Am Sonntag Korbacher Schnadezug von den Danseplätzen bis zur Dalwigker Warte

Gesellschaft an der Grenze

+
Von der bewaldeten Grenze nach Berndorf (links) bis zur Dalwigker Warte (rechts) führt der Korbacher Schnadezug am Sonntag. Fotos: Wilhelm Figge

Korbach - Am Sonntag gehen die Korbacher auf Schnadezug. Am nordöstlichen Abschnitt der alten Hutegrenze treffen sie viele Nachbarn und passieren historische Stätten.

Mit der Einführung des Grundkatasters im 19. Jahrhundert sind sie für ihren eigentlichen Zweck überflüssig geworden: Schnadezüge. Dennoch gehen noch immer viele Menschen die alten Grenzen ihrer Heimatorte ab. Beritten und bewaffnet zeigt sich dabei heute niemand mehr, und auch den Eifer der Briloner mit ihrem Ausspruch „Lass brennen was brennt, wir halten unsere Schnad‘“ erreichen nur wenige.

Fünfte Etappe des vierten Schnadezugs seit 1951

Die Korbacher nahmen die Tradition 1951 wieder auf und haben ihre eigenen Errungenschaften: So wurden Geländewagen gestutzt und Zugreisen zu vom Stadtkern weit entfernten Startpunkten organisiert - mit Halt mitten in der Landschaft: „Meines Wissens nach waren wir die Ersten, die das gemacht haben“, erklärt der Schnadekundige Heinz Merl. Alle drei Jahre begehen die Hanseaten eine der sechs Etappen ihrer alten Hutegrenze: Am Sonntag ist die von der Spitze des Hospitalgeheges bis in die Dalwigker Warte an der Reihe - wegen des unwegsamen Geländes 15 Kilometer, schätzt Heinz Merl, der in seiner Funktion viel zu Strecke und Steinen erzählen wird.

Viele Nachbarn entlang der Strecke

Start ist traditionell am Alten Marktplatz - wegen der ohnehin langen Strecke wird vom Gasthaus „Zur Waage“ aus um 8.15 Uhr ein Bus ins Tiefe Tal fahren. Als erste von vier Delegationen der Nachbarorte treffen die Grenzbegänger gegen 9 Uhr die Berndorfer am Stein der Landwehr oberhalb des Tals. Etwas weiter entlang des Höhenwegs treffen sie sich um 9.30 Uhr mit den Ober-Waroldern, um 9.50 Uhr dann auf dem Kipp mit den Strothern. Etwas bergab ist dann Frühstückspause, bevor es aus Strothe in Richtung Höringhausen und damit zur Grenze nach Hessen-Darmstadt geht. Bis zu einem Grenzvergleich 1753 hat es an dieser Grenze immer Streitigkeiten gegeben.

Vor der Mittagspause am Redhof treffen die Korbacher sich um 11.30 Uhr noch mit den Meinerighäusern - an der Stelle des im 15. Jahrhundert abgebrannten Nachbarorts Wammeringhausen. Auch die aufgegebenen Orte Reckeringhausen und Hessinghausen befanden sich an der Route. Besonders geschichts-trächtig ist der Brünneckenberg, der nach der Mittagspause passiert wird (wir berichteten).

Neue Steine markieren alte Grenze

Im anschließenden Gebiet haben die Mitglieder der Schützengilde viel getan, um die historische Grenze für die Zukunft festzuhalten: Schützenkönig Karsten Balk hat ebenso einen neuen Stein gestiftet wie Adolf Gräbe, einer seiner Vorgänger. Zwischen den beiden steht ein jüngst umgesetzter Stein von Wilhelm Rohde und Karl-Friedrich Suck - er lag zuvor weit hinter der Grenze nach Meineringhausen. Bereits nahe Strothe hat Rainer Wiegand einen neuen Stein aufstellen lassen.

Sein Ende findet der Marsch entlang der alten Grenze um 15 Uhr an der Dalwigker Warte, der Abschluss wird auf dem Hof von Siegfried Fahrenbach gefeiert.

Von Wilhelm Figge

Kommentare