Korbacher Post und Postbankcenter zwei Tage dicht

Grippewelle legt Postfiliale lahm

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Korbach - Ungläubiges Staunen und Frust bei Kunden: Die Poststelle in Korbach war Mittwoch geschlossen - wegen Krankheit.

Die Grippewelle scheint bei der Post in Korbach noch lange nicht abgeebbt. Im Februar warteten Bewohner in etlichen Korbacher Zustellbezirken teils über eine Woche auf wichtige Briefe. Alexander Böhm, Sprecher der Deutschen Post (Frankfurt), machte einen extrem hohen Krankenstand dafür verantwortlich. Denn „normalerweise haben wir genügend Vertreterpotenzial“, argumentierte Böhm.

Derweil ließ die Post nur wenige Tage später Werbezettel in den Korbacher Briefkästen verteilen: Dringend Briefzusteller gesucht. Somit scheint die Personaldecke doch nicht ausreichend zu sein, um den laufenden Betrieb trotz Krankheit zu stemmen. Und schon Ende 2012 war wiederholt deutlich geworden, dass die Briefzusteller ihr Pensum mitunter nicht schaffen können, wie ein Zusteller bei einer Korbacher Familie einräumte: Im Zweifel müssten Briefe einen Tag länger warten, während Päckchen und Pakete den Vorrang erhielten.

Zeitweise am Dienstag und komplett am Mittwoch warteten die Kunden auch vorm gelben Haus in der Korbacher Poststraße vergeblich: „Wegen Krankheit geschlossen“, prangten Zettel an der Eingangstür. Alternativ verwies die Postfiliale auf den Edeka-Markt (Neukauf) in der Strother Straße.

Dort tummelten sich gestern die Kunden am Schalter - und etliche machten ihren Ärger über die Post deutlich. Ohnehin stehen Kunden in der Filiale an der Poststraße mitunter Schlange bis vor die Tür. Denn faktisch ist dies nur noch ein Postbankcenter, und die Postbank AG ist seit 2010 eine Tochter der Deutschen Bank. Den Brief- und Paketservice am Schalter betreibt die Filiale in Korbach als Dienstleister für die Deutsche Post. Während also Bankkunden vor laufendem Publikum ihre Kontogeschäfte erledigen, bilden sich dahinter immer wieder lange Schlangen.

Ab heute wieder geöffnet

Die Ursachen für verspätete Briefzustellung oder extreme Wartezeiten vor den Schaltern liegen dabei offenbar nicht an den Mitarbeitern, sondern am System. Denn Grippewellen müssen in Deutschland auch andere Unternehmen unter tagesaktuellem Druck überstehen. Schon Ende Oktober 2012 räumte die Post beispielsweise in Hamburg eine „angespannte Situation“ ein. Zwölf Prozent der Briefträger waren offenbar krank - und von Grippewelle war noch keine Rede. „Aufgrund der völlig unzureichenden Personaldecke hat dies katastrophale Auswirkungen auf die Qualität der Zustellung“, beklagte ein Sprecher der Gewerkschaft DPVKom gegenüber der Zeitung „Die Welt“ im Herbst 2012 eine viel zu dünne Personaldecke.

Somit scheint beim gelben Quasi-Monopolisten ein Personalproblem nicht nur im Briefdienst zu bestehen - sondern auch im Management.

Zu dünne Personaldecke lässt Postbank-Sprecher Rüdiger Grimmert (Bonn) für die Postbankcenter indes nicht gelten: „Grundsätzlich liegt es nicht an der Personalausstattung.“ Der Krankenstand sei extrem, und wegen des erforderlichen Vier-Augen-Prinzips bei Bankgeschäften habe die Filiale geschlossen werden müssen. Ursachen sieht Grimmert dabei auch im starken Publikumsverkehr der Postbankcenter: erhöhte Ansteckungsgefahr bei Grippewellen.

Von insgesamt fünf Mitarbeitern in Korbach sind drei krank, einer im Urlaub und nur einer verfügbar. Durch Ersatz aus einer anderen Filiale soll heute das Postbankcenter regulär bis 18 Uhr geöffnet sein, am Freitag bis 13.30 Uhr, am Samstag regulär bis 12.30 Uhr.

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