Vöhler Gemeindevertreter gründen Arbeitskreis „Zukunft“

Haushalt einstimmig verabschiedet

Vöhl-Marienhagen - Zum ersten Mal nach 15 Jahren verabschiedeten die Vöhler Gemeindevertreter ihren Haushalt einstimmig. Dieser Entscheidung waren aber mehr als drei Stunden Diskussion vorausgegangenen.

Auf die Suche nach Einsparpotenzial im Haushalt hatten sich in den vergangenen Wochen Ortsbeiräte und Fraktionen in Vöhl gemacht. Am Montag berieten die Gemeindevertreter in Marienhagen nun über den Entwurf und kamen zu einem einhelligen Urteil. Ohne Gegenstimmen verabschiedeten sie den Haushalt. Diskussionsbedarf über einzelne Punkte im Plan allerdings hatte es zuvor reichlich gegeben:

Trennwand für die Henkelhalle: Mit 40 000 Euro ist die Erneuerung der Trennwand in der Henkelhalle im Haushaltsplan veranschlagt. „Zu viel“, befand Gerhard Henkel von der Bürgerinitiative Grüne Liste und forderte eine kostengünstigere Variante. „Das muss auch für 5000 Euro möglich sein“, befand er. Auch Sven Bökenschmidt von der SPD regte in seiner Haushaltsrede an, über die Kosten nochmals zu beraten. „Die Henkelhalle ist das Wohnzimmer der Gemeinde“, erklärte Bökenschmidt, „und die alte Trennwand ist verschlissen und muss ersetzt werden“. Nun soll eine erneute Prüfung der Trennwandanlage in der Halle Aufschluss über mögliche Kosten geben. „Bis dahin darf kein Auftrag vergeben werden“, befand Ulrich Müller (FWG) und forderte einen Sperrvermerk. Dem kamen die Gemeindevertreter mehrheitlich nach. Nach einer Prüfung kann der Sperrvermerk vom Haupt- und Finanzausschuss aufgehoben werden. „Wir geben nicht mehr Geld aus als notwendig“, versprach unterdessen Bürgermeister Harald Plünnecke.

Stellenplan: Stellen, die in der Verwaltung frei werden, sollten nicht um jeden Preis wieder besetzt werden, befand Ulrich Müller von der FWG. So könne Geld gespart werden. „Wir können es uns einfach nicht leisten, so weiterzumachen“, erklärte Müller. Unterdessen forderte Gerhard Henkel, eine aktuell zu besetzende Stelle auf zwei Jahre zu befristen. Auch Heinrich Heidel (FDP) regte an, vermehrt Unternehmen für Aufgaben in der Gemeinde anzuheuern. Bürgermeister Plünnecke warnte: „Wenn wir statt unseres Bauhofs künftig Unternehmen beauftragen müssen, dann sind wir nicht mehr flexibel.“ Er erinnerte an die Nachteinsätze der Bauhofmitarbeiter und Wassermeister während der Wasserversorgungsprobleme in Dorfitter. „Wir brauchen jeden einzelnen Mitarbeiter und müssen die Stellen erhalten“, befand Plünnecke. Die Mehrheit der Gemeindevertreter gab ihm Recht

Kindergärten: In einem waren sich alle Fraktionen einig: Investitionen in den Nachwuchs lohnen sich. Den Grünen gehen diese Ausgaben, die in die Kindergärten und in die Einrichtung des Ganztagskindergartens in Marienhagen gesteckt werden, aber nicht weit genug. „Wir wollen gebührenfreie Kindergartenplätze“, erklärte Henkel. Die Kosten für die Betreuung sollten sich die Kommunen und das Land teilen. Heidel regte unterdessen an, die Ausbildung von Tagesmüttern zu fördern, um so den Ansprüchen junger Familien gerecht zu werden.

Demografischer Wandel: Um diese Familien geht es den Gemeindevertretern auch mit Blick auf den demografischen Wandel. „Familien sollen sich bei uns wohlfühlen“, betonte Müller. Und deswegen regte die FWG an, Bauflächen an Familien mit Kindern kostenlos abzugeben. Darüber hinaus müsse ein Konzept gegen Leerstände auf den Weg gebracht werden, forderten Grüne und FWG. Über diese Vorschläge wurde vorerst nicht abgestimmt, stattdessen wurden sie in den Arbeitskreis „Zukunft“ verwiesen. Der muss zwar noch gegründet werden, soll sich dann aber mit ausgewählten Projekten befassen.

Haushaltssicherungskonzept: Laute Kritik gab es unterdessen an dem Haushaltssicherungskonzept (HSK). „Es fehlen konkrete Angaben zu Maßnahmen, die zur Konsolidierung des Haushalts beitragen“, kritisierte Ulrich Müller und rief noch deutlicher zum Sparen auf. Deswegen lehnte die FWG das HSK schließlich ab, mit den Stimmen der anderen Fraktionen wurde es aber angenommen.

Zufrieden stellte der Bürgermeister am Ende der Sitzung fest: „Wir sind auf einem guten, wenn auch manchmal holprigen Weg“.

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