Steuerungsgruppe koordiniert Zertifizierung zur „Fairtrade-Stadt“ · Auftakt am 1. November

Weg zur gerechten Handelsstadt ebnen

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Zertifikat im Blick (v. l.): Anke Kern, Kerstin Decker, Thorsten Peper, Hiltrud Lahme, Franz Harbecke, Dr. Peter Koswig und Christel Wagner sind einige Mitglieder der Steuerungsgruppe.

Korbach. - Um die Welt ein wenig gerechter zu machen, bewirbt sich Korbach um den Titel „Fairtrade-Stadt“. Die Zertifizierung, die von möglichst vielen Bürgern unterstützt werden soll, beginnt mit einer Informationsveranstaltung am 1. November um 19 Uhr im Bürgerhaus.

Die Korbacher setzen bereits seit Jahren Zeichen für eine gerechtere Welt - ob die Mitglieder der Eine-Welt-Initiative, des Agenda-Arbeitskreises „Fairer Handel“ oder die Stadtväter, die nur noch Produkte beschaffen, die ohne „ausbeuterische Kinderarbeit“ entstehen.

Um einen Schritt weiter zu gehen, soll Korbach nun „Fairtrade-Stadt“ werden. Die weltweite Kampagne fördert den fairen Handel, setzt sich für gerechte Preise und Löhne für Menschen in Entwicklungsländern und gegen ausbeuterische Kinderarbeit ein (www.fairtrade-towns.de).

Korbach hat viele zu bieten

Die Idee, sich zu bewerben, wird im März erstmals öffentlich. Die Mitglieder des Agenda-Arbeitskreises „Fairer Handel“ und der Eine-Welt-Initiative beschließen, die Zertifizierung zu unterstützen. Alle sind überzeugt, dass Korbach viele Punkte des Kriterienkatalogs (siehe Hintergrund) bereits erfüllt.

Den Vorstoß beider Gremien greifen die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im April auf. Für die Stadtverordnetenversammlung am 3. Mai beantragen sie, das Prädikat „Fairtrade-Stadt“ anzustreben. Die Abgeordneten verweisen den Antrag zunächst in die Ausschüsse. In ihrer Juli-Sitzung stimmen sie ihm trotz kritischer Stimmen aus den Reihen der Bürgerlichen mehrheitlich zu.

Die für die Zertifizierung geforderte Steuerungsgruppe formiert sich am 27. September. Die Aktivitäten werden künftig koordiniert von: Franz Harbecke (Eine-Welt-Initiative und Weltladen), Oliver Merhof (Arbeitskreis „Fairer Handel“), Thorsten Peper und Hiltrud Lahme (Stadt Korbach), den politischen Vertretern Anke Kern (SPD) und Dr. Peter Koswig (Bündnis 90/Die Grünen), Pfarrerin Christel Wagner (Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Korbach), Kerstin Decker (DHB Netzwerk Haushalt), Dirk Müller-Maguhn (Hanse) sowie Vertretern der Medien. Harbecke: „Wir haben uns vorgenommen, den Kriterienkatalog schnell abzuarbeiten, dabei aber möglichst viele Korbacher mitzunehmen.“

Dass die Korbacher auf einem guten Weg sind, zeigt folgende Auflistung:

Kriterium 1: Die Stadtverordneten haben die Zertifizierung auf den Weg gebracht. Im Rathaus gibt es durch entsprechenden Beschluss seit Jahren fair gehandelten Kaffee.

Kriterium 2: Die Steuerungsgruppe steht.

Kriterium 3: Laut Pepers Recherchen bieten aktuell bereits mehr als die für Korbach geforderten fünf Geschäfte (vom Weltladen bis zum Discounter) und drei Gastronomen fair gehandelte Produkte an. Geprüft werden muss, ob alle mindestens zwei Waren im Sortiment haben.

Kriterium 4/5: Vereine, Kirche und Medien engagieren sich in der Steuerungsgruppe, weitere sind willkommen. Die Schulen sind angeschrieben. An der Alten Landesschule besteht eine Arbeitsgruppe zum fairen Handel seit einigen Jahren.

Mitstreiter sind willkommen

Auf den Weg gebracht ist auch die Auftaktveranstaltung, bei der es vielfältige Informationen über die Zertifizierung gibt. „Fairtrade-Stadt-Botschafter“ Hendrik Meisel von der zuständigen Siegelgesellschaft „Trains-Fair“ referiert am 1. November um 19 Uhr im Bürgerhaus. „Gerade weil die Bewerbung in der Stadtverordnetenversammlung kontrovers diskutiert wurde, sind alle eingeladen, Fragen zu stellen“, betont Harbecke. Darüber hinaus sollen sich möglichst viele Partner des fairen Handels - vom Weltladen bis zur Schule - mit ihren vielfältigen Produkten und Aktivitäten vorstellen.

Im Anschluss an diesen Abend plant die Steuerungsgruppe, ihre Partner medial zu präsentieren. Ziel ist, weitere hinzu zu gewinnen, damit die Welt Schritt für Schritt gerechter wird.

Wer die Aktion unterstützen oder sich am 1. November vorstellen will, meldet sich bei Thorsten Peper, Telefon 05631/53305. (nv)

Hintergrund

„Fairtrade-Town zu werden, bedeutet, ein konkretes Zeichen für eine gerechtere Welt zu setzen“, heißt es auf der Internetseite www.fairtrade-towns.de. Die Kampagne „Fairtrade Towns“ startete im Jahr 2000 in Großbritannien. Inzwischen gibt es mehr als 1000 Fairtrade-Städte in 23 Ländern. Zu ihnen zählen zum Beispiel London, Brüssel, Rom und San Francisco, aber auch Dortmund, Marburg und Biedenkopf. Deutsche Kreise, Städte, Gemeinden, Dörfer und Regionen können sich seit 2009 um das Zertifikat bewerben.

Verantwortlich für die Vergabe ist der Kölner Verein „Trans-Fair“, der auch das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt. Inzwischen tragen mehr als 120 deutsche Städte und Gemeinden den Titel, der zunächst für zwei Jahre verliehen wird. Jeder Bewerber muss fünf Kriterien erfüllen:

-Die kommunalen Gremien haben beschlossen, den Titel „Fairtrade-Stadt“ anzustreben. Darüber hinaus gibt es einen Beschluss, dass bei Ausschuss- und Parlamentssitzungen sowie im Bürgermeisterbüro fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt und ein weiteres Fairtrade-Produkt, zum Beispiel Schokolade, genutzt wird.

-Eine lokale Steuerungsgruppe koordiniert die Aktivitäten auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“. Es müssen mindestens Vertreter der Kommunalverwaltung, des Handels (Weltladen) sowie einer entsprechenden Agenda-Arbeitsgruppe dabei sein. Die Mitarbeit von Kirchen, Schulen, Vereinen und Medien ist erwünscht.

-Im Einzelhandel und in der Gastronomie werden mindestens zwei fair gehandelte Produkte angeboten. Die Anzahl der Betriebe hängt von der Einwohnerzahl der Stadt ab.

-Öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel Schulen, Vereine und Kirchen, nutzen Fairtrade-Produkte. Sie organisieren Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“.

-Die lokalen Medien begleiten die Aktivitäten.(nv)

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