Deutschendorf betont verantwortungsbewusstes Handeln des Gesundheitsamts im Konsens mit EWF

Hallenbad: Jede Information mühsam erfragen

Korbach - „Das Gesundheitsamt hat nicht während der gesamten Zeit der Hallenbadöffnung von der Keimbelastung gewusst. Es musste sich jede Information erst mühsam durch häufiges Nachfragen verschaffen“, betont Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf (Grüne).

Damit antwortet Deutschendorf auf unseren Bericht vom 27. April („Hallenbad: Das ist Diffamierung“) zur Bäder-Debatte in Korbach. Ausgangspunkt war die Behauptung von Landrat Dr. Reinhard Kubat im Kreistag, der Projektleiter beim Hallenbadbau, Friedhelm Schmidt, „bzw. ein Mitarbeiter“ habe bereits am Tag der Eröffnung (9. März 2012) von der Keimbelastung im Trinkwasser telefonisch erfahren. In Wahrheit war jedoch nicht der Projektleiter, sondern ein Mitarbeiter des Planungsbüros aus Gotha informiert worden.

Zudem „war es denn auch Kubats Gesundheitsamt, das über Wochen von der Keimbelastung wusste (…)“, bevor das Bad wieder geschlossen wurde, berichteten wir am 27. April.

„Diese Aussage ist falsch und muss richtiggestellt werden“, unterstreicht derweil Deutschendorf. Das Gesundheitsamt habe verantwortungsbewusst, angemessen und mit Augenmaß gehandelt. Dies habe auch in der Korbacher Stadtverordnetensitzung im April der Gutachter Prof. Hans-Martin Seipp von der Technischen Hochschule Mittelhessen bestätigt.

Laut Gesundheitsamt habe am 5. März 2012 ein Vertreter des Generalplaners Meyer (Gotha) das Ergebnis der Wasseruntersuchungen durch das Umwelthygiene-Institut aus Marburg dem Gesundheitsamt mitgeteilt. Die Proben seien unbedenklich gewesen, allerdings habe eine Untersuchung auf den Keim Pseudomonas aeruginosa gefehlt. Die Vorlage eines entsprechenden Befundes sei vom Gesundheitsamt sofort angefordert worden.

Eine erneute Wasserprobe sei dann am 7. März entnommen und die Ergebnisse am 12. März dem Betreiber (EWF) schriftlich mitgeteilt worden. Schon am 9. März war das Hallenbad aber bereits eröffnet worden - „ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes“, erklärt Deutschendorf. Das Gesundheitsamt habe erst aus der Zeitung von der Eröffnung erfahren.

„Mehrfache Mahnung“

„Das Gesundheitsamt musste zunächst davon ausgehen, dass alles in Ordnung sei und ihm der Befund der Analyse schnellstmöglich vorgelegt wird“, sagt der Gesundheitsdezernent: „Eine Schließung des gerade erst für die Allgemeinheit freigegebenen Bades wäre in der Öffentlichkeit damals als bürokratischer Akt aufgefasst worden.“

Erst nach mehrfacher Mahnung habe das Gesundheitsamt dann am 26. März vom Beauftragten des Generalplaners (Gotha) die Ergebnisse der am 7. März gezogenen Proben erhalten. Diese wiesen eine erhöhte Pseudomonas-Belastung auf, was in neuen Anlagen häufig der Fall sei. Eine sofortige Schließung sei aufgrund der bereits erfolgten Maßnahmen nicht erforderlich gewesen, aber das Gesundheitsamt habe weitergehende Hygienemaßnahmen in Absprache mit dem Generalplaner veranlasst und sich detailliert über deren Umsetzung informieren lassen, erläutert Deutschendorf.

Als trotz aller Bemühungen die Keimbelastung im Trinkwasser nicht ausreichend reduziert werden konnte, habe das Gesundheitsamt den Badbetreiber Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) um Abstimmung über das weitere Vorgehen gebeten, schildert Deutschendorf. In diesem Gespräch sei vereinbart worden, das Leitungsnetz mit Desinfektionsmittel in hoher Konzentration zu spülen. Um dabei Gefahr für Besucher auszuschließen, habe das Gesundheitsamt im Konsens mit EWF entschieden, das Hallenbad zu schließen.

Zur redaktionellen Erläuterung: Die Kritik im WLZ-Bericht vom 27. April richtete sich nicht gegen das Gesundheitsamt, sondern gegen eine öffentliche Behauptung des Landrats als Chef der Kreisverwaltung. Denn sowohl Badbetreiber EWF, an dem der Landkreis federführend beteiligt ist, als auch das Gesundheitsamt als Kreisbehörde hätten es über ein Jahr später besser wissen können: Nicht Projektleiter Friedhelm Schmidt „bzw. ein Mitarbeiter“, sondern ein Mitarbeiter des Generalplaners war am Eröffnungstag, 9. März 2012, über die Keimbelastung informiert worden.

Über den 9. März als bevorstehenden Eröffnungstermin des millionenschwer sanierten Hallenbads hatte die WLZ im Übrigen bereits am 31. Januar berichtet - und nicht erst nach der Eröffnung. (r/jk)

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