„Energiewendedialog“ in Korbach · Knapp 50 Demonstranten gegen Windkraft

Gegenwind bei Diskussion

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Protestierendes Begrüßungskomitee: Demonstranten empfangen die Diskussionsteilnehmer mit der Forderung nach weniger Windkraftanlagen.Fotos: Wilhelm Figge

Korbach - Vertreter von Politik und Wirtschaft haben über Chancen und Fehlentwicklungen bei der Energiewende diskutiert - unter lautstarkem Protest von Windkraftgegnern.

Was ist bei der Energiewende bislang schiefgelaufen, welche Chancen bietet sie und wie entsteht gesellschaftliche Akzeptanz für sie? Fragen wie diese haben beim „Energiewendedialog“ in Korbach zur Debatte gestanden. Auf Einladung des Stiftungsvereins „Zukunft für unsere Region“ diskutierten der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf, EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller, Rainer Dippel von den Viessmann-Werken und Dr. Martin Hoppe-Kilpper, Geschäftsführer des Netzwerks der dezentralen Energie- und Effizienztechnologien DeENet.

Demonstranten im Dialog

Ebenfalls lautstark zu Wort meldeten sich knapp 50 Demonstranten: Mit Transparenten und dem Ruf „Wer unsere Wälder mit Windkraft quält, der wird von uns abgewählt“ begrüßten sie Teilnehmer und Besucher der Diskussion. Mit Einmischungen in die Debatte hielten sie Moderator Hans-Peter Osterhold auf Trab. Während die Demonstranten sich bei den Rednern nicht gut vertreten sahen, schlugen diese durchaus kritische Töne an: „Die Energiewende ist eine Operation am offenen Herzen - von einem Arzt, der das noch nie gemacht hat“, sagte Stefan Schaller. Der gesellschaftliche Konsens über ihre Ausgestaltung breche weg.

Um die Akzeptanz zu erhöhen, sollten Menschen sich beteiligen können und am Gewinn teilhaben, erklärte Jens Deutschendorf. Dass dies nicht immer funktioniert, räumte er ein: Daraus, dass die Gemeinde Diemelsee von ihren über 70 Windrädern wenig profitiere, müsse die Politik Lehren ziehen.

Martin Hoppe-Kilpper sah die Wertschöpfung in Deutschland und der Region als großen Vorteil erneuerbarer Energien - Viessmann produziert etwa Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen.

Die meiste benötigte Technik für die Energiewende bestehe schon, erklärte Rainer Dippel. Der Prozess werde dennoch lang, teuer und nicht immer erfolgreich sein - nicht umsonst seien die Ziele im Energiekonzept der Bundesregierung langfristig formuliert. So soll etwa bis 2050 der Energieverbrauch von Gebäuden um 80 Prozent sinken.

Versuch, Sorgen zu lindern

Jens Deutschendorf forderte bessere politische Rahmenbedingungen, um Investoren Sicherheit zu geben. Manche Zuwendung der Politik an die erneuerbaren Energien fand aber auch harte Kritik: Dass bei Überproduktion zuerst konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen, sei „Planwirtschaft“, befand Schaller. Deren Abschaltung sei sehr aufwendig, bei Windkraftanlagen müsste bloß ein Schalter umgelegt werden.

Demonstranten warnten vor Gefahren für Mensch und Tier durch Windkraft und äußerten sich besorgt über den Tourismus. Diese Ängste versuchten die Redner zu entkräften: „Vor dem Bau wird ein Jahr lang jeder Vogel einzeln beobachtet“, spitzte Schaller zu. Und zu den Auswirkungen von Infraschall auf die Gesundheit gebe es keine seriösen Studien.

Die Auswirkungen von Windrädern auf den Tourismus relativierte Martin Hoppe-Kilpper: In Schleswig-Holstein schade die hohe Dichte an Windrädern dem Fremdenverkehr offenbar nicht.

Von Wilhelm Figge

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