen Markt viele Schauspiele, Melodien und Gauklereinlagen geboten – und auch zahlreiche Händler haben Steine, Stoffe und Köstlichkeiten mitgebracht. Heimische Gruppen, aber auch Gäste aus der ganzen Republik sind in die Korbacher Innenstadt gekommen. Mit Kanonenschüssen und den Trompetenklängen des Fanfarenzugs Ittertal hatte das bunte Markttreiben am Samstagmorgen begonnen. Der Herold verkündete die strengen Regeln für das Leben rund ums Lagerfeuer und Bürgermeister Klaus Friedrich forderte die Besucher 
auf: „Seid dabei bis zum letzten Hahnenschrei“. Dann eröffnete Hanse-Chef Jürgen Tent den Markt mit einem fröhlichen „Tummelt euch“ .Das lassen sich die Korbacher und viele Besucher nicht zweimal sagen: An den „Metschänken“ bilden sich schnell Trauben gut aufgelegter Besucher, die sich in der Herbstsonne und in geselliger Runde den Gerstensaft schmecken lassen. Gebäck, Grütze und Rahmflecken gehen über die Theke. So backen die Mitglieder der Korbacher Freilichtbühne in der Fußgängerzone Ofenkuchen, die Kollegen aus Twiste servieren Apfelpfannkuchen und viele fleißige Helfer aus Welleringhausen stellen am Berndorfer Tor vor den Augen der Besucher Butter her.

Währenddessen hat sich ein junger Vertreter der historischen Gruppe der Korbacher Schützengilde für Feuer als Nachspeise entschieden: Vor großem Publikum lässt er erst die Kegel durch die Luft fliegen und schluckt dann die Flammen, als seien es Quarkbällchen. Für den vollen Körpereinsatz der Gruppe Sankt Regina gibt es begeisterten Applaus – vor allem von den kleinen Marktgästen. Die statten sich beim Markt nicht nur mit Schwert und Schild aus, während Mama und Papa Felle, Steine, Stoffe und Gewürze erwerben, sondern lassen sich an Pfeil und Bogen und an der Axt selbst zu kleinen Rittern ausbilden.Erst am Sonntagabend, nachdem die Hanse die Besucher am Nachmittag zum ausgiebigen Einkaufen eingeladen hatte, werden die knisternden Lagerfeuer dann gelöscht.

Zufriedene Schausteller, hochzufriedene Einzelhändler und unzählige Besucher, die Herbstsonne, statt Dauerregen bekommen hatten: Das Fazit nach dem Mittelalterlichen Markt fiel überaus positiv aus. Korbach. Am Ende strahlte Hansechef Jürgen Tent über das ganze Gesicht: „Wir sind hoch zufrieden mit diesem Mittelalterliche Markt“, stellte er dann fest. Das gelte für die Schausteller ebenso wir für die Einzelhändler. „An beiden Markttagen war in der Stadt richtig viel los“, freute er sich. Und der verkaufsoffene Sonntag habe für gute Umsätze in den Geschäften gesorgt. Das hätte auch anders ausgehen können. Denn eigentlich war für das Festwochenende Dauerregen angekündigt: „Wir haben also richtig Glück gehabt“, befand Tent. Was das Erfolgsrezept des Mittelalterlichen Marktes sei: „Viele heimische Vereine bringen sich richtig ein“, lobte er, „sie sorgen für ein besonderes Flair und machen den Markt zum Heimatfest“. Und so hätten am Ende alle Spaß gehabt. Eine besondere Auszeichnung für ihren Einsatz bekamen bei der Kür der schönsten Stände der „Eierknacker“, „Steinis Weinkutsche“ und „Dragal“.Zufrieden war am Ende auch die Polizei: Sie musste nicht ein Mal ausrücken, um für Ordnung auf dem Markt zu sorgen. (resa)

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