Hallenbad: Korbachs Parlamentarier stimmen dem von EWF eingeschlagenen juristischen Weg zu

Gerichtsfeste Beweise im Sommer 2014

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Die Lagune im Hallenbad ist bei künstlichem Licht schön anzusehen. Streit gibt es aber über die Beckenbeleuchtung.

Korbach - Erst wenn die gerichtlichen Gutachten vorliegen, soll die Sanierung des sanierten Hallenbads beginnen: Das ist der vorgezeichnete Weg von Badbetreiber EWF. Korbachs Parlamentarier haben diesem Prozedere zugestimmt.

Es war keine sprichwörtliche „Nacht der langen Messer“ am Dienstag bei der internen Sondersitzung im Rathaus. Im Gegenteil: Sachlich und ruhig debattierten die Stadtverordneten die aktuelle Lage zum Hallenbad, schildert ein Parlamentarier die Atmosphäre im Sitzungssaal.

Spektakuläre Neuigkeiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit kamen derweil auch nicht auf den Tisch. Nach Angaben von Energie Waldeck-Frankenberg laufen derzeit drei „Beweissicherungsverfahren“ vorm Landgericht in Kassel.

Erstens geht es um Einschätzungen der Berufsgenossenschaft, ob die Arbeitsbedin- gungen fürs Personal im Hallenbad in Ordnung sind. EWF hatte teils zu hohe Temperaturen für Beschäftigte bis hin zur schlechten Übersicht für Schwimmmeister deklariert. Folge: „Wir bräuchten mehr Personal“, schilderte EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller.

Beckenbeleuchtung

Der Antrag auf ein gerichtsfestes Gutachten wurde im Dezember 2012 gestellt, Mitte März 2013 vom Landgericht beschlossen, liegt seit 5. September vor - ist jedoch nicht zur Zufriedenheit von EWF ausgefallen. Daher sandte der Korbacher Badbetreiber am 15. November „Ergänzungsfragen“ ans Landgericht (wir berichteten). Zweites Thema ist die Be-ckenbeleuchtung. Das Problem: Bei künstlichem Licht abends und durch Wasserspiegelung können die Schwimmmeister nicht auf den Grund der Edelstahlbecken schauen. Dies birgt Gefahr für die Badegäste. Zudem ist in der warmen Badelagune (Freizeitbad) offenbar überhaupt keine Beckenbeleuchtung eingebaut worden.

Den Antrag auf Beweissicherung stellte EWF Ende Oktober 2012 beim Landgericht, der gerichtliche Beschluss folgte Anfang Juni 2013, und am 22. Oktober wurde ein Sachver-ständiger gerichtlich bestellt. Das beweissichernde Gutachten liegt also noch nicht vor.

Bädertechnik, Hygiene

Größter Brocken in der juristischen Auseinandersetzung ist das Thema „Hygiene“. Darunter fallen Bädertechnik, Lüftung, Sanitärinstallationen und Trinkwasser, die im Auftrag von EWF ein Experte der Technischen Hochschule Mittelhessen unter die Lupe genommen hatte - mit vernichtendem Urteil. Den Antrag auf Beweissicherung stellte EWF Anfang Mai 2013, der gerichtliche Beschluss folgte am 27. Juni, und am 19. November wurde der neutrale Sachverständige gerichtlich beauftragt.

Fazit von EWF: Mit den „gerichtlich bestellten Gutachten wird bis Mitte des Jahres 2014 gerechnet“. Somit könnte „im Herbst 2015 das Hallenbad wieder geöffnet werden“.

Deutlich wird aus all den Daten, dass die juristische Prozedur äußerst langwierig ist. Dabei sind die ebenfalls geplanten Beweissicherungen für Edelstahl und Fliesen im Hallen- bad noch gar nicht beantragt.

Dies verwundert, denn bereits im August 2012 hatten Gutachter im Auftrag von EWF ihre Untersuchungen zum rostenden Edelstahl und zu Mängeln bei den Fliesen öffentlich präsentiert. Urteil der Gutachter damals: „Hier auf Fliesenbasis sind die Mängel eigentlich sehr gering.“ Von insgesamt 3000 Quadratmetern Fliesen müssten rund 180 Quadratmeter ausgebessert werden. Vor allem forderte der Gutachter mehr Wasserabflüsse im Boden.

Fliesen und Edelstahl

Der von EWF beauftragte Experte für Edelstahl resümierte damals: Chlor und Mikroben nagten nach der Schließung des Hallenbads an den Stahlbecken und verursachten Rost. Zudem gebe es unsaubere Schweißnähte, Schleifspuren und Grate an der stählernen Haut. Dies alles aber lasse sich beheben, denn grundsätzlich sei der ver- wendete Edelstahl in Ordnung.

Dennoch sind nunmehr weitere gerichtsfeste Gutachten zu Edelstahl und Fliesen abzuwarten - wie bei den anderen Angriffspunkten: „Andernfalls würden Beweismittel vernichtet“, die gegenüber dem Hallenbad-Generalplaner aus Gotha und den Handwerksfirmen geltend gemacht werden sollen.

Was genau und wie viel an Bauschäden im Korbacher Bad zu beseitigen ist, das wird offenbar erst im Sommer 2014 zu beantworten sein. (jk)

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