Gemeinde investiert 550000 Euro in Adorfer Grube „Christiane“

Geschichte des Bergbaus wird „erlebbar“

Diemelsee-Adorf - Die Grube „Christiane“ wird für Besucher attraktiver: Die Bergbaugeschichte soll für sie „erlebbarer“ werden.

Der „Turm“ des einstigen Erzbunkers ist neu verschalt, die Betonwände des künftigen Ausstellungsgebäudes stehen - seit August laufen umfangreiche Instandsetzungs- und Erweiterungsarbeiten an der Grube „Christiane“. Sie liegen im Zeitplan: Wenn zum 1. April 2015 die neue Saison der Führungen beginnt, sollen die Besucher leichter nachvollziehen können, wie schweißtreibend einst die Arbeiten in dem Bergwerk waren. Der Betrieb hat eine lange Tradition:

Mehr als 800 Jahre lang wurde nach Angaben des Knappenvereins zwischen Bredelar und Adorf Eisenerz abgebaut, die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1273. Bis 1963 wurde im Martenberg gearbeitet. Stollen und die Gebäude an der Bredelarer Straße zeugen bis heute von diesem Kapitel waldeckischer Wirtschaftsgeschichte.

Altes Kulturgut erhalten

Dieses alte Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten, sei ein „vorrangiges Ziel“, betont Bürgermeister Volker Becker. Deshalb investiere die Gemeinde rund 550000 Euro. Das Land beteiligt sich mit einer Förderung von knapp 274000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, kurz EFRE. „Das Geld ist gut und richtig angelegt“, urteilt er. „Nicht jeder besitzt ein solches Kulturgut.“ Auch die landes­eigene WI-Bank unterstütze die Finanzierung. Die Arbeiten:

Der „Turm“ hat ein neues Dach und eine neue Holzverschalung erhalten, die angrenzende stählerne „Rennbahn“ fürs Erz wurde gesichert.

Außerdem entsteht wie berichtet ein neues Infozentrum mit einer Ausstellung zur Bergwerksgeschichte und der Geologie der Region. Große Teile der alten, vom Knappenverein zusammengetragenen Schau mit Bergbaugeräten, Mineralien und Fotos sollen aber erhalten bleiben. Dieses Bergwerksmuseum ist in Räumen der ehemaligen Erz-Aufbereitungsanlage am Schacht untergebracht. Auch die 1986 eröffneten Besucherstollen bleiben unverändert.

„Wir sind froh, dass wir den Knappenverein haben“, sagte Becker. Die Mitglieder hätten sich bei den Planungen mit ihrem Fachwissen eingebracht. Die meisten Mitglieder haben in der Grube gearbeitet. „Sie haben einfach die Erfahrung.“ Gerade der Vorsitzende Erhard Rettig habe sich Tag und Nacht für die Belange der Grube eingesetzt. Auch der Adorfer Ortsbeirat unterstütze das Projekt.

Die Gemeinde habe sich bemüht, Aufträge an heimische Firmen zu vergeben. Gerade bei der Sanierung des Erzbunkers sei Ideenreichtum gefragt gewesen, „das hat sehr gut geklappt“, erklärte Becker. „Die Partner haben sich untereinander abgestimmt.“ Mit Planung und Umsetzung hat die Gemeinde das Architekturbüro Grabowski-Spork mit Sitzen in Frankenberg und Wiesbaden beauftragt. Mit dem Lichtenfelser Planungsbüro Bioline hat es ein Entwicklungskonzept ausgearbeitet.

Seit 2009 habe sein Büro mit Bioline am Konzept gearbeitet und nach Fördermöglichkeiten gesucht, berichtete Jan-Eric Spork. Angesichts des begrenzten Budgets seien „Bausteine“ festgelegt worden, die sich auch stufenweise umsetzen lassen.

Bauarbeiten bis Januar

Die alte Holzverschalung des Erzbunkers sei in Abstimmung mit dem Denkmalschutz zum Teil erhalten geblieben. Das Gebäudeensemble stamme aus verschiedenen Zeiten und weise in der Fassade verschiedene Materialien wie Holz, Putz und Bruchstein auf.

Der neue Anbau für das Infozentrum mit rund 100 Quadratmetern habe mit seiner Hanglage außergewöhnliche Anforderungen gestellt,sagte Spork. Die Wände aus einem besonderen wärmedämmenden Leichtbeton sollen außen sichtbar bleiben. Die Bauleitung hat Ute Friedrich. Im Januar sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden, dann baut das Leipziger Büro Unikatum in zwei bis vier Wochen die „erlebnisorientierte Ausstellung“ zur Bergbaugeschichte mit Multimedia-Elementen auf - sie liefert auch die neue Naturerlebnis-Ausstellung fürs Heringhäuser Haus des Gastes. Kosten der Adorfer Ausstellung: rund 59 000 Euro.

Der Knappenverein wolle die alte Bergbautradition bewahren und das Brauchtum vertiefen, berichtete Erhard Rettig. Das Besucherbergwerk verzeichne 4000 bis 5000 Interessenten im Jahr. Es sei „etwas in die Jahre gekommen“, deshalb begrüße er die Modernisierung. Das Konzept sei „sehr schlüssig“, lobte er. „Wir versprechen uns davon eine positive Entwicklung.“ Die bis heute bestehenden Gebäude der Aufbereitungsanlage seien ein „Alleinstellungsmerkmal“ der Adorfer Grube, sie bildeten mit den Stollen eine Einheit.

„Die Dorfgemeinschaft freut sich über die Investition“, sagte Ortsvorsteher Bernd Becker, schließlich habe die Grube vielen Adorfern und Bergleuten aus der Umgebung eine lange Zeit Arbeit gegeben. Das Besucherbergwerk sei ein Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr, davon profitiere auch die heimische Gastronomie.

Im nächsten Frühjahr soll das Ergebnis der Arbeiten allen Interessenten bei einem Eröffnungsfest vorgestellt werden.

Von Dr. Karl Schilling

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