Korbach

Geringe Strafen für Betrügerpaar

- Korbach (tt). Ein Ehepaar ist am Dienstag vom Korbacher Amtsgericht zu Geldstrafen wegen Betruges in mehreren Fällen verurteilt worden.

Das angeklagte Paar hatte nach zwei Ägypten-Urlauben 2008 bei verschiedenen Auslandskrankenversicherungen Kostenerstattungen für Behandlungen im Ausland beantragt, die tatsächlich nie stattgefunden haben. Dem 32-jährigen Mann, der Ägypter ist, zahlten die Versicherungen insgesamt rund 2400 Euro. Seine 42 Jahre alte Frau bekam Behandlungskosten in Höhe von rund 2100 Euro erstattet. Ihrem Antrag auf weitere 1500 Euro kamen die Versicherungen nicht nach. Richter Wolfgang Damm verurteilte den Ägypter zu 55 Tagessätzen à 23 Euro, seine Frau muss ebenfalls 23 Euro in 50 Tagessätzen abbezahlen.

Aufgrund der finanziellen Situation des Paares können die Verurteilten die Strafen in Raten zu jeweils 50 Euro im Monat bezahlen. Zudem kommen noch die Regressforderungen der geschädigten Versicherungen auf die beiden zu. Damm erklärte aber, dass diese sich das Geld wahrscheinlich nicht sofort zurückholen können, da das Paar nicht unter dem Existenzminimum leben dürfe.Angeklagten geständig Dem Paar kam bei der Verurteilung zugute, dass es ein umfassendes Geständnis ablegte und auch keine vergleichbaren Vorstrafen hatte. Die Angeklagte entfernte sich lediglich einmal unerlaubt von einem Unfallort.

In ihrer Schilderung der Vorfälle aus dem Urlaub erklärte die 42-Jährige, dass die beiden vor allem aus wirtschaftlicher Not gehandelt hätten. Ihr Mann sei arbeitslos gewesen. Am Strand hätte sie dann durch eine Gruppe Frauen erfahren, dass es die Möglichkeit gebe, sich im Ort Rezepte ausstellen zu lassen. Beide Angeklagten beantragten dann bei verschiedenen Auslandsversicherungen Kostenerstattungen für Gastritis-Behandlungen an ihren Kindern und ihnen selbst. Die Rechnungen waren unterschrieben von ägyptischen Ärzten, die es nicht gibt. Bei der Frau blieb es in zwei von vier Fällen beim Versuch, da die Versicherungen die geforderten Rückerstattungen nicht zahlten. Ihr Ehemann erlangte bei drei vollendeten Taten jeweils zwischen 600 und 800 Euro.

Damm bemerkte auch, dass die Taten nicht ohne Hintergedanken durchgeführt worden seien, da bereits vor dem Urlaub mehrere Auslandskrankenversicherungen abgeschlossen wurden. Dem schloss sich auch der Staatsanwalt an, der hervorhob, dass die Warnsysteme der Versicherungen bei solch geringen Summen nicht immer funktionieren würden. Geringe Strafe wegen Gehalt „Wenn ich heute darüber nachdenke, tut es mir leid, und ich schäme mich auch für die Tat“, erklärte die 42-jährige Hausfrau. Ihnen sei das Ausmaß der Handlungen nicht bewusst gewesen. Allerdings wurde die Mutter der Angeklagten auch schon für einen ähnlichen Vorfall verurteilt.

Das Gericht passte die Geldstrafen dem Einkommen der Verurteilten an. Der 32-jährige Ägypter hat mittlerweile eine Arbeitsstelle in Regensburg gefunden. Da er jedes Wochenende mit dem Zug zwischen Korbach und Bayern pendelt, kommen auf ihn nicht unerhebliche Fahrtkosten zu. Außerdem muss der Kindergarten für das gemeinsame Kind bezahlt werden. Insgesamt bleibt dem Paar am Ende des Monats nicht viel Geld übrig. „Die Strafe befindet sich daher dicht am unteren Strafrahmen“, erklärte Richter Wolfgang Damm.

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