Künstler Ralli Müller zeigt Werke aus 30 Jahren in Schmittlotheim

Gesichter voller Ruhe

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„Alle Barrieren sind verschwunden“: Ralli Müller aus Schmittlotheim lädt am Samstag zur Vernissage seiner neuen Ausstellung ein.Foto: Demski

Vöhl-Schmittlotheim - Einen Winter lang hat er Hecken geschnitten. Erdige, harte Arbeit. Dann war Ralli Müller bereit für seine nächste Schaffensphase. Das Ergebnis zeigt er ab Samstag in Schmittlotheim - abends lädt er zur Vernissage ein.

Ralli Müller sieht den Menschen ins Gesicht. Und dann bittet er sie, die Augen und den Mund zu schließen, - und fotografiert. Und das ist erst der Anfang. Mit der Fotografie macht sich der Schmittlotheimer auf den Weg in seine Werkstatt und dort entstehen dann jene Porträts voller Ruhe und Wahrheit, die er ab heute in dem kleinen Geschäft in Schmittlotheim ausstellt. Besucher werden Menschen wieder erkennen - Rallis Frau Gesa, Nachbarn, Freunde. Dafür müssen sie ein Stück zurücktreten, denn aus der Nähe betrachtet sind es Farbfelder und Ebenen, die sich auf der Hartfaser treffen. Während sich die männlichen Gesichter aus der Dunkelheit hervorheben, arbeitet er bei den Frauen mit viel Licht und Weiß.

Die Porträts sind das Ergebnis einer Schaffensphase, die noch jung ist. „Aber zum ersten Mal sind alle Barrieren verschwunden“, sagt der Künstler, der seit Jahrzehnten malt, baut und gestaltet. Und damit weit über die Grenzen Schmittlotheims oder des Landkreises hinaus bekannt geworden ist.

„Im vergangenen Jahr habe ich Hecken geschnitten“, sagt er, „Kunst war damals nicht in Sicht.“ Ehefrau Gesa ahnte damals schon, er holte nur Luft für eine neue Phase. Und sie behielt recht. Ralli Müller besann sich auf seine Anfänge. Nach dem Abi malte er Gesichter, schnitt vor dem Spiegel Grimassen und merkte: „Das klappt. Ich kann Gesichter malen.“ Ob die Gesichter der „Ladys“ von Pin-up-Kalendern, die Mimik eines Nachbarn oder eines Freundes: Ralli Müller brachte sie auf Papier, verwandelte sie und verlieh ihnen so fast noch mehr Wahrheit als der Fotografie. Und das macht er jetzt wieder: Nach aufwendigen Drucktechniken, Plastiken und unzähligen Varianten des Gestaltens ist er zurückgekehrt. „Das ist old school“, sagt er, „und die Linien geben mir Sicherheit.“ Auf 90 mal 90 Zentimetern bannt er die Gesichter - mit geschlossenen Augen und geschlossenen Mündern. Mit Acryl. „Denn mit Öl komme ich bis heute einfach nicht zurecht“, sagt er.

Jedes seiner Bilder müsse während seiner Entstehung durch ein Tal. „Man möchte selbst am liebsten direkt was Schönes sehen“, sagt er, „aber so funktioniert das eben nicht.“ Und doch: Am Ende, wenn die Menschen vor seinen Bildern verweilen, dann sehen sie das Schöne. Dann sieht er selbst das Schöne. Das bestimmt sein Leben. Jetzt. Mit 52. „Ich umarme Bäume, habe meine weibliche Seite entdeckt, male Herzen, höre Musik, über die ich mich manchmal selbst erschrecke“, sagt er, „jetzt bin ich glücklich.“

Am Samstag eröffnet er die Ausstellung mit jenen Porträts - und anderen Bildern aus 30 Jahren künstlerischem Schaffen. Jeder ist von 16 bis 19 Uhr herzlich eingeladen in das Geschäft der Müllers am Ortseingang. Von 20 bis 24 Uhr darf dann in der Werkstatt gefeiert und gestaltet werden. „Also nicht schön anziehen“, sagt Ralli Müller, „und bringt eure Instrumente mit.“

Von Theresa Demski

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