Erfolgsautor Michael Frey-Dodillet inszeniert unterhaltsame Lesung in der Bücherei

Geschichten, die nicht im Buch stehen

Den Hauptdarsteller von „Herrchenglück“ unterm Arm, die Toskana-Männer auf dem Pult: Michael Frey-Dodillet inszeniert seine Autorenlesung. Foto: Hennig

Korbach - Der stur aus dem neuesten Buch lesende Autor ist schon lange Geschichte, Lesungen sind längst Personality-Shows. Mit seinem Auftritt in der Korbacher Stadtbücherei toppte Michael Frey-Dodillet alles bisher Dagewesene.

Gleich beide Stars seiner Erfolgsbücher hatte der Bestsellerautor zur Lesung aus seinem Roman „Die Toskana-Männer“ in die Hansestadt mitgebracht. Im Verlauf der anderthalb Stunden konnte das Publikum reichlich Bekanntschaft mit „Krawallmaus“ Luna und dem Rüden „Wiki“ schließen, der keine Reihe und keine Tasche ausließ und sich zwischendrin auch mit Luna balgte.

Mit gewissen Eigenheiten der verwegenen Mischung aus Jack-Russell-Terrier und Münsterländer waren die Leser von „Herrchenglück“ ja schon vertraut, doch vor dem Aufbruch in die Toskana und in den ersten Roman lieferte der Autor jüngste Entwicklungen bei Wiki nach, bei dem sich während der ersten Lesungen eine Fehlverknüpfung entwickelt habe. Der inzwischen vier Jahre alte Hund würde Klatschen als Ende der Veranstaltung interpretieren.

Derart vorgewarnt blieben die Hände bei der Zuhörerschaft denn auch ruhig bis zum rechten Moment. Den Ausflug seines Stammtisches in die Toskana hatte der Autor schon im Verlauf seines letzten Korbacher Gastspiels im November 2012 angekündigt, doch bis zum fertigen Buch und ersten fiktionalen Werk galt es noch etliche Schritte zu bewältigen, denn die unmittelbare literarische Verwertung des persönlichen Freundeskreises ist ein heikleres Thema als die Macken von Hunden mit widersprüchlichen Charaktereigenschaften.

Zur Einführung in den Roman begann der Autor denn auch bei sich, beziehungsweise der Vorstellung jener Phänomene, wenn man fünfzig wird. Die drei Fünfziger, die ihrem mit einer Jugendliebe in die Toskana durchgebrannten Freund Alain im Bulli hinterher fahren, haben denn auch alle ein paar Züge aus der Vita ihres Schöpfers mitbekommen:

Fahrer Markus ist Familienvater und Hausmann, Nebensitzer Thomas arbeitet in einer Werbeagentur und steht am Rande des Burnouts, Gipser Rudi diskutiert noch vor der Abfahrt um viertel vor drei in einem Hundeforum. Denn zu Rudi gehört Otto, ein Dreisortenmischling, in dem sich die Elemente von mehreren dem Autor bekannten Hunden potenzieren.

Aufgrund eines frühkindlichen Traumas geht Otto auf alles los, was schwarze Hosen trägt, und da die Kellner in Italien überwiegend schwarze Beinkleider tragen, besteht die Gefahr, dass die Toskana-Expedition hungrig aufstehen wird.

Als jüngerer Widerpart und Korrektiv ist noch der 23jährige Ben mit an Bord, gleichbedeutend mit allerlei Kabbeleien zwischen der Generation Facebook und den drei Herren im besten Alter, die untereinander reichlich Seitenhiebe austeilen oder neue Gemeinsamkeiten entdecken. Etwa, wenn sich der späte Vater Thomas mit dem Fünffachpapa Markus über die sprachlichen Fortschritte seines dreijährigen Sohnes unterhält. Dem zu unverhältnismäßigen Ausbrüchen von Gerechtigkeit neigenden Rudi fehlt dagegen noch eine Frau, die dem Poltergeist seine rasch anschwellende Zornesader wieder glättet.

Insofern gibt es wohl mehr als ein Reiseziel und viele Elemente, die seine Leser an den Büchern von Michael Frey-Dodillet schätzen, dessen „Herrchenjahre“ und „Herrchenglück“ auf der Spiegelbestsellerliste standen. Drei Jahre auf Platz eins auf der Liste Geschenkbücher - Arbeit und Wirtschaft beim Medienriesen Amazon gehört zu den witzigen Fußnoten seiner Erfolgsgeschichte als Autor, die er nicht um jeden Preis fortschreiben will.

Luna, Wickie und dritter Hund haben zwar Modell für Otto gestanden, ein weiteres Hundebuch ist vorerst aber nicht in Sicht. Den nächsten logischen Sequel-Schritt lehnt Michael Frey-Dodillet trotz des zweifelsfrei großen Unterhaltungspotenzials für die Leser ab: „Wir wollen nicht, dass sich zwei derartige Psychopathen auch noch vermehren“, sagt er, angesichts des eher fortgeschrittenen Alters von Luna könnte aber „Herbsthunde“ eines Tages ein Thema werden.

Doch da es am Ende der „Toskana Männer“ noch einige lose Fäden gibt, ist vorher wohl mit einer Fortsetzung des Stammtischausflugs zu rechnen. Vielleicht auch mit dem nächsten Besuch in der Stadtbücherei Korbach mit zahlreichen Geschichten, die in keinem Buch stehen.

Von Armin Hennig

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