Kleinkunst-Kollektiv „Federwerk“ begeistert in St. Marien Korbach

Zum Glück federleicht in die Tiefe

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Korbach - Was ist Zeit und wie funktioniert Erinnerung? Was ist das perfekte Glück, wo findet man Geduld und wie lässt sich die innere Stimme beherrschen? Auf die Suche nach Antworten auf diese wichtigen Fragen machte sich am Freitagabend das Kleinkunst-Kollektiv „Federwerk“ – zum 100-jährigen Bestehen von St. Marien trat das Ensemble im Gemeindesaal der katholischen Kirche auf – hinreißend erfrischend.

Mal ernst, meist aber mit viel Humor, machen die vier jungen Künstler sich mit Geschichten, Klaviermusik, mit Tanz und Puppenspiel, mit Gedichten, Märchenparodien und Liedern daran, dem Geheimnis des Glücks, der Zeit und des Augenblicks näher zu kommen, forschen dabei auch nach Geduld und Pech und Humor – mal federleicht, mal tiefernst, aber immer ideenreich. Stilistisch liegen ihre Texte zwischen Ringelnatz und Poetry Slam, voller Sprachwitz und Lust am Fabulieren, mit lebendigen Gedankenspielen und Sinn für überraschende Wendungen und Skurrilitäten. Mit kurzen Alltagszenen im Wartesaal von Ämtern und Bahnhöfen schaffen sie Pausen zwischen den Themen.

Manche Geschichten, etwa die vom Strumpf, der sich (unglücklich) in die Waschmaschine verliebt und das nicht überlebt, gehen sie aus zig verschiedenen Perspektiven an, mal stotternd, mal schnödrig, mal mit Dialekt – und obwohl es sich um ein und dasselbe Thema handelt, bekommt es durch die unterschiedliche Darbietungen doch immer eine neue Fasson. Witzig auch die Geschichte vom alten Georg, dessen Tage immer gleich ablaufen, was für ihn durchaus ein bescheidenes Glück birgt. Aber es bringt ihm und den Menschen um ihn herum noch viel mehr Glück, als eines Tages das Schema durcheinandergewirbelt wird und sich die alte Welt auf einmal neu zeigt.

Zum Kleinkunst-Kollektiv „Federwerk“ gehören Yannik Scheurer (Korbach), Katharina Merz, Marcel Kurzidim und Ricarda Schlenk – allesamt Studenten der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim. Mit ihrem Programm bringen sie frischen Wind in die Gedankenwelt rund ums Glück, treiben die Zuschauer, gemäß ihres Namens „Federwerk“, tatenlustig und schwungvoll zu neuem Denken an – im Uhrzeigersinn. Und was ist nun das perfekte Glück? „Wenn Ihr nach dem perfekten Glück sucht, kann Euch nur der Humor helfen.“

Am Sonntag, 7. Juni, beginnt ein Gemeindefest um 12 Uhr rund um St. Marien in Korbach - eingeladen sind alle, die sich mit der Kirche verbunden fühlen. (md)

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