TSV Meineringhausen feiert mit Kommersabend sein 100-jähriges Bestehen

Gründer würden Verein nicht erkennen

Zahlreiche verdiente Mitglieder wurden beim Kommersabend für ihren Einsatz im Sportverein ausgezeichnet.Fotos: Schmidt

Meineringhausen - Musik , Geschenke, Klamauk, Applaus und viele freundliche Worte. Wenn der Turn- und Sportverein Meineringhausen Gefühle zeigen könnte, dann wäre er vermutlich am Samstagabend sehr gerührt gewesen, weil ihm viele Menschen beim Kommersabend zu seinem 100. Gründungstag gratuliert haben.

Klar, schießt der ein oder andere Redner bei solch einer Jubiläumsfeier auch mal übers Ziel hinaus, lobt und preist den Jahrhundertverein an Stellen, wo es momentan nichts zu loben und zu preisen gibt, aber insgesamt strömten viele ehrliche Worte vom Rednerpult zu den Zuhörern in der voll besetzten Walmehalle.

Höhen und Tiefen erlebt

Jeder hatte eigentlich die gleiche Botschaft dabei, verbal immer nur etwas anders verpackt. Sie lautete: TSV, du bist wichtig für die Dorfbevölkerung, für die Gesellschaft allgemein, du hast schon viele Höhen und Tiefen er- und überlebt, hoffentlich halten dir die Menschen auch in Zukunft weiterhin die Treue - schön, dass es dich gibt.

Die Gitarrengruppe „Vielsaitig“ eröffnete die Feier in der Walmehalle mit einem Lied, dessen Text das Leben in einem Verein gut wiedergibt: Jeder Mensch ist einzigartig und dennoch ist er ein Teil vom Ganzen. Und wenn sich das Ganze verändert, darf der Verein die Zeichen der Zeit nicht übersehen. Auch die Lust auf Bewegung wandelt sich. Die TSV-Gründerväter um den Lehrer Friedrich Krummel hatten sich anfangs nur dem Turnen verschrieben, etwas später kam die Leichtathletik hinzu, nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Fußball das Kommando, drängte die anderen Sportarten fast schon in die Ecke der Bedeutungslosigkeit. Droht dieses Schicksal eines Tages auch dem Fußball?

„Die Vereinsgründer würden ihren Verein heute gar nicht mehr wiedererkennen“, sagte der TSV-Vorsitzende Gerd Rinninsland in seiner Begrüßungsrede. Nicht nur wegen der Sportarten, sondern auch wegen einer flacheren Hierarchie und dass Befehl und Gehorsam nicht mehr gilt. Außerdem hat sich der Verein ein neues Wappen zum Hundertsten zugelegt.

Der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich wies auf die Schwierigkeit hin, dass es ein Verein immer wieder schaffen müsse, gleichzeitig Jung und Alt zu begeistern. Der Rathauschef drehte die Sichtweise auf das Ehrenamt einmal um - raus aus der Opferhaltung. „Ehrenamt ist nicht die Aufgabe von Freizeit, sondern auch die Fähigkeit, seine Freizeit selbstbestimmt zu gestalten.“ Rinninsland lobte die Stadt Korbach, denn sie habe immer ein offenes Ohr für den TSV und dass sie die Hallen noch umsonst zu Verfügung stelle, sei für die Vereine Gold wert.

Edelmetall für eine besondere Auszeichnung hatte der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf für den 100-jährigen Jubilar mitgebracht. Er überreichte Rinninsland die silberne Ehrenplakette des Landes Hessen und wies darauf hin, dass „die Bedürfnisse der Menschen künftig immer individueller werden und die Vereine gut daran tun, wenn sich darauf einstellen“.

Die Glückwünsche aller örtlichen Vereine an den TSV überbrachte Ortsvorsteher Peter Graß und den größten Beifall des Abends erhielt Pfarrer und Jugendtrainer Jörg Wagner für seine poetische Idee, die Vereinsgeschichte im Schnelldurchlauf in Reimen vorzutragen. Mehr als nur ein Pausenfüller, aber trotzdem eine Lachnummer war das Schwalefelder Comedy-Duo Fidelio, das vor lauter Wortwitz-Ping-Pong gar nicht zum Geigenspiel kam.

Der Sportkreisvorsitzende Uwe Steuber lobte die gute Kinder- und Jugendmitgliederquote beim TSV von 20 Prozent. Beachtlich sei auch, dass mit rund 480 Mitgliedern etwa jeder zweite Meineringhäuser im Sportverein sei. Steuber wies auch darauf hin, dass der TSV sein Vereinsheim auch an Nichtmitglieder für Partys vermietet und dankte gleichzeitig der bisweilen durch den Lärm gestörten Nachbarschaft für ihre Toleranz. „In Meineringhausen kann und darf man noch feiern“, betonte der Sportkreisvorsitzende, „auch ich habe schon am Sonntagmorgen euer Sportlerheim geputzt“.

Steuber zeichnete anschließend Elvira Lernet und Karin Kannel mit der Verdienstnadel des Landessportbunds für ihre langjährige Arbeit als Übungsleiterinnen im Bereich Kinderturnen, Frauengymnastik aus.

Kinderturnen wichtig

Durch den Sport habe sich ein neues Lebensgefühl entwickelt und er möge immer im Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft stehen. Dies wünscht der Turngau Waldeck dem Hundertjährigen für die Zukunft. Dabei liegt der Vorsitzenden Marianne Becker „besonders das Kinderturnen am Herzen, denn hier lernt man laufen, springen, werfen - alles Dinge, die wir unser Leben lang brauchen“. Die Turngau-Vorsitzende ehrte Petra Weber mit der silbernen Ehrennadel des Hessischen Turnverbandes. Die Korbacherin leitet seit 27 Jahren die Frauengymnastikgruppe beim TSV.

Erst gegen Ende der Veranstaltung kam der Fußball ins Rollen. Er spielt allerdings die Hauptrolle in der Ausstellung, die im Nebenraum der Walmehalleaufgebaut wurde. Dort hingen eine Kopie der TSV-Gründungsurkunde, Fotos, Zeitungsberichte und auch Spielerpässe an Stellwänden, die den laufenden Veränderungsprozess in einem Verein ebenfalls dokumentieren.

Mit einem besonderen Geschenk überraschte der Vize-Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann die Kicker des Vereins: einem Ball. Und er versprach: „Dieser Ball heißt Torfabrik, mit dem trifft man automatisch.“ Klingt verlockend, bringt dem TSV leider nicht viel, solange das auch für den Gegner gilt.

60 Jahre im Verein

Henkelmann zeichnete zwei langjährige und erfolgreiche Jugendtrainer des TSV aus. Er überreichte Walter Bangert und Bernd Simshäuser den Ehrenbrief des Hessischen Fußballverbandes und die silberne Ehrennadel. Rinninsland ehrte zum Schluss des Kommersabends noch einige Mitglieder für ihre Vereinstreue, der treuste unter ihnen heißt Gert Köster, er ist schon 60 Jahre im TSV.

Und der Vereinschef, der mit Vorstand und Festausschuss viele Stunden für dieses Jubiläumsjahr gearbeitet hat, sollte am Ende auch nicht leer ausgehen: Er nahm einen Präsentkorb mit nach Hause. Der Mann muss bei Laune gehalten werden für weitere Aktionen, die anlässlich der Hundertjahrfeier 2013 noch organisiert werden wollen. Von Reinhard Schmidt

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