Entwurfs des Teilregionalplans Energie sieht massive Konzentration in der Uplandgemeinde vor

560 Hektar Windvorrangflächen

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Versucht eine sachlich fundierte Lösung hinsichtlich der Ausweisung von Windvorrangflächen zu finden: Bürgermeister Thomas Trachte. Foto: Ulrike Schiefner

Willingen - Der Entwurf des Teilregionalplans Energie Nordhessen sieht vor, etwa sieben Prozent des Upländer Gemeindegebiets als Windvorrangflächen auszuweisen, insgesamt also rund 560 Hektar.

Vom Montag, 16. März, bis Freitag, 15. Mai, erfolgt die zweite Offenlegung des Planentwurfs. Kommunen und Bürger haben Gelegenheit, eventuelle Einwände zu äußern. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Thema“, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung. „Wir haben erhebliche Probleme mit der in unserem Gemeindegebiet geplanten massiven Konzentration von Windkraftanlagen.“

Planungen abstimmen

Am Donnerstag hat der Willinger Verwaltungschef bei einem Gespräch in Kassel mit Vertretern des Regierungspräsidiums noch einmal eine Vielzahl von Argumenten ausgetauscht. In den nächsten Tagen besucht er alle Bürgermeisterkollegen in der Nachbarschaft - sowohl im Waldecker Land als auch jenseits der Landesgrenze -, um die gemeindlichen Planungen möglichst abzustimmen. Ferner sind Termine mit dem Hochsauerlandkreis und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg geplant sowie mit den Vertretern der Parteien, die letztendlich in der Planungsversammlung den Teilregionalplan beschließen.

Der aktuelle Planentwurf sieht auf dem Gebiet der Uplandgemeinde Windvorrangflächen in folgenden Bereichen vor: am Treis (Grenzgebiet zum Briloner Stadtwald und in Richtung Bontkirchen); am Langenberg (Richtung Burbecker Platz); eine große Fläche am Hillekopf und Krutenberg (zwischen Usseln, Titmaringhausen und Küstelberg); am Eideler und Hermannsberg; auf der Sähre; am Mühlenberg (zwischen Eimelrod und Usseln).

Ein Teil der jetzt angedachten Windvorrangflächen war bereits im ersten Entwurf des Teilregionalplans enthalten. Andere sind neu hinzugekommen, insbesondere die umfangreichen Areale am Hillekopf und Krutenberg. Wie berichtet, war hier auch auf Medebacher Seite einmal eine Projektentwicklung angedacht, die im Entwurf des westfälischen Raumordnungsplans inzwischen aber nicht mehr enthalten ist.

In Nordrhein-Westfalen hat laut Bürgermeister Trachte bisher übrigens noch keine Offenlegung des dortigen Regionalplans stattgefunden. Die Ausweisung von Windvorrangflächen hat dort - im Gegensatz zur hessischen Regelung - keine Ausschlusswirkung. Im Klartext: Im westfälischen Raumordnungsplan werden Flächen festgelegt, die für Windkraftanlagen freizuhalten sind. Darüber hinaus können in Flächennutzungsplan- und Einzelverfahren jedoch auch noch weitere Bereiche ausgewiesen werden.

„Mit Windrädern gespickt“

In Hessen hingegen dürfen die Windräder nur dort errichtet werden, wo der Regionalplan entsprechende Vorranggebiete vorsieht. „Faktisch übernimmt das Regierungspräsidium mit dem Teilregionalplan Energie die Bauleitplanung für Windvorrangflächen“, erläutert Thomas Trachte. Die Gemeinden können in ihren Flächennutzungsplänen zwar auch Flächen ausweisen, müssen sich aber letztendlich den Vorgaben der übergeordneten Ebene anpassen.

Der Willinger Bürgermeister hat die große Befürchtung, dass die Fremdenverkehrsregion Willingen/Sauerland in Zukunft ein mit Windrädern gespicktes Bild bieten könnte. Aus Sicht der politischen Gremien der Uplandgemeinde ist eine so große Zahl von Windvorrangflächen mit den touristischen Gegebenheiten und den zukünftigen Entwicklungszielen nicht zu vereinbaren.

Naturnaher Erholungsraum

Das Gemeindeoberhaupt macht sich dafür stark, dass die Landschaft mit ihren zahlreichen 800-Meter-Höhenzügen optisch unzerschnitten als attraktiver naturnaher Erholungsraum erhalten bleibt. „Ich sehe darin ebenfalls ein wichtiges raumordnerisches Ziel.“ Trachte verweist in diesem Zusammenhang auf die gewachsenen touristischen Strukturen und die überragende Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs für die gesamte Region.

Neben den befürchteten massiven negativen Einflüssen aufs Landschaftsbild führt er bei einigen Flächen erhebliche naturschutzfachliche Bedenken ins Feld. „Wir bemühen uns, in einem anstrengenden Suchprozess einerseits einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, andererseits aber die Belange des Landschafts- und Naturschutzes zu wahren und die überdurchschnittlich große wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus zu berücksichtigen.“

Der Bürgermeister will nach eingehender Prüfung mit fachlichen Argumenten gegebenenfalls die Herausnahme einzelner Flächen aus dem Teilregionalplan beantragen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Problematik und versuchen, eine sachlich fundierte Lösung zu finden.“

Info-Veranstaltung geplant

Interessierte Bürger können beim Regierungspräsidium Eingaben zum Teilregionalplan Energie machen. Es besteht die Möglichkeit, den Planentwurf während der Offenlegungsfrist auch im Willinger Rathaus einzusehen. Thomas Trachte: „Wir stehen allen Bürgern bei Bedarf zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung.“ Aufgrund der herausragenden Bedeutung plant er, noch im März oder im April eine Informationsveranstaltung durchzuführen.

Von Ulrike Schiefner

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