Die 16-jährige Emma Young aus Minneapolis lebt seit zehn Monaten bei Carlotta Foerster in Dorfitter

„Es gibt noch so viel zu entdecken“

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„Wir wollen die Welt bereisen“, sind sich Emma Young (links) aus Minneapolis und Carlotta Foerster aus Dorfitter einig. Foto: Demski

Vöhl-Dorfitter - Emma Young dachte mal, Deutsche würden vor allem Bier trinken und Wurst essen. Jetzt ist die 16-Jährige schlauer. Denn seit zehn Monaten lebt sie bei Carlotta Foerster in Dorfitter - ein Austauschjahr, von dem beide Mädchen profitieren.

Als Emma Young im August 2011 in Dorfitter ankam, da konnte sie zwei deutsche Sätze: „Ich bin 16“ und „Ich wohne gleich um die Ecke“. Von Deutschland wusste sie nicht viel. „Mein Bild von den Deutschen war, dass sie viel Bier trinken und Wurst essen“, sagt sie schmunzelnd.

Zehn Monate später spricht sie fast fließend die fremde Sprache und ihr Blick auf Europa hat sich verändert. „Europa ist sehr weltfreundlich“, sagt sie, „hier ist es den Menschen bewusst, was in der Welt passiert“. Die Amerikaner seien viel mehr mit sich selbst beschäftigt. Und dann hat sie noch einen Unterschied entdeckt: „Hier wird so viel Schwein gegessen“. Auch dass sei sie aus Minneapolis nicht gewohnt. „Wir essen Rind oder Hühnchen“, sagt sie. Und Marshmallows - und das sehr zur Freude von Carlotta Foerster, die ein neues Rezept gelernt hat.

Vor einem Jahr entschied sich die Schülerin aus Dorfitter gemeinsam mit ihren Eltern dafür, zur Gastfamilie zur werden. Über die deutsche Organisation „Youth for understanding“ (YFU) knüpften sie Kontakte zu Emma Young. „Wir konnten die Nationalität wählen und entscheiden, ob wir einen Jungen oder ein Mädchen aufnehmen würden“, erinnert sich Carlotta Foerster. Die Wahl fiel auf die 16-Jährige aus dem US-Bundesstaat Minnesota, die mit einem Stipendium nach Deutschland kam. „Wir können Zuhause alle Englisch, also dachten wir, das wäre das Einfachste“, sagt Carlotta. Und tatsächlich sprach die Familie mit ihrer neuen Austauschschülerin vor allem in deren Heimatsprache.

Aber Emma lernte schnell - nicht nur die Sprache und die Überwindung der üblichen Klischees. „Ich habe mich im vergangenen Jahr verändert“, sagt sie. Ohne Eltern und Geschwister im Rücken habe sie gelernt, selbst Entscheidungen zu treffen. „Ich bin erwachsener geworden“, sagt sie, „und ich habe gelernt, andere Menschen so zu tolerieren, wie sie sind“.

Voneinander gelernt

Nicht jeder habe den gleichen Weg, Dinge zu tun - anderen Kulturen, andere Sitten. Das merkten die Mädchen häufig in kleinen Dingen des Alltags. „Emma geht zum Beispiel das Kochen ganz anders an“, sagt Carlotta Foerster, „sie schneidet Möhren ganz anderen“. Außerdem brachte sie den deutschen Gasteltern bei, warum Marshmallows besonders gut schmecken, wenn sie über dem Feuer gebraten und mit Schokolade und Keksen gegessen werden.

Für die junge Amerikanerin war vor allem der enge Zusammenhalt der Familie, samt Cousins und Tanten überraschend. „Ich bin Einzelkind und diese großen Familientreffen sind uns Amerikanern auch nicht so vertraut“, erklärt sie. Gemeinsam bereisten Carlotta und Emma Europa, besuchten Verwandten an der See und in Österreich, in Köln, Berlin und Rumänien. Während der Schulzeit ging Emma mit in Carlottas Klasse. „Wir waren praktisch immer zusammen“, sagt die junge Frau aus Dorfitter und Emme Young ergänzt: „Jetzt sind wir Schwestern.“

Auch Carlotta hat sich verändert: „Es ist, als wüsste ich erst jetzt, dass die Welt rund ist“, sagt sie, „es gibt noch so viel, zu entdecken“. Beide können es gar nicht erwarte, die Welt zu bereisen, am liebsten alle Kulturen kennen zu lernen. Im August reist Emma Young wieder nach Hause, dann ist das Austauschjahr vorbei. Aber irgendwann wollen die beiden sich wieder sehen - irgendwo auf der Welt.

Gastfamilien

Die deutsche Austauschorganisation „Youth for understanding“ (YFU) sucht auch in Waldeck-Frankenberg Gastfamilien. Besondere Voraussetzungen gibt es nicht. Sowohl Gastschüler als auch Gasteltern werden von der Organisation ausführlich auf das Austauschjahr vorbereitet und dann begleitet. Weitere Informationen dazu gibt Anneke Heine aus Goddelsheim unter Telefon 05636/692 oder YFU unter Telefon 040/227002-0 oder per Mail an info@yfu.de. Infos gibt es auch im Internet www.yfu.de/gastfamilie. (resa)

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