Fliesen, Edelstahl, Badewassertechnik: Zwischenstand in der Hallenbad-Debatte

Guten Rutsch - ab Herbst 2013

Blick auf die Edelstahlrutsche vom Saunahof: Vor Herbst 2013 werden sich Badegäste hier vermutlich nicht tummeln. Vereine, Schulen, Saunagruppen müssen vorerst draußen bleiben.

Korbach - Neue Gutachten bringen neue Erkenntnisse zum Korbacher Hallenbad. An der bitteren Prognose ändert sich nichts: Vor Herbst 2013 wird das teuer sanierte Hallenbad nicht wieder eröffnet.

Willingen, Bad Arolsen und Medebach dürfen sich weiterhin freuen über Badegäste aus Korbach. Denn im Konflikt um Fehler und Mängel am Bau bestimmen inzwischen Gutachter und Juristen die Stilart im Hallenbad. Rund zehn Millionen Euro haben Sanierung und Modernisierung gekostet, im März wurden Bad und Sauna neu eröffnet.

Doch seit Mitte April ist es wieder geschlossen. Keime in den Trinkwasserleitungen gaben dafür den Ausschlag – inzwischen beleuchten Gutachten fast jede Fliese und jedes Rohr.

Beweis sichern fürs Gericht

Die vom SPD-Stadtverordneten Ralph Backhaus Anfang November geäußerte Befürchtung erhielt im Finanzausschuss des Parlaments am Mittwochabend neue Gewissheit: Vor Herbst 2013 wird es vermutlich nichts mit einer Wiedereröffnung, erklärte Stefan Schaller. Er ist Geschäftsführer von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), die auch die Korbacher Bäder betreibt.

Nachgebohrt hatte zuletzt ebenso FDP-Sprecher Arno Wiegand mit detaillierten schriftlichen Fragen zum Hallenbad, die Schaller gestern beantwortete. Denn wie den scharrenden Badegästen ist auch vielen Parlamentariern schleierhaft, warum im Hallenbad nicht endlich die Mängel beseitigt werden.

Zumal das Bad ja durchaus attraktiv ist – und keine Bauruine. Ziel sei keineswegs, die Eröffnung des Hallenbads durch juristischen Streit jahrelang zu verzögern, betonte Schaller.

Doch ohne „Beweissicherung“ und amtliche Feststellung durch das Kasseler Landgericht seien die finanziellen Risiken für die Stadt Korbach zu hoch. Entscheidende Frage: Wer kommt für die Kosten auf, um Mängel und Fehler zu beheben? Nach den von EWF eingeholten Gutachten sind vor allem Generalplaner (Gotha) und ausführende Firmen dafür verantwortlich. So präsentierte Schaller gestern endgültige Ergebnisse der Gutachten zu Edelstahlbecken und Fliesen. Bei den Fliesen fehlen beispielsweise etliche Bodeneinläufe, damit das Wasser besser abläuft – von den Umkleiden bis zu den Toiletten.

Überdies stimmt das Gefälle des Fußbodens an manchen Ecken nicht. Fazit: Rund 100?000 Euro sind zur Nachbesserung fällig, schätzt der Gutachter. Ursache seien zu 45 Prozent falsche Planung, zu 55 Prozent die handwerkliche Ausführung, erklärte Schaller.

Wobei der Generalplaner auch die Handwerksarbeit zu kontrollieren habe. Parallel waren Gutachter etlichen Roststellen an den Edelstahlbecken auf der Spur. Die gute Nachricht: Der Stahl genügt offenbar der Norm für Hallenbäder – wenn auch „durchweg im unteren Bereich der Toleranz“, schränkte Schaller ein.

Neuer Stahl, altes Rohr

Beispielsweise sei in der Korbacher Edelstahlsorte vergleichsweise wenig Molybdän enthalten. Und gerade diese Metallbestandteile sorgten für einen Schutz gegen aggressives Chlor im Wasser. Die wahre Ursache für schnellen Rost an den Becken liegt aber offenbar viel tiefer, wie ein zusätzliches Gutachten ergeben hat: Das „Schwallwasser“ aus den Becken läuft in einen Tank im Keller, wird dort aufbereitet und kommt wieder ins Schwimmbassin. Doch just das eiserne Abflussrohr aus dem alten Hallenbad sei beim Umbau gar nicht ausgetauscht worden. „Einfach außen neuer Flansch drauf und gesagt: alles easy“, meinte Schaller mit bissiger Ironie: „Es wurde schlampig gearbeitet.“ Dann zeigte er Nahaufnahmen eines völlig verdreckten und verrosteten Rohrs. Und dadurch werde die Korrosion am Edelstahlbecken immer wieder neu angefacht. Das Rohr müsse also dringend ausgetauscht werden.

Fragen wirft ebenso eine Stellungnahme der Berufsgenossenschaft auf. Laut EWF ist die Temperatur im Hallenbad an manchen Stellen für Beschäftigte überheizt.

Zudem muss offenbar „Gefahrgut durch das Bad transportiert werden“, sagte Schaller. Kommentar des von EWF beauftragten Juristen: „Mit Schwefelsäure durch den Gästebereich ist nicht witzig.“

Über all diese Punkte sei mit dem Generalplaner aus Gotha indes keine Einigung zu erzielen. Er streite die Mängel ab oder weise die von EWF beauftragten Gutachten zurück. Das wichtigste und umfangreichste Kapitel zum Hallenbad steht derweil noch aus: Ende Januar soll das „Hygienegutachten“ folgen. Darin geht es um Badewassertechnik, Trinkwasser und Lüftungsanlagen.

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