Mädchen versuchen sich am Girls‘ Day als Malerin, Tischlerin und Goldschmiedin

Handwerkerinnen gesucht

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Lena mischt Farbe, Antonia zeigt das Ergebnis der Werkmaschine und Anna sägt Kupfer (v. l.): Am Girls‘ Day testen Mädchen vermeintliche Männerberufe.Fotos: Figge

Korbach - Mädchen haben sich beim Girls‘ Day in „Männerberufen“ ausprobiert. Im Berufsbildungszentrum boten sich ihnen praktische Arbeiten - die Teilnehmerzahl zeigt indes die Nachwuchsprobleme im Handwerk.

Für einen Tag Malerin, Tischlerin oder Goldschmiedin: Im Berufsbildungszentrum (BBZ) haben Mädchen beim Girls‘ Day in Berufe reingeschnuppert, die einst als Männerdomänen galten. Dass dem nicht mehr so ist, bestätigen die Ausbilder: „Es gibt immer mehr Frauen im Malerhandwerk“, erklärt Martin Gödecke und verweist auf Kreativität und Feingefühl als Kernfähigkeiten. Bei den Goldschmieden halten sich Frauen und Männer die Waage, berichtet Anton Zahradnik.

Interesse an den Lehrberufen zu wecken, daran ist die Kreishandwerkerschaft mehr denn je interessiert, berichtet Hans-Peter Marks von der „Ausbildungsoffensive“. Während das Angebot 2010 noch 54 Mädchen lockte, sank die Teilnehmerzahl stetig. Gestern „entdeckten“ acht Schülerinnen die Werkstätten in Korbach. „Das Handwerk hat ein Problem“, sagt Marks. Viele junge Menschen würden die Möglichkeiten verkennen, die eine Ausbildung ihnen biete: „Ein Handwerk gelernt zu haben, kann auch ein Meilenstein in einer akademischen Karriere sein.“ Die Angst, sich damit zu früh festzulegen, sei unbegründet. Anton Zahradnik stimmt zu: „Ein Designprofessor, der gelernter Metaller ist, baut keine leckende Kaffeekanne.“

Bereits eine Karriere im Handwerk erwogen haben wenige der 13- und 14-jährigen Mädchen im BBZ - ihre Motivation stammt meist aus Hobbys: „Wir haben in der Schule zurzeit keinen Kunstunterricht“, beklagt Kristina aus Brilon, während sie Farbe so verteilt, dass sich die Metallstückchen darin aufstellen und glänzen. Jenny und Antonia haben bei der Kaninchenhaltung schon Erfahrungen im Schreinern gesammelt. Als sie mit Ausbilder Thomas Schreiber ein Solitärspiel tischlern, kommt es auf Präzision an: Einem Holzstück verpassen sie den richtigen Schliff und bohren mit schwerem Gerät die benötigten Löcher; einen langen Holzstab zersägen sie in zahlreiche Spielsteine. Unerwarteter Teil des Handwerks ist für sie ein Gerät mit CNC (computerized numerical control): Sie vervollständigen am Computer eine Vorlage, die Maschine fräst ihnen ein Namensschild.

Die Goldschmiedinnen auf Probe sägen derweil konzentriert Anhänger aus Kupferplatten. Anna aus Immighausen ist gerade mit ihrem ersten Stück fertig geworden und zufrieden mit ihrem Werk und dem Girls‘ Day: „Es ist eine Gelegenheit zum Reinschnuppern und Schauen, was ich später so mache.“ Zumindest sie kann sich eine Handwerkskarriere vorstellen.

Von Wilhelm Figge

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