„Markt der Möglichkeiten“ in der Adorfer Dansenberghalle informiert über Ausbildungsberufe

„Wo geht‘s bitte zum Traumjob?“

+
Sie werben für den „Markt der Möglichkeiten“ in Adorf: Bürgermeister Thomas Trachte, Birgit Bortel, Schulleiter Jürgen Wohlfahrt und Bürgermeister Volker Becker.

Diemelsee-Adorf - Zum vierten Mal informieren heimische Betriebe Jugendliche und deren Eltern über ihre Ausbildungsberufe.

Welcher Beruf passt zu mir? Was würde mir Spaß machen? Und welche Firmen der Region bieten welche Lehrstellen an? Mit solchen Fragen müssen sich alle Jugendlichen beschäftigen, die in ein, zwei Jahren die Schule verlassen und ins Berufsleben durchstarten. Doch angesichts der Vielfalt der Angebote wird die Wahl rasch zur Qual. Da sind Informationen und Kontakte gefragt.

Beides bieten die Gemeinden Diemelsee und Willingen: Sie planen am Donnerstag, 13. März, wieder einen „Markt der Möglichkeiten“. Motto: „Wo geht‘s bitte zum Traumjob?“ Von 10 bis 14 Uhr stellen 29 heimische Betriebe an 24 Ständen in der Dansenberghalle vor, in welchen Berufen sie ausbilden.

Angebote von A bis Z

Das Angebot reiche wieder von A wie Altenpflegerin bis Z wie Züchter, sagte der Diemelseer Bürgermeister Volker Becker gestern im Pressegespräch. An den Ständen können sich die Besucher zwanglos informieren, sie können aber auch gezielt bei Firmen nachfragen und gleich Praktika vereinbaren. Vertreten sind überwiegend Betriebe aus den beiden Gemeinden - von der Gastronomie und Hotellerie bis zu Weidemann oder Fritz Römer. Auch regionale Besonderheiten kommen zum Tragen: Dank der Upländer Bauernmolkerei gibt es den nicht alltäglichen Ausbildungsberuf „Molkereifachmann“. Aber auch Conti und Horizont aus Korbach, Krankenkassen oder Banken werben in Adorf um Nachwuchs, die Agentur für Arbeit und die Kreishandwerkerschaft haben ebenfalls Stände.

Diesmal sind drei Firmen aus Nordrhein-Westfalen dabei - für Volker Becker sinnvoll, schließlich besuchten einige Jugendliche aus dem Nachbarland die Adorfer Schule, sagte er. „Wir dürfen nicht an kommu- nalen Grenzen dicht machen.“

Bisher gute Resonanz

In den vergangenen Jahren hätten die Betriebe eine positive Rückmeldung gegeben, berichtete Becker. Auch die Schüler hätten das Angebot gut angenommen. Manche hätten über den „Markt“ eine Lehrstelle gefunden. Da die Eltern bei der Berufswahl ein entscheidendes Wort mitreden, seien auch sie willkommen, betonte er. Auch Großeltern hätten ihre Enkel schon begleitet.

Die Firmen haben großes Interesse, für sich zu werben, denn auch sie bekommen den Bevölkerungswandel zu spüren: Die Zahl der Jugendlichen sinkt, der Facharbeitermangel nehme zu, berichtet Becker. Deshalb sei der Erstkontakt zu den Schü- lern wichtig, gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe werde einiges geboten. Und die Schüler bekämen an dem Tag gu- te Einblicke in die Berufswelt.

„Wir wollen versuchen, uns dem Facharbeitermangel entgegenzustellen“, sagte Becker. Willingen habe sogar Spanier angeworben. „Aber wir haben auch ein großes Potential an unseren Schulen, und wir haben gute, leistungsfähige Betriebe des Mittelstands“, sie seien „verlegen“ um jeden Lehrling.

Die Rückmeldungen der Betriebe seien nach jedem „Markt der Möglichkeiten“ recht gut gewesen, erklärte auch der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte. Deshalb sollte er fortgeführt werden. Diesmal sei das Handwerk stärker vertreten.

Auch wenn diese Initiative der beiden Gemeinden nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sei, gelte es angesichts des Facharbeitermangels, „jeden Strohhalm zu ergreifen“, sagte Trachte. Seine Gemeinde habe sogar einen Arbeitskreis zum Bevöl-kerungswandel eingerichtet. Die Kirche betreue Auszubildende. Er schlug zudem vor, „angemessene Wohnungen“ für Lehrlinge zu schaffen.

Wie berichtet, sucht gerade die Gastronomie des beliebten Fremdenverkehrszentrums im Upland händeringend Personal von Köchen bis zu Zimmermädchen. Deshalb haben die Willinger auch Spanier angeworben.

Von den 22 Interessenten eines ersten Treffens hätten 19 ihre Ausbildung begonnen, berichtete Trachte - alle seien noch dabei, und alle seien fleißig. Er könne sich sogar vorstellen, „im Rahmen des europäischen Gedankens“ auch ihre Familien nach Willingen zu holen.

Beim „Markt“ arbeiten die beiden Gemeinden zusammen, er findet jedes Jahr im Wechsel statt. Diesmal sind die Diemelseer an der Reihe, die Feder-führung hat Birgit Bortel von der Verwaltung. Ihr Partner in Willingen ist Dieter Pollack.

Die Willinger Uplandschule und die Adorfer Mittelpunktschule sind eng mit eingebunden. So werden die Schüler im Unterricht auf den „Markt“ vorbereitet, der ihrer Berufsorientierung dienen soll. Ziel- gruppe sind die Klassen 8 und 9.

Jugendliche in Region halten

Der Leiter der Mittelpunktschule, Jürgen Wohlfahrt, schätzt die gute Zusammenarbeit. „Auch wir haben ein Interesse, dass die Jugendlichen möglichst in der Gegend ge-bunden werden.“ Schließlich seien auch die Schulen vom Bevölkerungswandel betroffen. Er hoffe, dass eine Lehre Jugendliche halte. Und je mehr in der Region sesshaft blieben, desto mehr Familien gründeten sie dort später. Deshalb sei wichtig, dass die Jugendlichen in heimi- schen Betrieben unterkämen.

Eine Folge des Facharbeitermangels: Auch Hauptschüler und Kinder mit Förderbedarf bekämen wieder eine Chance auf dem Ausbildungsmarkt. „Da entwickeln sich Perspektiven für unsere Schüler.“ Das habe wiederum Auswirkungen auf ihre Motivation: „Sie gehen anders an ihren Abschluss heran.“

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Becker, „wir werden den ,Markt der Möglichkeiten‘ auch weiter unterstützen.“ Für Diemelsee sei das auch eine Form der Wirtschaftsförderung.

Kommentare