Thomas Stroux als kulinarisch motiviertes Gespenst von Canterville mit starkem Ensemble in der Stadt

Heitere Spukgeschichte mit versöhnlichem Ende

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Ein Gespenst mit Schnupfen! Sir Simon von Canterville (Thomas Stroux) im Schaukelstuhl, umringt von seinem Getreuen Humphrey (Robert Rigler) sowie Lucretia (Petra Liederer) und Hiram B. Otis (Josel Baum).

Korbach - Liebe geht durch den Magen, heißt ein altes Sprichwort. Dieses bildet auch die Grundlage für Susanne F. Wolfs Bühnenfassung von Oscar Wildes Erzählung „Das Gespenst von Canterville“, mit der das Tourneetheater Thomas Stroux in Korbach gastierte.

In der jüngsten Dramatisierung hält das Fernsehen im Spukschloss Einzug und zieht den ebenfalls frustrierten Mit-Geist Humphrey (Robert Rigler) in seinen tröstlichen Bann.

Hauptgespenst Sir Simon ist dagegen beinahe untröstlich über den Verlust seiner Schrecklichkeit und das Versagen sämtlicher seit Jahrhunderten wirksamer Hilfsmittel des Grauens, seitdem die amerikanische Botschafterfamilie Otis eingezogen ist. Der einzige Ausgleich ist die stark verbesserte Küche, denn statt der labbrigen Gurken-Sandwichs, die Mrs Umney (Sylvie Reisinger) für den Inbegriff englischer Esskultur hält, steht nun Enricos (Gregor Fürnweger) leckerer Sugo auf dem Herd.

Und um den Topf mit dem leckeren „Tomatenbrei“ entbrennt ein nächtlicher Wettstreit zwischen der traditionell britisch eingestellten Haushälterin und dem gefräßigen Hausgespenst, das dabei natürlich die Oberhand behält. Und natürlich erliegen beide Vertreter der britischen Kultur dem unwiderstehlichen Charme der italienischen Küche, für die beiden anfänglichen Widersacher in der Küche gibt es gar ein persönliches Happy End.

Davor steht die Erlösung Sir Simons, an der die junge Dame und Mitwisserin aktiven Anteil hat. Dem wackeren Gespenst bleiben die entwürdigenden Erfahrungen mit dem amerikanischen Pragmatismus und Universalreiniger, Kettenöl, Magentropfen oder Wasserbomben samt einem dicken Gespensterschnupfen nicht erspart. Die Zuschauer in der nahezu ausverkauften Korbacher Stadthalle amüsierten sich gut bei vertrauten Späßen und neuen Spitzen und bemitleideten das Gespenst nicht allzu sehr. Auch wenn Prinzipal Thomas Stroux den Konflikt zwischen 400 Jahre altem Rollenanspruch und neuer Liebe für die süße Virginia und den leckeren Sugo in jede Richtung ausspielte. Denn in Stroux’ Inszenierung steckte viel augenzwinkernder Klamauk, den das Korbacher Publikum wie das Menü eines Fünf-Sterne-Kochs goutierte und mit entsprechendem Beifall honorierte.

Als Mitwisserin und Erlöserin wie als frisch in den linkischen Cecil verliebtes Mädchen hatte Susanne Preissl sämtliche Sympathien auf ihrer Seite. Der jungen Schauspielerin blieb ebenso wie TV-Serienstar Josef Baum oder dem Küchenduo ein Umkleidemarathon erspart, alle anderen Darsteller wechselten konstant die Kostüme.

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