30 Teilnehmer beim Herbstseminar der Korbacher Freilichtbühne

Gut gerüstet für die nächste Saison

+

Korbach - Theaterluft schnuppern mit allen Sinnen: Beim Herbstseminar der Korbacher Freilichtbühne haben die Spieler zusammen mit Günther Treptow ihre eigenen Möglichkeiten entdeckt.

Stille herrscht bei der ersten Übung des Seminars: Ein „blinder“ Spieler soll mit geschlossenen Augen ertasten, was ein anderer darstellt - und diese Figur dann selbst nachahmen. Danach wird der „Blinde“ nur mittels Geräuschen durch den Raum gelenkt. Eine echte Herausforderung für die dreißig Akteure in dem kleinen Raum der Jugendherberge. Schließlich soll ja keiner mit einem anderen zusammenstoßen und sich trotzdem über das ganze Parkett bewegen.

Übungen stärken das Körpergefühl

Das sind nur zwei von vielen weiteren Improvisationsübungen, die Günther Treptow aus Wien für dieses Wochenende mitgebracht hat. Dabei reagiert der Schauspieler und Regisseur auch spontan auf die Ideen der Teilnehmer und ergänzt die Szenen entsprechend. Die Übungen des ersten Tages laufen noch ohne Text ab. Sie sollen das Körpergefühl der Spieler stärken und ihnen Möglichkeiten des Umgangs mit Szenen und Partnern vermitteln. „Dabei ist das Seminar zunächst thematisch frei und hat noch keinen direkten Bezug zu den Stücken des nächsten Jahres“, erklärt Treptow. Für das Basisseminar hat der Wiener eher in die komödiantische Kiste gegriffen. Das komme den Spielern entgegen und erleichtere ihnen den Umgang mit den Szenen, erklärt er. Die Vermittlung der Spielfreude stehe im Vordergrund, führt der Regisseur aus. Aber das Treffen diene auch der Offenheit gegenüber szenischen Darstellungen, und helfe den Teilnehmern, die eigenen Möglichkeiten zu entdecken und untereinander Vertrauen aufzubauen. „Gerade die neuen Spieler müssen schnell integriert werden, da ja die Besetzung und die Probensaison vor der Tür stehen“, sagt Treptrow.

Abendstück wird Spieler herausfordern

Aufgrund der Größe der Gruppe werden zwei Teams gebildet. Eines leitet Günther Treptow selbst, das andere Werner Schwager, der auch im nächsten Jahr wieder Regie auf der Korbacher Freilichtbühne führen wird. Er freue sich besonders auf das kommende Jahr, sagt Treptow, weil es thematisch doch völlig anders sei als in den vergangenen Jahren: „Im nächsten Jahr stehen mal wieder die Spieler mehr im Vordergrund, die Bühnentechnik spielt nicht so eine tragende Rolle, wie das in der jüngeren Vergangenheit der Fall gewesen ist.“

Besonderes Interesse erregt bei ihm das Abendstück „Kohlhiesels Töchter“, das zur Zeit noch umgeschrieben und an moderne Gegebenheiten angepasst wird. Ob auch etwas Lokalkolorit eingefügt wird, das verrät der Regisseur noch nicht. Auf jeden Fall sei es mal wieder eine größere Herausforderung für die meisten Akteure, deren Aktion von zentraler Bedeutung sein werde, sagt Treptow.

Am zweiten Tag des Seminars arbeiten die Spieler Szenen auf der Basis vorliegender Texte aus, etwa Dürrenmatts „Romulus der Große“ oder skurrile Szenen aus Mr. Pilks Irrenhaus („Ein Mann wirft sich weg“).

Der Profi ist zufrieden mit den Amateuren

Am Schluss zeigt sich Günther Treptow zufrieden mit den gezeigten Leistungen der Korbacher Schauspielschar: „Ich glaube, dass die Freilichtbühne gut gerüstet in die nächste Saison gehen kann.“ (poe)

Kommentare