Das Korbacher Ensemble b-moll gastiert bei der Offenen Bühne in der Vöhler Synagoge

Gitarrenmusik, die lange nachklingt

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Die Musiker des Korbacher Ensembles b-moll begeisterte 130 Zuhörer bei der „Offenen Bühne“ in der Vöhler Synagoge.

Vöhl - Große Stimmen, zarte Klänge und ungewöhnliche Gitarrenmelodien präsentierten die Musiker des Korbacher Ensembles ­b-moll in der Vöhler Synagoge.

Einen Rekordbesuch mit 130 Zuhörern verzeichnete die Vöhler Synagoge beim zehnten Konzert in der Reihe „Offene Bühne“ beim Auftritt des Korbacher Ensembles b-moll mit bis zu zwölf Gitarren. Zusätzliche Instrumente wie Flöte, Gambe, Oktavgitarre oder Xylophon erweiterten das Klangspektrum. Mit Dr. Marc Müllenhoff vom Marburger Oktett hatte der von Gerald Berberich geleitete Gitarrenchor zudem einen profilierten Vokalisten mit an Bord, der mit seinem hellen Tenor bei „Now ist the month of maying“ und den zahlreichen Falalalas schon einmal Frühlingsatmosphäre anklingen ließ.

Die Gesangseinlage erwies sich als Höhepunkt des Renaissanceblocks, der mit Enrique Valdebarranos „Sonteo“ begonnen hatte. Bevor diese Epoche mit John Dowlands „Allemande“ ausklang, demonstrierten Gerald Berberich und sein Schüler, wie das in einem anderen Werk vom Komponisten geforderte Spiel zu vier Händen funktionieren sollte. Henry Purcells, auf die Gitarrenverhältnisse übertragenes, „Trumpet Tune“ eröffnete das Zeitalter des Barock, drei Bach-Transkriptionen boten erstmals Gelegenheit, das Klangspektrum zu erweitern, denn bei „Nun ruhen alle Wälder“ kam eine Gambe zum Einsatz. Die Oktavgitarre verlieh dem Arrangement von „Schmücke dich, o liebe Seele“ hellen Glanz. Mit der Minimal-Music-Komposition „Ikarus“ folgte ein stilistisch scharfer Kontrast. Das Motiv wurde zunächst durchlaufend von links nach rechts angespielt, dann wiederholt, durch Phasenverschiebungen und unterschiedliche Metren entstand eine lebhaft pulsierende Klangwoge, die auf einen Kulminationspunkt zustrebte, den Christine Berberich mit dem Xylophon markierte. Die von ihr geführten Schlägel hatten auch beim Verebben das letzte Wort.

Mit einem Querflötensolo setzte sie auch in der von Dr. Marc Müllenhoff angestimmten schottischen Ballade „The water is wide“ einen wohlklingenden Akzent und ließ die in Freiheit schwebende Schwalbe in „Donna Donna“ hörbar werden. Das im Warschauer Getto entstandene Lied, das den Transport in die Todeslager symbolisch umschrieb, war gewissermaßen der Tribut an den Genius Loci; zur jüngeren Geschichte der Vöhler Synagoge passten auch die beiden Ausflüge ins Jazz-Genre. Insbesondere „Miss fit“ von Pieter van der Staak, mit dem bezeichnenden Wortspiel im Titel, verblüffte mit der Konfrontation von Bossa Nova und Blue Notes. Harmonisch und frühminimalistisch ging es bei Erik Saties populärer Gymnopedie Numero eins zu. Mit den vom bizarren Humor des Komponisten geprägten Interpretationshinweisen („Wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen“) hatte Gerald Berberich zuvor die Atmosphäre ein wenig aufgelockert. Barocke Tanzwendungen und schräge Blue Notes gingen in Dieter Kreidlers „Swing meets Barock“ zum Abschluss eine ungewöhnliche, aber wohlklingende Synthese miteinander ein. Als Zugabe spielten die zwölf Musiker „Half Penny Bridge“ von Walter Barbarino.

„Eintritt frei - Spenden erbeten“, heißt es wieder am 6. April, wenn der Kammerchor Nova Antiqua der jüdischen Gemeinde Wuppertal in der Reihe „Offene Bühne“ in der Vöhler Synagoge gastiert. Auf dem Programm stehen dann sakrale Musik mit Texten aus der Thora, moderne Interpretationen israelischen Liedguts, sowie beliebte Titel in Jiddisch, „mit Herz und Seele arrangiert und mit Engagement einstudiert.“

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