2013 feiert Korbach 825 Jahre Stadtrecht · Aussichten für Hansestadt-Antrag gut

Als „Hansestadt“ ins Jubiläumsjahr

WLZ-Fotomontage mit Blick in die Zukunft: Der amtliche Zusatztitel „Hansestadt“ ist greifbar nah.

Korbach - „Hansestadt Korbach“ – so soll die Kreisstadt künftig mit amtlichem Zusatztitel heißen. Die Chancen auf Zustimmung durch die hessische Landesregierung stehen gut.

Über den Wert des historischen Titels „Hansestadt“ lässt sich trefflich streiten. Eines aber ist gewiss: Schon der Antrag Korbachs, künftig die Zusatzbezeichnung als Hansestadt zu tragen, sorgte im Sommer 2012 bundesweit für Schlagzeilen.

Wohl auch deshalb, weil mitten in Deutschland niemand mit einer Hansestadt rechnet. Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock – diese Hansestädte sind vielen ein Begriff, schließlich prangt das „H“ schon auf dem Autokennzeichen. Dass auch Köln und Dortmund eine große Tradition als Hansestädte haben, wissen nur wenige.

Und die Geschichte Korbachs als Hansestadt ist schon innerhalb des Waldecker Landes vielen Menschen kaum bewusst. Wenn Wiesbaden also den Weg freigibt, Korbach mit dem Zusatztitel „Hansestadt“ zu schmücken, dann wird dies für ein werbendes Echo sorgen.

Die Geschichte begann mit einem Antrag der Korbacher CDU im Sommer – den das Parlament dann einstimmig auf den Weg brachte. Die Stadt bezieht sich dabei formal auf einen Passus in der Hessischen Gemeindeordnung. Danach darf der Innenminister Städten einen zusätzlichen Titel gewähren. Seit 1945 ist das bereits über 40mal erfolgt – ob „Dom- und Kaiserstadt“ Fritzlar oder „Documenta-Stadt“ Kassel. Bedingung: Die Zusatzbezeichnung muss inhaltlich belegbar sein.

Die Spur führt nach Köln

Die Hanse als Gilde vor allem deutscher Kaufleute hatte schon um 1250 eine starke Position an Nord- und Ostsee. Viele Städte an der Küste wurden ehedem als Stützpunkte der Kaufleute gegründet. Es ging um Privilegien und Schutz, und in der Hanse wirkten auch westfälische und rheinische Städte kräftig.

Mit damals rund 30 000 Einwohnern war Köln um 1200 die größte deutsche Stadt und hatte enge Handelsverflechtungen auch nach London. Aus der Kaufmanns-Hanse entwickelte sich im 14. Jahrhundert die Städte-Hanse.

Eine Konferenz 1356 in Lübeck gilt als erster deutscher Hansetag. Ob Korbacher Kaufleute damals schon unter dem Banner der Hanse reisten, wie Korbachs Geschichtsschreiber Wolfgang Medding (1900 bis 1968) annahm, bleibt bislang unbelegt. In jedem Fall wird Korbach aber 1469 in einer Hanse-Liste der Stadt Köln geführt.

Denn Korbach gehörte damals zum „Hanse-Drittel“ unter Ägide der Stadt Köln. 1494 wird Korbach abermals in einem Schreiben der Stadt Köln an die Hanse-Hauptstadt Lübeck erwähnt.

Es gibt überdies weitere Dokumente, die Korbach im Reigen der Hanse zeigen – etwa das Protokoll (Rezess) des Lübecker Hansetags von 1476. Darin zahlen Sendboten aus Reval, der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn, einen Gulden für Briefe an „die Herren von Korbach“. Somit bestanden auch Handelsbeziehungen von Korbach bis weit hinauf an die Ostsee.

Der Korbacher Stadtführer, Geschichtsfreund und CDU-Fraktionschef Heinz Merl hatte zuletzt die entsprechende Textpassage in den alten Rezessbüchern der Hanse ausfindig gemacht.

Dokumente der Hanse

In etlichen Arbeiten haben sich Historiker aber schon seit über 100 Jahren mit Korbach und der Hanse befasst.

Der Stadtarchivar und Korbacher Ehrenbürger Albert Leiß etwa verwies 1918 in einem Beitrag für die Waldeckische Landeszeitung auf Urkunden und Quellen, die Korbach als Mitglied der Hanse belegen. In der historischen Betrachtung kommt zudem ein schwerreicher Kölner Kaufmann ins Spiel, dem Korbach viel zu verdanken hat – Johannes Rinck. Die Familie war Anfang des 15. Jahrhunderts von Korbach nach Köln gezogen, aber der Heimatstadt stets eng verbunden geblieben.

So stiftete Johannes Rinck Mitte des 15. Jahrhunderts 6000 Goldgulden, um den Bau der Nikolaikirche zu vollenden. Die Korbacher Familie schaffte einen rasanten Aufstieg in der Kölner Kaufmannsgilde. Johannes Rinck vertrat die mächtige Stadt auch bei internationalen Auseinandersetzungen – etwa 1441 gegen einen Geschäftsmann in London. Zur Seite stand ihm dabei Conrad Rinck, ein Verwandter, der damals vermutlich noch in Korbach lebte. Denn in den Kölner Bürgerbüchern taucht Conrad Rinck in jenem Jahr nicht auf.

Landesregierung am Zug

Der Historiker und spätere Trierer Professor Franz Irsigler hat die Entwicklung der Hansekaufleute Rinck 1973 in einer Arbeit intensiv beleuchtet. Auch Irsigler ordnet Korbach dabei als Hansestadt ein.

In einem aktuellen Aufsatz hat der Korbacher Stadtarchivar Wolfgang Kluß all diese Aspekte zusammengeführt und neue Erkenntnisse zutage gefördert. Damit möchte Kluß beitragen, möglichst ein für allemal Zweifel auszuräumen am Korbacher Status einer Hansestadt. Zugleich lieferte Kluß die historische Begründung für Korbachs Antrag auf den Zusatztitel „Hansestadt“.

Das hessische Staatsarchiv Marburg hat den Antrag inzwischen für gut befunden. So scheint die Zustimmung der Landesregierung greifbar: „Hansestadt Korbach“. 2013 blickt Korbach ohnehin auf 825 Jahre Stadtrechte zurück. Zu diesem Jubiläum wäre das Hanse-Prädikat also höchst willkommen. (jk)

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