Korbacher Quartett „No one important“ im Finale knapp vorn

Ein Heimsieg beim Band-Contest

Korbach - Die Korbacher Band „No one important“ entschied das Finale des Band-Contests im K 20 knapp, aber einhellig für sich. Eine großartige Show und eine stilistische Bandbreite gaben den Ausschlag gegenüber dem Trio „Riphity“ aus Diemelstadt – im absolut-musikalischen Bereich eine Klasse für sich.

Da beide Bands in der Vorrunde jeweils die Jury wie das Publikum überzeugen konnten, deutete schon vor dem ersten Takt vieles auf ein enges Rennen zwischen diesen beiden Formationen hin, doch erst einmal hatten die jeweiligen Publikumszweiten ihre Chance und mit ihren Performances ließen „13 and pregnant“ und „Joker“ keinen Zweifel daran aufkommen, dass beide einen Riesensprung nach vorn gemacht hatten. „13 and pregnant“ hatten ihr Repertoire binnen eines Monats nahezu verdoppelt und überwältigten zunächst mit ihrer schieren Energie und dem stimmlichen Kontrast zwischen den melodisch-energischen Vocals von Frontfrau Katharina Wingerter und Shouter Lukas Vitrasek, dessen grimmige Einwürfe das Paar am Mikro als eine reizvolle „Die-Schöne-und-das-Biest“-Konstellation erscheinen ließ. Über die komplette Dauer des Auftritts schlug dann doch das Erfahrungsdefizit durch, nicht nur in Form von kleineren Wacklern oder Unsicherheiten. Als wirklich ärgerlich erwies sich der Umgang mit dem vokalen Aktivposten, denn die Band verschliss im Verlauf von sieben Stücken geradezu gnadenlos die Kombination Lead-Vocals-Shouter und verwischte dabei die Unterschiede. Die Songs klangen daher, trotz großartiger Gitarrenarbeit von Ivan Losing und Lukas Vitrasek, etwas schematisch. Während der Vorrunde war das Hauptmanko der Death-Core-Formation Joker die mangelnde Differenzierung bei insgesamt neun Titeln gewesen, insofern konnte sich die Band aus dem Burgwald auf intensives Feintuning an Repertoire und Show konzentrieren. Beim Finale erklangen denn auch acht ausdifferenzierte Charakterstücke mit deutlich mehr Durchschlagskraft. Am deutlichsten wurde der Fortschritt beim von knallharten Riffs geprägten „Unit“ von Feign Death bei dem Joker musikalisch absolut auf Augenhöhe mit dem Band-Contest-Sieger von 2011 agierten und als Shouter Marvin Szabo bei „Betrayal“ seinen Gang ins begeisternd feiernde Publikum antrat, war schon mal klar, dass Joker am Ende nicht Letzter sein würde. Trotzdem sollte es nicht zum dritten Death-Metal-Sieger in Folge reichen, dieses Finale machten zwei Gruppen mit melodischem Schwerpunkt unter sich aus. Allerdings blieben „No one important“, als einzige Band, nicht auf ihrer Genre-Insel und leisteten sich mit „Scream Out“ und dem aus dem Publikum auf die Bühne eingesprungenen Gast-Shouter Patrick Stania auch einen gelungen Ausflug in den Metal-Bereich. Im Spiel mit Stilen erwies sich die Korbacher Formation, die von ihren zahlreichen Fangs angefeuert wurde, als virtuose Einheit, die im Verlauf des Auftritts auch den Humor nicht außer acht ließ. Vor dem Country-Intro von „Lies“ setzten sich Bassist Benny Stania, Gitarrist Maximilian Bischoff und Ersatz-Drummer Lukas Bremmer Horromasken auf, der optische Gipfel der vielseitigen Show. Die Stimme von Janina Philippi erwies sich, einmal mehr als die unverwechselbare Konstante vom melancholischen Beginn mit „My Heart“ über den midtempo von „Trust“ bis zum funkigen Reggae „Better without you“, zu dem Bassist Benny Stania und Gitarrist Maximilian Bischoff ihre good Vibes beisteuerten. Mit der Zugabe „Yo‘ve got the love“ hatte die Band im Mai des Vorjahres ihr Bühnendebüt gegeben, beim abschließenden „Klassiker“ war die zahlreiche Fangemeinde vollkommen aus dem Häuschen. In Sachen Stimmung hatten „Riphity“ kaum noch Luft nach oben, dafür spielte das Trio aus Diemelstadt vom ersten Takt an sein enormes musikalisches Potenzial beim durchweg aus Eigenkompositionen bestehenden Set. Insbesondere Phil Seyfarth spielt an diesem Abend in einer anderen Dimension. Mit seine melodischen Soli und dem Funk bei „Angriff ist die beste Verteidigung“ setzte der Gitarrist klar die Maßstäbe, die Rhythm-Section Rico Seyfarth und Tim Sterzel agierte auf ähnlich hohem Niveau. Mit ihrem eigenen Material und den engagierten Texten zeigten Riphity ein klares Profil und hatten seit dem Sieg weiter an der musikalischen Performance gefeilt, blieben in Sachen Show aber in den Zwängen der Trio-Konstellation gefangen. In seiner Doppelrolle als Schlagzeuger-Sänger blieb Rico-Seyfarth wenig Spielraum für spontane Interaktion mit dem Publikum, zudem kam er beim Finale schneller an seine stimmlichen Grenzen und klang etwas eng. Am Ende lief Riphity die Zeit davon, mit der Zugabe „Die Welt in der wir leben“, die musikalisch ein großartiges Finale abgab, überschritt das Trio, als einzige Band, das Zeitlimit und das ziemlich deutlich. Die Restspielzeit nach dem, nicht ganz so notwendigen „Freunde“ hätte allenfalls für „Yesterday“ gereicht. Kleinere Mängel im Gesamtkonzept brachten die musikalisch stärkste Band um den Sieg. (ahi)

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