Regierungspräsidenten, Landräte und Bürgermeister beleuchten Thema „Windkraft und Tourismus“

„Gipfeltreffen“ im Land der 1000 Berge

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Um Windkraft und Tourismus ging es gestern beim „Gipfeltreffen“ in Willingen. Unser Bild zeigt von links nach rechts die Bürgermeister Werner Eickler (Winterberg), Wolfgang Fischer (Olsberg), Klaus Hülsenbeck (Marsberg), Dr. Christof Bartsch (Brilon), die Landräte Dr. Reinhard Kubat (Landkreis Waldeck-Frankenberg) und Dr. Karl Schneider (Hochsauerlandkreis), Bürgermeister Thomas Trachte (Willingen), die Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke (Kassel) und Dr. Gerd Bollermann (Arnsberg), Tourismu

Willingen - „Gipfeltreffen“ in Willingen: Die Bürgermeister von sieben Kommunen im hessisch-westfälischen Grenzgebiet fordern, das Themas Tourismus bei der Ausweisung von Windvorrangzonen im Bereich Hochsauerland/Upland/Naturpark Diemelsee stärker zu berücksichtigen.

Freitag saßen sie im Willinger Rathaus alle an einem Tisch, um im Gespräch mit den Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke (Kassel) und Dr. Gerd Bollermann (Arnsberg) sowie den Landräten Dr. Reinhard Kubat (Waldeck-Frankenberg) und Dr. Karl Schneider (Hochsauerlandkreis) das Thema „Windkraft und Tourismus“ zu beleuchten und nach Lösungsansätzen zu suchen.

Gastgeber Thomas Trachte (Willingen) machte sich in der Diskussion dafür stark, für die Region auf der Ebene der Regionalplanung ein touristisches Kerngebiet zu definieren, in dem der Tourismus als Tabukriterium für die Ausweisung von Windvorrangzonen festgelegt wird. Er sieht in den augenblicklichen Planungen eine erhebliche Gefahr für die Qualität der Region als Tourismusstandort. Er befürchtet zudem für die Zukunft gravierende Wettbewerbsnachteile gegenüber windkraftfreien Regionen in Europa.

Die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen sollten seiner Ansicht nach ein dringendes Interesse daran haben, den Tourismusschwerpunkt nicht durch die Ausweisung von Windvorrangzonen in dieser Region zu gefährden. „Es muss ein vorrangiges Ziel der Raumordnung sein, diese im Hinblick auf die touristische Infrastruktur und aufgrund des einmaligen Naturraums sehr wertvolle Region als Erholungsraum in ihrem Bestand zu sichern“, betonte der Upländer Verwaltungschef. Der Tourismus sei der entscheidende Wirtschaftsfaktor und damit Lebensgrundlage für viele hier wohnende Menschen.

Ein Sonderstatus der Region als touristisches Kerngebiet ist aus Trachtes Sicht mit der „nachgewiesenen und sicher auch einmalig hohen Fremdenverkehrsintensität in der Region zu rechtfertigen“. Er zog in diesem Zusammenhang den Sonderstatus hochwertiger Naturschutzgebiete zum Vergleich heran, also zum Beispiel des Nationalparks Kellerwald, wo Naturschutzaspekte als Tabukriterien für Windkraft gelten. „Genauso ist auch der verstärkte Schutz von besonderen wirtschaftlichen Strukturen - also hier der herausragenden Tourismuskonzentration - angemessen und notwendig, bei denen erhebliche Konfliktpotentiale zur Entwicklung der Windkraft bestehen“, erklärte das Upländer Gemeindeoberhaupt.

Trachte und seine Kollegen Volker Becker (Diemelsee), Thomas Grosche (Medebach), Wolfgang Fischer (Olsberg), Werner Eickler (Winterberg), Dr. Christof Bartsch (Brilon) und Klaus Hülsenbeck (Marsberg) sowie die beiden Landräte waren sich einig, dass der Tourismus bei der Ausweisung der Windvorrangzonen stärker gewichtet werden müsse.

Die Regierungspräsidenten verdeutlichten im anschließenden Pressegespräch die Bedeutung einer engen grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Es sei wichtig, dass Eingriffe in die Landschaft nur mit den Menschen und nicht gegen sie erfolgen sollten, betonte Dr. Walter Lübcke. Es komme darauf an, im Diskussionsprozess einen Abgleich der verschiedenen Interessen vorzunehmen, meinte sein westfälische Kollege.

Die am Willinger „Gipfeltreffen“ beteiligten Bürgermeister wollen im Rahmen des Anhörungsverfahrens in einer gemeinsamen Stellungnahme auf die besondere Bedeutung des Tourismus eingehen.

Hintergrund

Das Gebiet Hochsauerland/Upland/Naturpark Diemelsee stellt im bundesweiten Vergleich einen bedeutsamen Tourismusschwerpunkt dar. Bürgermeister Thomas Trachte weist darauf hin, dass hier auf relativ kleinem Raum jährlich rund vier Millionen Übernachtungen verzeichnet werden. Die grenzübergreifende Region zeichnet sich insbesondere durch ihre Angebote im Bereich des naturnahen Erholungstourismus aus. Angesprochen werden Kurgäste, Gesundheits-, Aktiv- und Sporturlauber, Erholungssuchende und Familien. „Dafür ist neben der hochentwickelten öffentlichen und privaten Infrastruktur ein attraktives, ruhiges und geschontes Landschaftsbild unbedingt erforderlich“, so Thomas Trachte. Die Urlaubsregion sei zur Sicherstellung ihres wirtschaftlichen Bestands auf eine ursprüngliche und natürliche Landschaft angewiesen. „Aufgrund der aktuellen Planungen in den jeweiligen Regionalplänen soll nun in Zukunft genau in dieser sensiblen Region eine sehr große Anzahl von Windrädern gebaut werden.“ Daraus ergebe sich eine starke Inanspruchnahme des Landschaftsbilds und des Naturraums für die technischen Produktionsanlagen. „Der Eingriff wäre so schwerwiegend, dass Landschaft und Natur als Erholungsraum völlig entwertet würden“, befürchtet der Upländer Bürgermeister.

Von Ulrike Schiefner

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