Korbach

Das gute Gedächtnis der Stadt

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- Korbach (wkl). Die Korbacher können stolz sein auf das Gedächtnis ihrer Stadt: Am Samstag feiern Stadt Korbach und Waldeckische Landeszeitung die Eröffnung des neuen Stadtarchivs mit Führungen und Informationen.

Als im Jahr 1890 der Gymnasiallehrer Albert Leiß die alten Archivalien auf dem Dachboden des Rathauses sichtete, fand er, wie er damals – offensichtlich ziemlich frustriert – notierte, eine große Zahl ungeordneter, verschmutzter und verstaubter Urkunden, Akten, Amts- und Rechnungsbücher. Das alles lag teils lose auf dem Boden verstreut, teils in Kisten. Dank der Arbeit von sechs ehrenamtlichen Stadtarchivaren und vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sind in den folgenden 120 Jahren die Archivalien der Stadt nach für nach geordnet, erschlossen und für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht worden.

Zwar verbesserten sich auch die räumlichen Bedingungen über die Jahre, sie blieben aber unzulänglich. Mit der Verlagerung des Stadtarchivs aus dem Keller des Bürgerhauses in die frühere Druckerei der Waldeckischen Landeszeitung, Eingang Oberstraße 8, haben die historisch wertvollen Dokumente­ erstmals eine angemessene Bleibe gefunden.Kriege, Brände und Mäusefraß waren es, die die Archivalien Korbachs im Verlaufe ihrer über 1000-jährigen Geschichte immer wieder bedrohten. Bemerkenswert ist, dass es stets Zeitgenossen gab, die bemüht waren, die historischen Dokumente der Nachwelt zu erhalten.

So wurden im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) auf Anordnung der Fürstlich Waldeckischen Regierung die „wichtigsten Papiere, Briefe und Siegel“ vom Rathaus auf die Burg Wal-deck in „Verwahrsam gebracht“, weil 1624 der berüchtigte General „Tilly mit seinen Reitern“ Korbach bedrohte. Vierzig Jahre später, nach dem großen Stadtbrand 1664, der auch das Rathaus weitgehend vernichtete, wurden die Archivalien in den Turm der Altstädter Kirche (Kilian) verlagert.Erhalten geblieben ist aus dieser Zeit ein „Inventarium über die im Stadt Archiv auff dem Altenstädter Thurm befindlichen Urkunden und Nachrichten“. Im 7-jährigen Krieg (1756 bis 1763), in dem die Kilianskirche als Lazarett genutzt wurde, kamen sie vermutlich wieder ins Rathaus zurück.

Manches ist verloren gegangen. Erstaunlich viel ist aber erhalten geblieben. Der über 1000 Jahre alte Tauschvertrag vom 15. Dezember 980, in dem der Ort Korbach („Curbecki“) erstmals erwähnt wird, hat die Zeit wohl deswegen überdauert, weil es sich um eine „Kaiserurkunde“ handelte. Die Urkunde befindet sich allerdings nicht in Korbach, sondern im Staatsarchiv Münster. Im kleinen Landgut Korbach dürfte es damals wohl noch keinerlei Verwaltung gegeben haben. Ebenfalls nicht in Korbach, sondern im Staatsarchiv Marburg wird die Urkunde aufbewahrt, in der Korbach vom Bischof zu Paderborn das Soester Stadtrecht verliehen wird (1188).

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