Korbach

Heizkraftwerk steht zwei Wochen still

- Korbach (lb). Große Inspektion im Müllheizkraftwerk: Die Betreiberin MVV lässt die Korbacher Anlage seit Anfang Oktober von mehr als 20 Fachfirmen überholen.

Im Blickpunkt steht vor allem der 35 Meter hohe Kessel, der wegen der in ihm herrschenden hohen Temperaturen von 1200 Grad einer besonderen Belastung ausgesetzt ist. Eine Spezialfirma reinigt die Wände und überprüft sie auf Schäden. Besondere Probleme seien bei der Revision keine aufgetreten, so Friedhelm Kaiser, Geschäftsführer des Korbacher Kraftwerks. Man habe nur den erwarteten normalen Verschleiß vorgefunden. Am Montag war es allerdings zu einem Arbeitsunfall gekommen. Ein Arbeiter einer Reinigungsfirma hatte sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen, wie Kaiser mitteilte. Die Wunde sei genäht worden, der Mann habe eine Nacht zur Beobachtung im Korbacher Krankenhaus bleiben müssen. Die „große Inspektion“ ist mit einigem Aufwand verbunden: Bei der heimischen Heizung reicht ein Heizungsinstallateur, wenn im Müllheizkraftwerk eine Revision ansteht, müssen mehr als 20 Firmen anrücken und der Kessel steht für mehrere Tage still. „In Spitzenzeiten sind bis zu 40 Leute in der Anlage“, sagte Betriebsleiter Andreas Schuldt-Gerold. Bis zu einer halben Million Euro kostet MVV laut Kaiser die jährliche Hauptrevision. Das benachbarte Continental-Werk wird während der Arbeiten mit Dampf aus den beiden Erdgaskesseln des Kraftwerks versorgt. „Wir merken das gar nicht, beide Gaskessel erzeugen ausreichend Dampf“, so Robert Pohlmann, leitender Ingenieur bei Continental. Das Unternehmen hat in diesem Jahr bereits rund 130 000 Megawattstunden Wärme aus dem Kraftwerk abgenommen. Zum Vergleich: Das reicht aus, um den durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 6500 Haushalte zu decken. Eingesetzt wird der Dampf vor allem bei der Vulkanisation von Reifen, aber unter anderem auch für die Raumheizung. Aus überschüssigem Dampf erzeugt das Kraftwerk außerdem Strom für das Continental-Werk. Der Wirkungsgrad der Anlage liege damit bei über 65 Prozent, so Kaiser. Durch das Kraftwerk habe sich für das Reifenwerk die Versorgungssicherheit mit Prozessdampf verbessert, erklärte Continental-Werksleiter Lothar Salokat. Spitzen könnten leichter abgefangen werden. Die weggefallenen Kesselanlagen auf dem Werksgelände hätten außerdem Platz geschaffen für den neuen Mischsaal. Schon ab Mittwoch wird das Kraftwerk in der Limmerstraße wieder Lieferungen mit dem sogenannten „Ersatzbrennstoff“ annehmen, so heißt der speziell aufbereitete Abfall im Fachjargon. Bevor der Kessel ab Freitag wieder mit Müll befeuert wird, muss er mit Erdgas auf Betriebstemperatur gebracht werden. Ab Montag soll Continental planmäßig wieder mit Dampf aus dem Hauptkessel versorgt werden.

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