Wegbegleiter und Schüler verabschieden Ruth Piro-Klein als Leiterin der Pflegeschule

„Guter Rat war nie teuer“

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Ausschulungstüte: Zum Abschied von Ruth Piro-Klein hatten Weggefährten viele Anekdoten und Geschenke im Gepäck – wie Stefan Paternoster, Wolfgang Kluß, Annette Boldt, Gerlinde Stremme und Uwe von Hagen.Fotos: Theresa Demski

Korbach - Ihr Gesicht ist zum Gesicht der Pflegeschule in Korbach geworden: Nach 30 Jahren als Leiterin der Einrichtung hat Ruth Piro-Klein sich gestern in den Ruhestand verabschiedet. Wegbegleiter und Schüler bereiteten ihr einen herzlichen Ausstand.

Ihre Bürotür war nie verschlossen. Nicht nur im übertragenen Sinne. Nicht als die Einrichtung noch Krankenpflegeschule hieß und auch nicht später im Bildungszentrum für Gesundheits- und Krankenpflege. Bei Ruth Piro-Klein waren die Schüler willkommen. 30 Jahre lang. Gestern verabschiedeten Wegbegleiter und gleich mehrere Schülergenerationen ihre Schulleiterin in den Ruhestand. „Guter Rat war bei dir nie teuer“, erinnerte Uwe von Hagen - heute OP-Koordinator im Krankenhaus, damals im ersten Schülerjahrgang von Ruth Piro-Klein. „Jede Klasse hat ihre Geschichte. Jede Klasse hat an dir und von dir gezehr(r)t“, befand von Hagen. Perfektion und die Liebe zum Detail habe ihren unermüdlichen Einsatz ausgemacht. Und davon hätten schließlich in den all Jahren fast 800 Schüler profitiert.

Die Jüngsten von ihnen hatten noch kurz vor der Feierstunde ihre Prüfungen absolviert. Und auch sie bescheinigten ihrer Schulleiterin, sich immer für sie eingesetzt zu haben. „Na kommt“, sagte eine gerührte Ruth Piro-Klein schließlich. Und dann nahm sie jeden einzelnen der jungen Gratulanten zum Abschied in den Arm.

„Sie sind hier docheine Institution“

Dass die Schule mit Ruth Piro-Klein eine engagierte Kämpferin verliert, stellte auch Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich fest: „Da geht heute wirklich eine Ära zuende. Sie sind eine Institution bei uns gewesen.“ Und bevor er Ruth Piro-Klein und den vielen Gästen versicherte, dass die Schule auch künftig unverzichtbar für die Stadt und das Krankenhaus bleibe, fügte er noch schnell hinzu: „Sie sind heute wieder ausgesprochen schick.“

Damals wie heute seien es vor allem Eloquenz und Redegewandtheit, die sie auszeichneten, stellte dann Wolfgang Kluß fest. Er hatte 1989 gerade die Betriebsleitung im Korbacher Krankenhaus übernommen, als sich die Leiterin der Pflegeschule bei ihm ansagte. „Am 18. August um 8 Uhr stand sie zum ersten Mal bei mir im Büro“, erzählte Kluß und blätterte in dem alten roten Kalender von 1989. „In den beiden Wochen darauf hatte sie wieder Termine bei mir“, ergänzte er dann. 18 Jahre arbeiteten Kluß und Ruth Piro-Klein zusammen. „Und in all der Zeit waren sie nicht nur Wissenvermittlerin für Ihre Schüler, sondern auch Beichtvater und Motivator“, erzählte Kluß und erinnerte auch an den gesundheitspolitischen Einsatz der Schulleiterin. Der verband sie auch mit Pflegedienstleiterin Gerlinde Stremme.

„Eine spannende und arbeitsreiche Zeit“

Für die Zeit nach dem Arbeitsleben hat Ruth Piro-Klein schon Pläne geschmiedet - eine Reise nach Amerika, für die „Vermieter“ Stefan Paternoster ein paar Dollar überreichte, und die Arbeit als Stadtführerin in Frankenberg. Für letztere schenkten die Kollegen, samt Nachfolger Matthias Funke, ihr historische Tracht und Wimpel.

Das letzte Wort hatte Ruth Piro-Klein selbst: „Das war spannend und arbeitsreich und unterm Strich eine gute Zeit“, resümierte sie. Drei Gesetze habe sie mit umsetzen müssen, viel Unterstützung erfahren und wertvolle Begegnungen gemacht. Dann überreichte sie feierlich ihre Kündigung, Parkausweis und Schlüssel - und eine alte Schwesternhaube an Gerlinde Stemme: „Die haben wir überwunden“, erklärte sie, „und die Krankenschwester auch. Gut gemacht.“

Von Theresa Demski

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