Edersee

Haufen Geröll oder Stätte des Gedenkens - Video und Umfrage

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- Edersee (höh). Die jahrhundertealten Siedlungsstätten auf dem Grund des Edersees üben alljährlich bei Niedrigwasserstand eine magische Anziehungskraft aus.

Tausende gehen auf die Suche nach den Resten der versunkenen Dörfer. Altes Kopfsteinpflaster von den Höfen, zerschlagene Sandsteintröge aus den Viehställen und Mauerreste aus den überfluteten Dörfern Berich, Bringhausen und Asel lassen erahnen, wie die Menschen vor über 100 Jahren lebten.

Nach dem Bau der Edertalsperre in 1914 mussten die Dorfbewohner Haus und Hof verlassen. Die Reste der Dörfer bröckeln seither von Jahr zu Jahr und verfallen zu einer Steinwüste. Die Seitenmauer der Klosterkirche in Berich stürzte schon in den 40er Jahren ein. Auch die Grundmauern alter Gebäude und der Hochofen der Bericher Hütte von 1755 sind inzwischen zusehends dem Untergang 
geweiht.

Der Waldecker Ortsbeirat fordert schnelle Rettung der Ruinen vor dem endgültigen Verfall. Landrat Dr. Reinhard Kubat will beim Wasser- und Schifffahrtsamt eine Genehmigung erwirken, um die wichtigsten Bauwerke noch in diesem Herbst zu sichern. Die Berichterstattung darüber hat auf der Internet-Plattform der WLZ-FZ rege Diskussionen ausgelöst.

„Da in das Geröll auch nur noch einen Cent reinzustecken, ist der pure Wahnsinn“, schreibt ein Internet-Nutzer, der sich treffend „Das Blaue Auge“ nennt. „Dann gebt dem Waldecker Ortsbeirat 
wasserdichten Mörtel, Schaufel und Hacke in die Hände und lasst es ausrichten“, ergänzt ein Kommentator mit Namen „Konservator“ und fügt hinzu: „Nur bitte keine Steuergelder dafür zu investieren, die kann man wirklich nützlicher einsetzen, als damit ein paar Steinhaufen zusammenzukleben, um diese der Nachwelt zu erhalten.“

Erschreckend ist das aus Sicht eines anderen Diskussionspartners. „Ist man im Waldecker Land wirklich so kulturscheu oder besser gesagt kulturresistent? Haben die Bericher, die vor knapp 100 Jahren ihren Ort mit Wehmut verlassen mussten, nicht eine Stätte des Gedenkens und „des An-sie-Denkens“ verdient?“ fragt er rhetorisch. Die Mauerreste erinnerten an den wohl schönsten Ort des Edertals. „Ich wäre mir nicht zu schade, die Maurerkelle in die Hand zu nehmen und in Andenken an die einstigen Bewohner zumindestens die Grundmauern und die Klostermauer vor dem endgültigen Verfall zu retten.“

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Samstag, 10. September.

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