Ausverkauftes Haus bei der zweiten Auflage von „Lesenswert – Hörenswert“

Großer Held und kleiner Prinz

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- Korbach (resa). Lachen, weinen und denken: Wenn die Korbacher aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen, dann erleben die Besucher ein Wechselbad der Gefühle. Auch die zweite Auflage der Lesebändchen-Aktion begeisterte durch Vielseitigkeit.

Ein Lieblingsbuch sagt zuweilen viel über einen Menschen aus. Und deswegen freuen sich die Besucher der Lesebändchen-Aktion „Lesenswert – Hörenswert“ nicht nur auf eine schöne Lektüre, sondern auch auf die persönlichen Geschichten der Vorleser. Wie schon Anfang Januar blieb auch am Mittwochabend kein Platz frei: Viele Leseratten dürsteten nach guten Lesetipps und schönen Vorlesestunden. Die zweite Auflage der Miniserie des Fördervereins eröffnete Martin Dörflinger. Im Gepäck hatte der Kommunalpolitiker Antoine de Saint-Exupérys „Nachtflug“. Es war eine dramatische Reise über den Wolken, auf die Dörflinger seine Leser mitnahm. Die Pionierzeit der Postflieger in Südamerika wurde vor den Augen der Besucher lebendig. „Vor 30 Jahren habe ich bei einer Konfirmandenfreizeit mit dem Kleinen Prinzen angefangen, seitdem habe ich wohl jedes Exupéry-Buch gelesen“, erzählte Dörflinger.

Keinen Klassiker, sondern einen Geheimtipp stellte Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen den Zuhörern vor. „Die Einsamkeit des Thomas Cave“ nimmt den Leser mit in eine Welt voller Kälte und Eis. Es ist die Geschichte vom Walfänger Thomas Cave, der im arktischen Eis die Welt in den Blick nimmt und zu der Erkenntnis gelangt: „Das ist ein Ort, den Gott nicht für uns Menschen gemacht hat.“ Die Schönheit und Verletzlichkeit, der polare Mythos fasziniere ihn, erzählte Völcker-Janssen. Spannend und anrührend seien Geschichten wie die von Thomas Cave – und voller Wahrheit.

Heinz Gerdes, Geschäftsführer im Korbacher Krankenhaus, ruderte aus der Welt der Abenteurer zurück und lud die Zuhörer in den Alltag ein: Mit Anselm Grün dachte er über den Wert der Freundschaft nach und mit Gabor Steingart über „Das Ende der Normalität“.Heiter wurde es mit WLZ-Chefredakteur Jörg Kleine. Mit Jens Weilers „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ erlaubte er den Zuhörern auch einen Einblick in seine eigene italienische Verwandtschaft und manch einen rasanten Italienbesuch. „Das schöne an Klischees ist“, sagte Kleine, „sie stimmen meistens“. Und dann erzählt er die humorvolle, aber nicht weniger wahre Geschichte des jungen Bräutigams, der auf die italienische Familie seiner Verlobten trifft.

Humorvoll, wenn auch auf eine stillere Weise, war die Geschichte von Anton Tschechow, die Autor Martin Lenz erzählte. Erst leise und zuweilen dunkel, dann überraschend heiter erzählte Lenz die Kurzgeschichte eines Mannes, der in seiner Wohnung einen Sarg findet.Mit einem Klassiker setzte Pfarrer Gisbert Wisse einen schönen Schlusspunkt: Er hatte sich für Exupérys „Kleinen Prinzen“ entschieden. Oft gehört und doch anrührend und treffend, befand das Publikum und freute sich über die Begegnung des Prinzen mit dem Fuchs.

Am 12. März lesen um 19.30 Uhr Irmgard Geck, Ingo Happel-Emrich, Thomas Korte, Reinhard Kubat, Irene Pilger, Natalja Schens und Olaf Schreiber.

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