Hoffmann und Geschichtsverein eröffnen Grenzsteinmuseum bei Herzhausen

Heimatgeschichte wird zum Erlebnis

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Mehr als zwei Jahre lang haben sie entworfen, gebaut und eingerichtet: Am Samstag laden Wilfried Stieglitz, Friedrich Hoffmann und Wilfried Schulze-Ueberhorst vom Geschichtsverein zur Eröffnung des Grenzstein-Museums ein.Fotos: Theresa Demski

Vöhl-Herzhausen - Hier erzählen die Steine Geschichten: Am Samstagnachmittag eröffnet Friedrich Hoffmann, Obmann für historische Grenzsteine, gemeinsam mit dem Geschichtsverein Itter-Hessenstein ein kleines, aber feines Museum neben dem Nationalparkzentrum.

Ein Rundgang durch das kleine, schmucke Grenzsteinmuseum ist wie eine Reise durch die Zeit. Und Reiseleiter Friedrich Hoffmann verwandelt den Ausflug humorvoll, aber bedacht in eine spannende Spurensuche.

Seit zwei Jahren entwirft, baut und richtet er mit vielen Helfern das kleine Museum gleich neben dem großen Nationalparkzentrum ein. Hoffmann ist Obmann für historische Grenzsteine und deswegen Experte, wenn es um diese besondere Art der Zeitreisen geht. „Ich möchte das Interesse der Menschen an der Heimatgeschichte wecken“, erklärt der Herzhäuser. Unterstützung bekommt er dabei nicht nur von den Kollegen des heimischen Geschichtsvereins Itter-Hessenstein, sondern auch von benachbarten Geschichtsvereinen. „Spenden haben uns außerdem bei der Umsetzung unserer Idee geholfen“, sagt Friedrich Hoffmann.

Am Samstag eröffnet er nun sein kleines „Historisches Grenzsteinmuseum“, das etwas unterhalb des Nationalparkzentrums liegt. Und schon der Weg dorthin soll eines Tages eine gedankliche Reise vom Norden des Landkreis bis ganz in den Süden sein - viele Grenzsteine, die bei Hoffmann bereits angemeldet sind, sollen dann am Wege stehen. Aber auch jetzt schon erzählen alte Steine auf dem Weg zu dem Holzhaus von Fehden und Kriegen, von Versöhnung und Verträgen.

Der älteste Stein ist mehr als 500 Jahre alt. Es gibt einen Stein, der alte Fischereibezirke markierte, ein anderer, der zwischen Korbach und Berndorf unter Jägern für Ordnung sorgte, weil er er dort die Jagdbezirksgrenze markierte. Ein anderer Grenzstein wurde von Ludwig Balthasar Müller, der den Bergbau im großen Stil nach Thalitter brachte, 1778 gesetzt. Und auch ein stummer Zeitzeuge, der zwischen Basdorf und Niederwerbe auf die Grenze zwischen Hessen Darmstadt und dem Fürstentum Waldeck hinwies, gehört bereits zur Sammlung. Auch zwei Steine, die lange in der Todeszone der DDR standen, gehören zur Ausstellung.

„Das sind alles Steine, die aus landwirtschaftlichen Gründen oder wegen neuen Straßenzügen nicht mehr gesetzt werden können“, erklärt Hoffmann. Wo sie aber mal ihren Platz hatten, das können Besucher in dem kleinen Museum sehen.

Geschichten aus dem Alltag

Was auf den ersten Blick nur wie alte Karten aussieht, verwandelt sich mit „Museumsführer“ Friedrich Hoffmann in lebendige Geschichte. Karten von 1550 bis 2010 zeigen die Besitzverhältnisse in der Region. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, was hier los war“, sagt Hoffmann, „es gab viele, viele Grenzen“.

Und die führten zuweilen zu absurden Geschichten. „Ein Gendarm aus Vöhl sollte einen Verbrecher in Eimelrod abholen“, erzählt Hoffmann. Weil Eimelrod eine Exklave der Herrschaft Itter und später der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt in Waldeck war, musste der Gendarm gleich zwei Genehmigungen einholen, um ins Ausland reisen zu dürfen - erst über die Grenze nach Waldeck, dann nach Eimelrod und zurück durchs Ausland nach Vöhl. „Es gibt Hunderte dieser Geschichten“, sagt Hoffmann, „sie sollen hier erzählt werden“. Ob Napoleon oder die Preußen: Mit den Kriegen und Herrschern veränderten sich die Karten - und die Grenzsteine.

Am Ende der mühevollen Ausstellung steht der Betrachter vor der aktuellen Karte des Landkreises. „Es gab früher so viele Grenzen“, sagt Hoffmann, „und heute leben wir fast ohne Grenzen in großer Freiheit“. Das sei der eigentliche Kern der Ausstellung, sagt er und wünscht sich, dass manch ein Besucher in dem kleinen Museum ein neues Gefühl für seine Heimat bekommt.

Zur Museumseröffnung am Samstag um 14 Uhr wird herzlich eingeladen. Die Jagdhornbläser wirken mit, Führungen werden angeboten. Nach der Kaffeepause um 16 Uhr steht ein Vortrag zur Territorialgeschichte auf dem Programm. Zur Eröffnung werden auch Münzen ausgestellt.

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