Seit 40 Jahren bietet der Freundeskreis Hilfe für Abhängige und ihre Familien · Feier am 16. Novembe

Heilendes Wissen, nicht allein zu sein

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Sie freuen sich auf die Feier zum 40-jährigen Bestehen des Freundeskreises: Vorsitzender Claus-Dieter Döge und Gründungsmitglied Karl-Heinz Dörri.

Korbach - Sie haben Grenzen überschritten, das Thema Sucht aus der Tabuzone geholt - seit 40 Jahren besteht der Freundeskreis. Die eigentliche Geschichte des Vereins begann 1971 im Verborgenen, im Wohnzimmer der Dörris

„Wer einmal süchtig ist, dem kann nicht mehr geholfen werden“, das war noch vor 40 Jahren die weit verbreitete Meinung zum Thema Alkoholismus. Daran erinnern sich Claus-Dieter Döge und Karl-Heinz Dörri gut. Und doch gab es auch schon damals Menschen, die den Absprung geschafft, die ihr Leben wieder selbst in die Hand genommen haben. Was Betroffenen, ob nun Abhängigen oder Angehörigen, vor allem helfe? „Der Kontakt zu anderen, der Austausch über die Probleme, das Wissen, nicht als Einziger krank zu sein“, sagt Claus-Dieter Döge.

Feier am 16. November

Aus diesem Wissen heraus gründeten Betroffene am 14. November 1973 den Freundeskreis, eine Selbsthilfegruppe für Suchtkranke, Suchtgefährdete und deren Angehörige. Mittlerweile gibt es zwölf Gruppen im Landkreis, die insgesamt 132 Mitglieder zählen. Am 16. November wollen sie das 40-jährige Bestehen des Vereins feiern. „Um 11 Uhr treffen wir uns im Bürgerhaus“, berichtet Claus-Dieter Döge, erster Vorsitzender des Freundeskreises. Dazu kommen Mitglieder, aber auch Freunde und Gönner des Vereins und Schirmherr Jens Deutschendorf, Erster Kreisbeigeordneter und Leiter des Fachdienstes Gesundheit.

„Heute können so unglaublich viele Menschen gesund werden“, erklärt Döge. Alkoholismus ist mittlerweile eine anerkannte Krankheit. Lange Zeit war die Sucht aber verpönt, es sei reine Willenssache, wieder gesund zu werden, hieß es damals.

Karl-Heinz Dörri war selbst alkoholabhängig. „Ich hatte damals viele Ängste, vor allem wegen meiner beruflichen Zukunft“, erinnert sich Dörri, Gründungsmitglied und lange Vorsitzender des Freundeskreises. Damals erhielt Dörri den gut gemeinten Rat, einfach ein Glas Cognac zu trinken - das helfe gewiss. Er befolgte den Rat. „Seit dieser Stunde wusste ich, dass ich etwas ganz Schlimmes tat. Dass ich abhängig war. Und dafür war ich ganz allein verantwortlich“, betont der 76-Jährige. Er gibt niemandem die Schuld an seinem Leiden.

„Verschämt und heimlich“

Dörri vertraute sich niemandem an, auch nicht seiner Frau. Er erfand Ausreden und fühlte sich, als sei er der einzige Mensch mit einem Alkoholproblem. Erst der Führerscheinverlust, der ihn zu dem Eingeständnis zwang, dass er krank war, läutete seine Gesundung ein. Karl-Heinz Dörri wandte sich an Pfarrer Eckhard Willer. Auch er wurde ein Mann der ersten Stunde des Freundeskreises. Für Dörri fand er heraus, dass das Diakonische Werk in Kassel eine Beratungsstelle für Alkoholkranke eröffnet hatte. Dörri ging in Kur. Und schaffte letztendlich den Absprung. Als er schon wieder gesund war, sprach sich sein Weg herum. „Die Leute wussten plötzlich, dass ich krank war“, berichtet er. 1971 meldeten sich dann Menschen bei ihm, die die gleichen Probleme hatten. So fanden erste Treffen in Dörris Wohnzimmer statt - „ganz verschämt und heimlich“. Aber die Männer merkten, dass die Gespräche ihnen guttaten. Und auch ihren Frauen half es, sich austauschen zu können. „Und ohne die Unterstützung meiner Frau Elsa hätte ich das alles auch nicht geschafft“, stellt Dörri heute fest. So wurde 1973 im Gemeinderaum in Twiste der Freundeskreis gegründet. Innerhalb des ersten halben Jahres fanden schon 20 Betroffene den Weg zu den Treffen - und es wurden stetig mehr.

Gesprächsangebote

Der Freundeskreis bietet auch heute noch Gesprächsrunden an - für Alkoholiker, aber auch für ihre Familien, vor allem die Frauen. „Sobald man offen und ehrlich über das Problem reden kann, wird es viel leichter“, erklärt Marianne Döge. „Und ohne Ehrlichkeit ist auch keine Gesundung möglich“, ist sie sicher.

Wenn einer abhängig ist, leidet die ganze Familie. Das wissen Claus-Dieter Döge und Karl-Heinz Dörri. Sie sind beide schon lange trocken. „Die Gespräche haben geholfen“, erinnert sich Döge. Damit hätte er damals nie gerechnet.

Der Freundeskreis setzt auf Vertrauen. Das Vertrauen, dass das Gesagte in den vier Wänden der Gruppenräume bleibt. Und darauf, mit Seminaren und Tagesfahrten eine Auszeit zu nehmen, Abstand zu den alltäglichen Problemen des Lebens zu bekommen und vor allem in Kontakt zu bleiben, Unterstützung zu erfahren und zu wissen: „Wir sind nicht allein.“ (nic)

Weitere Infos zu den Angeboten des Freundeskreises gibt es unter Telefon 05631/5019096 oder unter Claus-Dieter.Marianne@t-online.de.

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